Special: Lesung im Literaturhaus Graz – Michael Köhlmeier & Konrad Paul Liessmann: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam?

Ein ausbaufähiger Abend, der seinen Zweck allerdings nicht verfehlt hat – nämlich Lust darauf zu machen, das vorgestellte Buch zu lesen.

Der Abend begann, wie man es von solchen Abenden erwartet, mit einer kurzen und knackigen, aber trotzdem humorigen Einleitung seitens des Moderators. Dieser erläuterte in wenigen Sätzen das Konzept des zu behandelnden Werkes. In „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam?“ vereinen einer der populärsten Märchenerzähler und einer der populärsten Philosophen Österreichs ihr Können.

Anhand von zwölf Überbegriffen, welche zusammen das „Menschsein“ in seiner Gesamtheit reflektieren sollen, wurden zwölf Märchen/Geschichten ausgewählt, die von Michael Köhlmeier in eine neue sprachliche Form gegossen wurden. Nach jeder Geschichte folgt eine philosophische Betrachtung der in der Geschichte enthaltenen Leitthemen durch Konrad Paul Liessmann.

Nach dieser Einleitung wurden von den beiden Autoren drei Kapitel aus dem Buch ausgewählt und jeweils zunächst das Märchen von Michael Köhlmeier vorgelesen und anschließend die philosophische Betrachtung von Konrad Paul Liessmann. Dies gewährte einem einen recht guten ersten Einblick in das neueste Werk dieser beiden Koryphäen auf ihrem Gebiet. Und zumindest was mich angeht, hat es durchaus das Interesse auf mehr geweckt. Die Geschichten an und für sich sind gut geschrieben, auch wenn ich mit der Art des Vortragens durch Herrn Köhlmeier nicht immer ganz einverstanden war. Auch die Betrachtungen durch Herrn Liessmann sind sehr interessant, da er neben offensichtlichen auch zeitweise eher überraschende Themen aufgreift und aus diesen teils hart auf den Punkt gebrachte Schlüsse zieht. Gerade dieses Element des Buches, die Herangehensweise an ein und dasselbe übergeordnete Thema von zwei ganz unterschiedlichen Standpunkten aus, ist der hervorstechendste Punkt, der für dieses Buch spricht.

Der Abend selbst ließ mich leider etwas enttäuscht zurück – denn nach den Lesungen war er auch schon wieder vorbei. Die Autoren waren zwar noch so freundlich ihre Werke für die Zuhörer zu signieren, aber es gab keine Form eines anschließenden Dialogs. Ich hätte mir nach den Lesungen allerdings irgendeine Art von weiterführendem Dialog gewünscht, zum Beispiel, wie die beiden überhaupt auf die Idee für dieses Buch gekommen sind oder vielleicht ein paar vorbereitete Fragen seitens des Moderators oder einfach nur eine kurze Erläuterung, weshalb sie sich für den heutigen Abend genau für diese drei Geschichten in dieser Konstellation entschieden haben. Ich muss zugeben, dass ich noch nicht auf vielen Lesungen war und somit das allgemein übliche Prozedere bei solchen Veranstaltungen nicht kenne, aber nachdem auch bei der Ankündigung des Veranstalters von „Lesung und Gespräch“ die Rede war, muss ich leider sagen, dass meine Erwartungen an diesen Abend nicht vollständig erfüllt wurden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s