„The Great Wall“ – Filmrezension

© 2017 Universal Pictures International

Bildgewaltig inszeniertes Mittelmaß!

Ich war nach dem ersten Trailer, auch wenn man hier schon vermuten konnte, dass es storytechnisch nicht der nächste große Wurf werden wird, doch recht gespannt auf das neueste Werk von Zhang Yimou. Nach Filmen wie „Hero“, „House of Flying Daggers“ und „Der Fluch der goldenen Blume“ sollte es nun also ein Film mit Matt Damon in der Hauptrolle sein und somit eine Annäherung zweier unterschiedlicher Kulturen. Rein vom visuellen Standpunkt aus gesehen kann der Film durchaus überzeugen. Wie so oft spielt Zhang Yimou mit einer reichen Farbpalette, um ästhetische und stimmungsgeladene Bilder zu produzieren. Ich kenne kaum einen Regisseur unsere Zeit, der das Einsetzen von Farben, um dadurch ganz bestimmte Stimmungen zu erzeugen, so beherrscht wie Herr Yimou. Und trotz eines Budgets von über 100 Millionen US-Dollar ist es bei Weitem nicht das ästhetischste Werk von ihm, sondern eher guter Durchschnitt. Auch wenn die Effekte an und für sich zwar sehr schön anzuschauen sind, können sie trotzdem den Film nicht über das Mittelmaß hinausretten. Dies liegt auch an der eher dünnen Handlung des Films, welche, verglichen mit anderen Vertretern des Genres, eher im unteren Mittelfeld anzusiedeln ist. Nichts Neues oder Spannendes wird einem geboten – irgendwie kommt einem alles sehr vertraut vor, da man es so oder so ähnlich schon aus anderen und meist sogar besseren Filmen kennt. Nehmen wir zum Beispiel die Gesellschaftsform der Alienrasse als Kollektiv mit einer einzigen alles lenkenden Anführerin ohne die das Kollektiv versagt. Ein beliebtes Sujet im Science-Fiction-Bereich, das einen unweigerlich an die Borg aus Star Trek denken lässt. Oder auch das Thema des einsamen Fremden, der wie durch ein Wunder viel besser mit den Aliens klar kommt, als die unzähligen einheimischen Krieger, die schon ihr Leben lang auf diesen Kampf vorbereitet werden. Aber nicht nur die relative Einfallslosigkeit was die Handlung angeht, fällt einem negativ auf, auch das Charakterdesign lässt zu wünschen übrig. Da der gesamte Plot des Films in nur fünf Minuten erzählt werden kann, könnte man meinen, dass dafür der Ausbau der Charaktere umso detaillierter vonstatten geht – leider ist dem nicht so. Man erfährt im Verlauf des Films kaum etwas über die Protagonisten, wodurch einem ihr Schicksal gegen Ende hin mehr oder weniger gleichgültig ist. Da helfen leider auch die durchwegs guten schauspielerischen Leistungen nicht wirklich.

Alles in allem bleibt es somit ein Film, der einen für etwas über eineinhalb Stunden halbwegs gut zu unterhalten weiß, aber dann auch genau so schnell wieder in Vergessenheit gerät – dann doch lieber Popcorn in die Mikrowelle und nochmal die DVD von „Hero“ in den Player geben.

  • Titel: The Great Wall
  • Originaltitel: The Great Wall
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Laufzeit: 104 Minuten
  • Produktionsstudio: Universal Pictures; Le Vision Pictures; China Film Group Corporation
  • Regie: Zhang Yimou
  • Darsteller: Matt Damon; Jing Tian; Pedro Pascal; Willem Dafoe; Andy Lau
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3 Gedanken zu “„The Great Wall“ – Filmrezension

    • Ja, das Design war auf jeden Fall nicht schlecht aber ich fand einfach, dass man viel Potenzial liegen gelassen hat. Aber für einen netten Abend mit Freunden und einem Eimer voll Popcorn ist der Film auf jeden Fall geeignet ;-)!

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