„Silence“ – Filmrezension

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Jetzt mal Spaß bei Seite, obwohl mir der Trailer eigentlich nicht so zugesagt hatte war ich trotzdem sehr gespannt auf Martin Scorseses neuesten Streich, erstens weil er einfach ein paar der besten Filme der letzten Jahre herausgebracht hat und zweitens weil ich gelesen habe, dass der Mann mehrere Jahre für die Verwirklichung dieses Herzensprojekts gekämpft hatte. Was kann also noch schief gehen, fragt man sich und die Antwort ist leider…so einiges!Aber fangen wir doch lieber mit den positiven Dingen an. Hier sind ganz eindeutig die schauspielerischen Leistungen hervorzuheben. Besonders Andrew Garfield kann einmal mehr beweisen weshalb er in den letzten Jahren ein gerne gebuchter Mann ist. Er trägt meiner Meinung nach den größten Teil des Films alleine auf seinen Schultern, da seine Co-Stars einfach zu wenig Screentime und Text haben, um über ihr Dasein als eindeutige Nebenrolle hinaus zu wachsen und das obwohl vor allem ein paar der asiatischen Schauspieler wirklich gelungene Performances abliefern. Auch die Kameraarbeit ist lobenswert zu erwähnen, da dank vieler starker Bilder die Atmosphäre des Films verdichtet und aufgebaut wird. Leider gibt es bis auf diese zwei Punkte nicht viel mehr gutes über den Film zu berichten und deswegen folgen jetzt meine Kritikpunkte. Fangen wir zunächst einmal mit der Länge an – der Film dauert nämlich geschlagene 161 Minuten. Das bedeutet, dass man eine Menge Sitzfleisch zur Verfügung haben muss, um die vielen Passagen zu überstehen wo wenig bis gar nichts passiert oder die endlosen Monologe und Zwiegespräche mit und über Gott. Damit haben wir auch schon die Überleitung zum nächsten großen Manko, der Handlung. Ich weiß, dass die Verfolgung der Christen durch die Japaner eine wirklich schlimme Sache war in der viele unnötige Gräueltaten begangen wurden, das will ich auch gar nicht abstreiten, aber der Film versucht nur in wirklich sehr wenigen Sätzen, die man bei dieser Länge auch leicht überhören könnte, die eigentlichen Gründe für diese Taten aufzudecken. Es wird einfach so dargestellt, als wären die Japaner herzlose Monster gewesen die die Christen allein wegen ihres Glaubens verfolgt hätten, dass dahinter allerdings sehr viele politische Verstrickungen steckten und vor allem auch einige handeltreibende Staaten viel zu der Situation beigetragen hatten, ignoriert der Film quasi völlig. Als dann am Ende auch noch ein Vergleich zwischen der Hauptfigur und Jesus gezogen wird und dieser sich sogar selber zu Wort meldet bin ich endgültig ausgestiegen.

Was ist also mein Fazit? Meiner Meinung nach könnte der Film gläubigen Katholiken sehr gut gefallen, da sich eigentlich alles genau um dieses Thema dreht. Diejenigen, die Fans von Scorsese aufgrund seiner bisherigen Filme sind, werden wahrscheinlich, genauso wie ich auch, mit einem merkwürdigen Gefühl der Enttäuschung das Kino verlassen. Alle anderen können getrost auf die Free-TV-Premiere warten und ihn sich dann entweder anschauen oder auch nicht, je nachdem, wie sehr sie die einseitige Darstellung historischer Ereignisse, aus dem Blickwinkel eines Einzelnen erzählt, interessiert.

  • Titel: Silence
  • Originaltitel: Silence
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Laufzeit: 161 Minuten
  • Produktionsstudio: Paramount Pictures
  • Regie: Martin Scorsese
  • Darsteller: Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano

 

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6 Gedanken zu “„Silence“ – Filmrezension

    • Ich war vor allem so irritiert weil ich im Vorfeld gehört hatte, dass Scorsese jahrelang darum gekämpft hat diesen Film machen zu können und dann kam das dabei raus. Ich bin ja eigentlich ein Scorsese-Fan (zumindest finde ich viele seiner bisherigen Filme sehr gelungen) aber Silence war einfach nur langatmig und anstrengend und viel zu pathetisch.
      Ich werd glaub ich mal den Roman von Endo Shusaku lesen und schauen ob der auch so einseitig rüberkommt…kann ich mir bei einem japanischen Autor irgendwie nur schwer vorstellen.

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      • Tatsächlich kann ich mir das bei einem japanischen Autor sehr sehr gut vorstellen.
        Ich möchte den nicht mal das Buch lesen. Ich fand den Film so schrecklich, das ist so unfassbar. Ich war damals im Kino richtig enttäuscht. Und eingeschlafen bin ich auch.

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      • Eingeschlafen bin ich zwar nicht aber mein Blick ist mehr als einmal zu meiner Uhr gewandert und das kommt bei mir wirklich äußerst selten vor…das Ding ist ja zusätzlich nämlich auch noch sooo lang!
        Sollt ich das Buch mal lesen werd ich eh eine Rezension verfassen…dann kannst dir ja die vorher mal durchlesen 😉

        Gefällt 1 Person

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