„Die Schöne und das Biest“ (2017) – Filmrezension

© Disney

Wie das Original nur besser? – Naja!

Vorweg sei erwähnt, dass ich mich eigentlich schon sehr auf die Realverfilmung dieses klassischen Disney-Märchens gefreut hatte, da mir „The Jungle Book“ letztes Jahr großen Spaß gemacht hat. Und obwohl mir der Film eigentlich ganz gut gefallen hat und er mit einigen gelungene Neuerungen aufwarten konnte wollte der Funke nicht so recht überspringen. Aber fangen wir zunächst mit all dem Positiven an, das es über dieses filmische Werk zu sagen gibt.

Hier muss ich ganz klar die wirklich gut weiterentwickelte Handlung unterstreichen. Viele offene Fragen, die sich beim Sichten des Zeichentricks noch stellten, werden durch einige zusätzliche beziehungsweise leicht abgeänderte Szenen geklärt. Dadurch fühlt sich die Geschichte stimmiger und nachvollziehbarer an. Auch die einzelnen Charaktere bekommen durch diesen Ausbau der Handlung um einiges mehr Tiefgang als früher. Dies trägt allerdings dazu bei, dass sich der Grundton mancher Charaktere und Szenen doch stark verändert anfühlt – besonders die Figur des Maurice mutiert vom tollpatschigen, vergesslichen Erfinder zum gebrochenen und tragischen Außenseiter. Alles in allem wirkt der gesamte Streifen irgendwie düsterer und dramatischer als sein Ausgangsmaterial, was bei der veränderten Zielgruppe aber nicht weiter verwunderlich ist. Weiters möchte ich die hervorragende deutsche Synchronisationsarbeit hervorheben. Ich hatte die Gelegenheit mir den Film sowohl im Originalton als auch in der deutschen Synchro anzuschauen und kann nur wieder einmal meinen Hut davor ziehen, was dem Studio und den Sprechern hier gelungen ist. Sowohl die gesanglichen als auch die sprachlichen Fähigkeiten sind so ähnlich und austauschbar, dass es keinerlei Unterschied macht, welche Version man sich anschaut. Und da dies so ist, würde ich der deutschen Version eindeutig den Vorzug geben, da sich einfach ein ganz anderes Gefühl von Nostalgie in einem entfaltet, wenn man die Lieder seiner Kindheit noch einmal auf der großen Leinwand erleben darf (und seien wir mal ehrlich, keiner von uns hat den Film früher auf Englisch geschaut). Kommen wir nun zu jenen Dingen, die mir nicht ganz so gut gefallen haben. Ganz oben auf meiner Liste befindet sich hier die Animation der Wölfe und vor allem des Biestes. Ja, ich gebe ganz offen zu, es ist nörgeln auf hohem Niveau aber gerade mit Blick auf die Tier-Animationen im Jungle Book hatte ich mit der Animation hier so meine Probleme. Zunächst ein verzeihlicher Fehler, der mir aber trotzdem ins Auge stach – die Wölfe. Diese wirken, speziell neben dem echten Pferd, irgendwie hölzern und ungelenk in ihren Bewegungen und auch die viel zu einheitliche Farbgebung des Fells lässt einen sofort den Binärcode dahinter sehen. Aber dieser kleine Makel wäre, wie schon gesagt, eigentlich nicht besonders schlimm, da die Wölfe eine äußerst untergeordnete Rolle spielen und überhaupt nur selten zu sehen sind – das ist jedoch nicht der Fall beim Biest. Ich finde vor allem, dass das Biest eigentlich viel zu wenig angsteinflößend wirkt, was meiner Meinung nach dem leicht veränderten Design geschuldet ist. Vergleicht man es nämlich mit seiner gezeichneten Version fallen einem sofort die kleineren Zähne und die schmälere Nase ins Auge. Dadurch wirkt es beinahe wie ein ganz normaler Mann der nur zufällig ein bisschen zu viel Haare im Gesicht hat. Auch die Bewegungen bringen viel seltener das Animalische und Bedrohliche an ihm zum Ausdruck – soll heißen: er bewegt sich viel seltener auf allen Vieren fort. Am schlimmsten war es allerdings für mich, dass ich in keiner einzigen Einstellung das Gefühl hatte, dass dort tatsächlich ein Biest im Film stehen könnte – ich habe einfach andauernd nur das CGI gesehen. Und obwohl ich mir schon seit ich aus dem Film gekommen bin das Hirn darüber zermartere weshalb das so ist, kann ich den wahren Grund dafür doch nicht benennen. Ein weiterer minimaler Schwachpunkt sind meiner Ansicht nach die gesanglichen Performances. Hier muss ich vorweg sagen, dass alle Beteiligten ihre Sache wirklich gut machen und genau die richtigen Töne passend zur Figur und dem Lied treffen und dennoch hat mir das i-Tüpfelchen gefehlt. Es war genauso, wie wenn man ein Cover hört, dass hervorragend gemacht ist und trotzdem einfach nicht an die Kraft und Raffinesse des Originals heranreicht. Hört euch doch einfach mal die alte und neue Version von „Sei hier Gast“, natürlich auf Deutsch, an (und schreibt mir wenn ihr Lust habt doch einen Kommentar darüber, ob ihr das genauso seht).

So, nach dieser für meine Verhältnisse doch eher langen und ausführlichen Rezension (dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass ich mir erst vor kurzem erneut den Zeichentrickfilm angesehen habe) bleibt mir eigentlich nur mehr zu sagen, dass die Neuverfilmung auf jeden Fall wieder eine gelungene Adaption der Geschichte ist, die dank ihrer kleineren Abweichungen vom Original sowohl die inzwischen herangewachsenen Fans des Zeichentricks als auch eine neue Generation von Kindern in ihren Bann ziehen wird. In diesem Sinne: Sei hier Gast!

  • Titel: Die Schöne und das Biest
  • Originaltitel: Beauty and the Beast
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 130 Minuten
  • Produktionsstudio: Walt Disney Studios Motion Pictures
  • Regie: Bill Condon
  • Darsteller: Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Kevin Kline, Ewan McGregor, Ian McKellen, Emma Thompson

 

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8 Gedanken zu “„Die Schöne und das Biest“ (2017) – Filmrezension

    • Das finde ich eigentlich nicht. In meinem Vokabular ist dieser Begriff eigentlich nicht negativ besetzt und ich meine es auch nicht als (Ab-) Wertung. Ich versuche lediglich nicht ständig das Wort „Film“ zu verwenden.

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      • Ich benutze „Streifen“ als Synonym.
        Obwohl das im digitalen Zeitalter nicht mehr ganz passend ist 😉

        Kurz im Duden geblättert:
        Mach|werk, das (abwertend):
        = schlecht gemachtes, minderwertiges Werk, Erzeugnis:

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      • Auch ich verwende ab und an den Ausdruck „Streifen“, aber auch das wiederholt sich irgendwann einfach zu oft ;-).
        Soso, war mir wirklich nicht bewusst…dann werde ich das in meinen künftigen Rezensionen natürlich beachten und mir andere Synonyme suchen.

        Gefällt 1 Person

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