„Ghost in the Shell“ (2017) – Filmrezension

© Paramount Pictures Germany GmbH

Visuell detailgetreu adaptierter Augenschmaus mit solider Story!

So, spät aber doch folgt nun meine Rezension der neusten Adaption des Kult-Mangas von Masamune Shirow. Aber wieso kommt diese Rezension eigentlich so spät? Nun, dies ist der Tatsache geschuldet, dass ich das dringende Bedürfnis hatte, diesen Film noch ein weiteres Mal im Kino zu sehen, bevor ich meine Meinung dazu kundtue. Und ich denke, dass ich gut daran getan habe.

Bevor ich nämlich das erste Mal ins Kino gegangen bin, habe ich mir zum ersten Mal überhaupt den Anime aus den Neunzigern angesehen – und das war meiner Meinung nach ein Fehler. Das liegt daran, dass diese neueste Adaption des Stoffs zwar visuelle voll ins Schwarze trifft, die Geschichte dagegen sehr lose adaptiert wurde. Es ist beinahe so, als würden dieselben Figuren im selben Universum ein neues Abenteuer bestreiten. Von diesem Umstand war ich bei der ersten Sichtung so irritiert, dass ich mich gar nicht richtig auf den Film einlassen konnte weil ich andauernd nur die teils gravierenden Abweichung registrieren konnte. Daher habe ich mich dazu entschlossen diese Rezension in zwei Teile zu gliedern. Im ersten Teil werde ich den Film als Neuverfilmung des Ausgangsmaterials durchleuchten und euch meine Gedanken bezüglich Umsetzung und Neuerungen mitteilen. Im zweiten Teil lege ich mein Augenmerk auf eine vom Ausgangsmaterial unabhängige Betrachtung.

Also fangen wir gleich mal mit all dem Positiven an, das diese Neuverfilmung zu bieten hat. Wie oben auch schon erwähnt (und man kann diesen Umstand meiner Meinung nach gar nicht oft genug hervorheben) ist die optische Umsetzung ein Gedicht. Solch eine Detailverliebtheit gegenüber den zugrundeliegenden Werken ist beeindruckend und sehr lobenswert bei Adaptionen. Hier wird die von Masamune Shirow erschaffenen Welt eins zu eins zum Leben erweckt. Das geht so weit, dass teilweise einzelne Panels aus dem Manga direkt übernommen werden. Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Besetzung der Hauptcharaktere. Im Vorfeld gab es ja einige Diskussionen über Scarlett Johansson als „Major“. Auch ich teilte anfänglich ein paar dieser Sorgen – diese waren allerdings sehr schnell verflogen, als ich mir den Anime und dann auch die Realverfimung angesehen hatte. Dies liegt einerseits daran, dass sich, sowohl im Anime als auch im Manga, die Figur von Major in ihrem Aussehen deutlich von den anderen abhebt – es lässt sich die Intention erahnen, dass Major gar nicht japanisch aussehen soll. Außerdem macht Scarlett Johansson mit ihrer Darbietung einen so soliden Job, dass man schnell über ihr amerikanisches Gesicht hinaus sieht und eine gute Performance entdeckt. Auch zur Handlung der Realverfilmung passt die Wahl einer nicht asiatischen Schauspielerin eigentlich ganz gut. Mit wem die Macher allerdings den Nagel wirklich auf den Kopf getroffen haben ist Batou. Sowohl aussehen als auch Charakter dieser Figur sind so nah am Original gehalten, dass es eine wahre Freude ist. Und ja, natürlich macht auch Takeshi Kitano seinem Namen alle Ehre, obwohl seinem Charakter durch seine Darstellung doch eine etwas abweichende Persönlichkeit verliehen wird. Kommen wir nun zum eher Negativen, das mir aufgefallen ist. Da wäre ganz oben die Besetzung der Nebenfiguren. Man bekommt teilweise den Eindruck, dass in gar nicht mehr so ferner Zukunft kaum noch Japaner in Tokio leben werden. Beinahe jede Figur, die ein paar Worte mehr zu sagen bekommt ist kein Asiate. Das geht sogar so weit, dass sogar zwei Müllmänner aus irgendeinem Grund Amerikaner sind. Wenigstens die Yakuza werden noch von Asiaten verkörpert, bei solchen Details bleibt man dann authentisch. Ein weiterer Punkt, der mir sauer aufstieß war die äußerst freie Adaption der Geschichte. Eine sehr komplexe und intelligente Idee wurde soweit verkürzt und verdreht, dass am Ende eine geradlinige Story herauskommt, die weitaus Mainstream kompatibler wirkt. Dabei werden Motivationen und Interessen der Handelnden soweit verändert, wie es notwendig erscheint, um der beliebten Null-Acht-Fünfzehn-Formel für Rachefilme zu genügen.

Alles in allem ist „Ghost in the Shell“ als Neuadaption meiner Ansicht nach also bloß mittelmäßig gelungen, da dafür die Grundgeschichte zu sehr verändert wurde – sodass sich einem der Gedanke aufdrängt: Shell sucht Ghost.

Doch wie sieht die Sache aus, wenn man den Film unabhängig von seinen Vorgängern betrachtet, wenn man ihn sich einfach als Science-Fiction Genre Film zu Gemüte führt. Dann funktioniert der Film sofort um einige Ecken besser. Dank beeindruckender Settings und Special Effects entsteht vor den Augen der Zuschauer eine futuristische Welt, die es zu entdecken gilt. Gute schauspielerische Leistungen und eine, für diese Art von Filmen, spannende und gut überlegte Story, bei der man nicht von Anfang an gleich alles durchschaut, runden das Ganze noch zusätzlich ab. Auch wenn manche Motive etwas platt und konstruiert wirken, wirft der Film dennoch einige interessante Fragen hinsichtlich KI auf, mit der sich die Menschheit in Zukunft vielleicht tatsächlich wird aueinandersetzen müssen. Auch die Musik fügt sich stimmig ein und trägt zu einem gelungenen Gesamtkonzept bei.

Somit ist „Ghost in the Shell“ ein gelungenes Science-Fiction-Drama, das vor allem optisch und schauspielerisch punkten kann.

So, das war mal wieder eine meiner längeren Rezensionen aber ich hoffe, dass ihr einen guten Einblick bekommen habt, wie unterschiedlich man den Film wahrnehmen kann, je nachdem mit welchen Ansprüchen man ihn sich anschaut.

PS: Ich lese gerade den Manga und habe vor ein Special zu machen in dem ich Manga, Anime und Realfim ausführlich miteinander vergleiche und gegenüberstelle. Also, freut euch schon mal auf noch mehr „Ghost in the Shell“ ;-)!

  • Titel: Ghost in the Shell
  • Originaltitel: Ghost in the Shell
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 107 Minuten
  • Produktionsstudio: Paramount Pictures
  • Regie: Rupert Sanders
  • Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt
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