Special: „Ghost in the Shell“ – Manga vs Anime (1995) vs Realfilm (2017)

© Masamune Shirow/Kodansha.Ltd
© Paramount Pictures Germany GmbH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Vorbild meines Anime vs Anime Specials zu „Hellsing“ präsentiere ich euch hier nun mein bereits in der Rezension angekündigtes Special zu „Ghost in the Shell“. Los geht’s…

1.) Die Geschichte:

Alle  drei Werke folgen dem gleichen Grundkonzept. In einer nicht allzu fernen Zukunft hat sich die Technologie soweit entwickelt, dass Menschen mit Hilfe von künstlichen Körperteilen und Computerchips physische Upgrades erhalten können. Am Ende dieser Entwicklung steht die Verpflanzung eines menschlichen Gehirns in eine vollkommen künstliche Hülle. Major Kusanagi ist der lebende Beweis dafür, dass diese Verschmelzung tatsächlich gelingen kann. Als Mitglied eines Elite-Kommandos setzt sie ihre übermenschlichen Fähigkeiten dazu ein, um vermeintliche Terroristen unschädlich zu machen. Als eines Tages eine neue, so noch nie dagewesene Bedrohung auftaucht müssen Kusanagi und ihr Team schnell feststellen, dass sich dahinter womöglich mehr verbirgt, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Wenn man allerdings von dieser doch recht groben Grundgeschichte einmal absieht unterscheiden sich die Umsetzungen recht deutlich voneinander. Während sich die Unterschiede zwischen Manga und Anime noch in Grenzen halten – der Anime ist in seiner Gesamtheit düsterer und ernster angelegt als der Manga – tanzt der kürzlich erschienene Realfilm gänzlich aus der Reihe, wobei man sagen muss, dass er sich eindeutig stärker am Anime als am Manga orientiert, da auch im Realfilm ein tragischer und dunkler Ton herrscht. Dabei verändert der Realfilm aber nicht bloß grundsätzlich die Persönlichkeiten mancher Figuren, sondern dichtet auch gleich einige neu dazu – sogar einen neuen „Bösewicht“ (oder eigentlich sogar zwei) bekommen wir serviert. Besagter Bösewicht ist auch gleichzeitig der größte Nachteil, den diese neueste Adaption gegenüber seinen Kontrahenten hat. Sowohl Motivation als auch Hintergrundgeschichte der Figur wirken wie nach Schema F konzipiert und daher etwas uninspiriert und ausgelutscht.

Obwohl der gravierendste Unterschied zwischen Manga und Anime der bleibt, dass der Manga einfach mehr Details und Nebengeschichten zu bieten hat, was bei einer Buchverfilmung fast immer der Fall ist, geht der Punkt hier dennoch an den Manga und nicht an beide, dank der tieferen Einführung in diese futuristische Welt.

2.) Die Figuren:

Man mag glauben, dass bei Adaptionen ein und desselben Stoffs eigentlich nicht viel Unterschied bestehen kann was die Figuren betrifft aber diese drei Umsetzungen beweisen eindeutig das Gegenteil. Fangen wir als erstes Beispiel gleich einmal mit der Hauptfigur selber an – Major Kusanagi. Bereits zwischen Manga und Anime sind hier deutliche Abweichungen bei diesem Charakter zu erkennen. Während Major im Manga eine humorvolle, sarkastische und ziemlich freche Persönlichkeit ist, die auch mal ihren Chef veräppelt oder eine heiße Liebesnacht mit ihrem Freund verbringt, wirkt sie im Anime viel ernster, wortkarger und ruhiger. Man erkennt, dass sie sich Gedanken über ihre Existenz macht und was sie eigentlich ist – ein Gedanke der sie im Manga nie wirklich zu tangieren scheint. Was im Anime also schon angefangen wird, wird dann im Realfilm auf die Spitze getrieben. Hier wirkt Major in ihrem gesamten Handeln und Denken schon mehr wie ein Androide als ein Mensch, zwar lächelt sie auch hier ab und an und macht kleine Scherze aber alles in allem ist sie in einem ständigen Konflikt darüber gefangen, was sie ist und wer sie ist. Was die übrigen Figuren betrifft orientiert sich der Anime dann wieder sehr stark am Manga, wobei der Manga die Figuren etwas näher beleuchtet als der Anime. Hier ist nur der Realfilm wieder einmal der Ausreißer. Wie bereist oben erwähnt führt dieser nicht bloß neue Figuren ein, sondern ersetzt manche gleich ganz. Dabei meine ich vor allem den Bösewicht, dieser bekommt neben einem neuen Namen auch eine neue Entstehungsgeschichte samt angepassten Beweggründen spendiert. Eine Neuerung die in meinen Augen im direkten Vergleich nicht bestehen kann, da sie einen äußerst komplexen und innovativen Antagonisten auf eine verletzte Seele reduziert, die nach Rache sinnt. Auch die Beweggründe des zweiten neu eingeführten Bösewichts wirken, obwohl teilweise nachvollziehbar, recht hohl und konstruiert.

In dieser Kategorie bekommt allerdings, trotz weniger Figuren, der Anime von mir den Punkt, da für mich der ernstere und düstere Ton einfach besser zum Gesamtkonzept und Setting passt.

3.) Die visuelle Gestaltung:

In dieser Kategorie bleibt der Manga eindeutig hinter seinen Kontrahenten zurück – dies liegt vor allem an jener Eigenart des Mediums, immer nur den Anfang eines Kapitels zu kolorieren und den Rest Schwarz-Weiß zu belassen. Während es Mangas gibt denen diese Eigenart entgegen kommt weil dadurch eine sehr eigene Stimmung entsteht (siehe zum Beispiel „Berserk“) zeigen einem bei „Ghost in the Shell“ die wenigen farblich unterlegten Seiten, was einem hier eindeutig entgeht – das liegt vor allem an dem großen Talent Shirows Emotionen und Stimmungen mittels Farben darzustellen. Wer zwischen Anime und Realfilm die Nase vorne hat ist nur sehr schwer zu sagen, da beide in ihrem jeweiligen Medium herausragende Beispiele für visuelle Umsetzungen sind.

Trotzdem geht dieser Punkt hier an den Realfilm, da ich die Augen nicht von diesem Kunstwerk aus Farben und Effekten abwenden konnte.

4.) Das Gesamtpaket:

Hier hat jedes Werk seine Vor- und Nachteile. Während der Manga zwar die detaillierteste und umfangreichste Geschichte bietet – die man trotz und manchmal sogar wegen zahlreicher Anmerkungen und Erläuterungen nicht wirklich versteht – erschafft er aufgrund des unbeschwerteren Tons weniger eine Dystopie als vielmehr eine einfache Zukunftsvision, was auf Kosten der Spannung geht. Der Anime ist zwar ein visuelles Meisterwerk, mit einer innovativen Idee und Geschichte, diese wird allerdings so unzureichend erklärt, dass man als Zuschauer am Ende nur mit einem Fragezeichen zurück bleibt und der Gelegenheit beraubt wurde tiefer in diese neue Welt einzutauchen. Der Realfilm hat zwar auf der visuellen Seite wirklich einiges zu bieten und erläutert die von ihm erschaffene Welt soweit, dass man als Zuschauer nicht ganz im Dunkeln zurück bleibt, allerdings kratzt auch er dabei nur an der Oberfläche und erzählt aufgrund der vielen Änderungen eine weit weniger innovative Geschichte als seine Kontrahenten.

Dies ist in meinen Augen die schwierigste Kategorie, da es hier wirklich stark auf den Geschmack des Einzelnen ankommt, welche Herangehensweise er bevorzugt. Mir persönlich hat der Manga dennoch am besten gefallen, da er einem eine spannende, wenn auch sehr komplexe, Welt eröffnet, in die man immer weiter eintauchen möchte.

Knapp aber doch macht somit der Manga das Rennen und sichert sich seinen Platz ganz oben am Treppchen!

 

 

Advertisements

10 Gedanken zu “Special: „Ghost in the Shell“ – Manga vs Anime (1995) vs Realfilm (2017)

  1. Äußerst lesenswerter Beitrag bei dem man das du dich mit der Materie auseinander gesetzt hast. Ich mochte den Realfilm jedoch weiß ich nicht ob sich meine positive Meinung dazu halten wird wenn ich mir den kompletten Ghost in the Shell Zyklus (Mangas, Animes + Realfilm) zu Gemüte führen werden um das ganze in mehreren Beiträgen zu behandeln. ^^
    Wie immer eine sehr gute Arbeit deinerseits! 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Puh, also ich denke mal, dass sich deine Ansichten über den Realfilm wahrscheinlich schon ein wenig wandeln werden….vor allem wenn du mal den Manga gelesen hast. Aber obwohl ich inzwischen wirklich schon einiges gelesen/gesehen habe finde ich den Realfilm trotzdem nicht schlecht. Kino ist einfach ein anderes Medium als Buch und es wird halt eine andere Geschichte erzählt als im Manga….hätten sie es als im Ghost in the Shell Universum ansässige Geschichte vermarkte wäre der Film sicher besser weggekommen, denn als tatsächliche Adaption haben sie einfach zu viel verändert.
      Auf die Artikel bin ich aber schon sehr gespannt….mein Tipp wäre, dass du mit dem Manga anfängst weil du dann bei den anderen Adaptionen viel besser verstehst was eigentlich vor sich geht 😉

      Gefällt 1 Person

      • Vielen Dank für den Tipp. 🙂
        Ich bin gespannt wie sich meine Meinung zum Realfilm wandeln wird. 😁
        Vom Manga besitze ich bereits Band 1 & 2. Es fehlt nur mehr Band 1.5 😉

        Sorry das ich auf diesen Kommentar erst jetzt anworte aber bei unserm doch umfangreichen Gedankenaustausch ist dieser Kommentar untergegangen. 🙊

        Gefällt 1 Person

      • Kein Stress wegen der „verspäteten“ Antwort…wie du merkst habe ich damit manchmal selber so meine Probleme…was auch daran liegt, dass die WordPress-App auf meinem Handy nicht wirklch funktioniert und ich somit nicht mal schnell zwischendurch meine Kommentare checken und beantworten kann….echt nervig 😦 !

        Bin auch schon gespannt, was du so berichten wirst über deine Erfahrungen mit den unterschiedlichen Adaptionen 😉

        Gefällt 1 Person

      • Weiß auch nicht was das soll….wobei ein Freund von mir arbeitet zur Zeit als App-Programmierer und was ich von dem schon für Geschichten gehört habe, da wundert es mich eher, dass überhaupt irgendeine App funktioniert 😉

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s