„Miles Ahead“ – Filmrezension

© 2000-2017 Sony Pictures Releasing GmbH

Eine neue Art von „Biopic“?!

Als ich hörte, dass Don Cheadle ein Biopic über den einzigartigen Miles Davis gemacht hat, in dem er auch noch selbst die Rolle des großen Virtuosen übernommen hat, war ich bereits sehr neugierig auf den Streifen – als ich dann auch noch erfuhr, dass der Film sich um die „dunklen“ Jahre des Musikers, also jene Zeit in der er vollkommen von der Bildfläche verschwunden war, dreht, war entgültig klar, dass ich die DVD mit nach Hause nehmen musste wenn ich sie irgendwo sehen sollte. Nachdem ich sie beim Räumungsverkauf meiner Stamm-Videothek entdeckt, natürlich mitgenommen und nun endlich angeschaut habe bin ich leider doch etwas enttäuscht.

Und das liegt gar nicht so sehr am Film selbst – ganz im Gegenteil. „Miles Ahead“ hat dem Zuschauer wirklich sehr viel zu bieten. Von tollen Schauspielern über einen mitreißenden Soundtrack bis hin zu einem guten Look macht der Film eigentlich von Anfang an alles richtig. Auch die Geschichte ist spannend erzählt und hat so manch schräge Szenen zu bieten, die einen zum Schmunzeln bringen – und trotzdem fangen hier meine Probleme mit dem Film an. Denn während ich so dasaß und dem Treiben vor mir folgte, gab es so viele Momente, die einfach zu konstruiert und surreal wirkten, sodass ich anfing mir meine Gedanken zu machen. Meine Irritation stieg dann allerdings ins beinahe Grenzenlose, als ich anfing zu recherchieren und feststellen musste, dass beinahe nichts von der soeben gesehenen Geschichte tatsächlich passiert war. Ich meine, mir ist schon klar, dass ein Biopic nie hunderprozentig der Wahrheit entspricht, zu Gunsten der Dramaturgie werden oft Kleinigkeiten angepasst oder erweitert (Alan Turing nannte seinen Computer zum Beispiel nicht wirklich nach seinem alten Schulfreund) aber diese kleinen Veränderungen sind zu verschmerzen, tragen sie doch meistens dazu bei den Film erzählerisch aufzuwerten. Hier wurden aber nicht nur Details verändert, sondern es wurden viele Handlungsstränge genauso wie manche Figuren einfach frei erfunden. Was in mir unweigerlich die Frage aufkommen ließ, ob Don Cheadle allen Ernstes meint, dass in Miles Davis Leben zu wenig Aufregendes passiert ist, als dass man einfach tatsächliche Ereignisse auf die große Leinwand hätte bringen können?!

Alles in allem ist „Miles Ahead“ für mich somit kein Biopic, sondern eine skurrile und gut erzählte aber erfundene Geschichte, in der es manche der Figuren zufällig tatsächlich existierten!

  • Titel: Miles Ahead
  • Originaltitel: Miles Ahead
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • Laufzeit: 100 Minuten
  • Produktionsstudio: Sony Pictures Classics
  • Regie: Don Cheadle
  • Darsteller: Don Cheadle, Ewan McGregor, Keith Stanfield, Michael Stuhlbarg, Emayatzy Corinealdi
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