„Plan B – Scheiß auf Plan A“ – Filmrezension

© 2017 Twentieth Century Fox

Leider ein weiterer Grund für mich, deutsche Komödien (?) in Zukunft zu meiden!

Die Freunde Can, Cha, Phong und U-Gin möchten nichts lieber als ganz groß rauskommen und zwar nicht irgendwo sondern natürlich beim Film. Dafür haben zumindest drei der vier ihr Leben lang hart trainiert, der vierte gibt, auf Grund seines mangelnden Talents in akrobatischer Hinsicht, den abgebrühten Manager. Eines Tages kommt dann der heiß ersehnte Anruf (diesmal hoffentlich wirklich) und die drei durchtrainierten Kumpel sollen ihr Können als Stuntmen unter Beweis stellen. Dumm nur, dass U-Gin es nicht so mit Zahlen hat und daher gleich mal die falsche Adresse notiert. Unversehens stellt sich dies als sehr folgenschwerer Fehler heraus, da sie kurzerhand in eine Entführung platzen und der skrupellose Gangster sie einfach mal so mir nichts dir nichts für seine dunklen Pläne einspannt. Doch da hat er die Rechnung ohne die vier ausgefuchsten Draufgänger gemacht.

Eigentlich hatte ich keinerlei Ambitionen gehabt mir diesen Film anzuschauen. Bereits die Beschreibung fand ich irgendwie seltsam und nachdem ich mir dann auch noch den Trailer angesehen hatte war eines für mich ganz klar – das ist kein Film für mich. Wie bin ich nun trotzdem dazu gekommen ihn mir anzusehen, mögen sich einige von euch nun fragen und die simple Antwort lautet: Überraschungs Sneak Preview! Ja, ihr lest richtig. Nach einer viel zu langen Pause hat mein Stammkino dieses Format erneut in sein Programm aufgenommen und ich als alte Kinogängerin musste natürlich sofort hin. Dabei dachte ich an Filme wie „The Dinner“, „Born to be Blue“ oder „Die Migrantigen“ – also eher kleinere Produktionen, die es wahrscheinlich nicht ins reguläre Programm schaffen würden. Zwar machte mich die Tatsache, dass er auf Deutsch sein sollte etwas stutzig aber hey, die Filme werden ja auch nicht erst eine Woche vor Kinostart synchronisiert. Die Lichter gingen also aus, die innere Spannung steigerte sich immer weiter, das 20th Century Fox Logo erschien und ich kam ins Grübeln, dann das Logo zweier Studios von denen ich noch nie gehört hatte und bereits mit dem ersten Bild realisierte ich, wo ich da reingeraten war…eine deutsche Actionkomödie!

Wie fange ich jetzt am besten an…wohl so wie sonst auch immer, nämlich mit dem Positiven, das es über diesen Film zu sagen gibt. Da wäre einerseits der Look. Man kann über den Streifen ansonsten sagen was man will aber er schaut einfach solide produziert aus. Gute Settings, eine vernünftige Kameraarbeit, ein ausgeglichenes Colour Grading – all das lässt den Zuschauer auf Anhieb erkennen, dass die Studios genug Geld in die Hand genommen haben, um die gewünschte Action auch gut in den Kasten zu bekommen. Weiters sind drei der vier Hauptdarsteller durch ihr Talent im Martial-Arts Bereich positiv aufgefallen – schauspielerisches Talent hin oder her, kämpfen können sie auf alle Fälle. Was zwangsläufig dazu führt, dass die Actionszenen angenehm zu betrachten sind, da die Kamera auf den Schauspielern drauf bleiben kann, ohne verbergen zu müssen, dass gerade ein Stunt-Double am Werk ist. Ein weiterer, aber wohl eher sehr persönlicher Pluspunkt war die Tatsache, dass Gedeon Burkhard eine Nebenrolle übernommen hat. Seit seinen Tagen bei „Rex“ habe ich irgendwie eine schwäche für diesen Schauspieler und das nicht nur weil er gut aussieht, er war zumindest in diesem Film auch eindeutig der beste Schauspieler.

Und damit kommen wir leider auch schon zum Ende dieser wirklich überschaubaren Aufzählung all jener Gründe, die für diesen Film sprechen. Wenden wir uns also nun dem Negativen zu, von dem es leider so einiges gibt. Beginnen wir zunächst mit dem oben bereits angeschnittenen Themenbereich – den schauspielerischen Leistungen. Ich glaube ich habe noch selten ein solch bizarres Aufeinandertreffen von stimmlichem Overacting auf der einen Seite und kompletter Emotionslosigkeit bei Mimik und Gestik auf der anderen Seite gesehen. Stellenweise kommt es einem auch so vor, als wäre es gar nicht wirklich Overacting, sondern als kämen die Schauspieler größtenteils vom Theater und wären es daher einfach gewohnt sehr laut und deutlich zu sprechen. Was bei der Stimme zuviel ist dafür an anderer Stelle zu wenig. Nur selten kann man anhand des Gesichtsausdrucks der Schauspieler sagen, was gerade in ihnen vorgeht (beziehungsweise vorgehen sollte) – da wird dann schon mal aus heiterem Himmel auf ein Fahrrad eingetreten. Vielleicht können die Schauspieler aber auch gar nicht soviel für ihre eher bescheidenen Performances, vielleicht konnte man aus diesem Drehbuch einfach nicht mehr herausholen – denn die Story ist, selbst für einen Actionfilm, schon ziemlich hanebüchen und hohl. Auch einer amerikanischen Produktion würde man so etwas nur verzeihen, wenn ein altgedienter Actionstar dafür an vorderster Front stehen würde (keiner bringt One-Liner so rüber wie Schwarzenegger, Stallone, Diesel und Co.). Wo die Action noch ganz gut punkten konnte blieb der Humor somit leider vollkommen auf der Strecke (ich habe den gesamten Film über nicht einmal gelacht und nur zweimal geschmunzelt!). Ein letzter Punkt, den ich noch erwähnen will weil er mir wirklich unglaublich negativ aufgefallen ist, war der Soundtrack. Eine Mischung aus achtziger Jahre Synthesizern und schlimmstem Telenovela-Schmus – hört sich einfach nur billig an und wirkt bei vielen Szenen wie nachträglich drauf geklatscht.

Alles in allem also ein Film, bei dem man als Zuseher nie genau weiß, ob er nun als Hommage oder Persiflage gedacht ist und der lediglich durch seine solide gemachte Action punkten kann – da doch lieber einen der echten achtziger Jahre Actionstreifen aus dem Regal kramen und in nostalgischen Gefühlen baden!

  • Titel: Plan B – Scheiß auf Plan A
  • Originaltitel: Plan B
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 103 Minuten
  • Produktionsstudio: 20th Century Fox
  • Regie: Ufuk Genç, Michael Popescu
  • Darsteller: CanAydin, PhongGiang, Cha-Lee Yoon, EugeneBoateng, Laurent Daniels, Gedeon Burkhard, Henry Meyer, Julia Dietze
Advertisements

8 Gedanken zu “„Plan B – Scheiß auf Plan A“ – Filmrezension

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s