„Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ – Filmrezension

© Disney

Besser als der Vorgänger…aber trotzdem mit leicht fadem Nachgeschmack!

Captain Jack Sparrow ist zurück und er scheint vom Pech verfolgt. Seine Crew besteht nur mehr aus einer handvoll Männern, sein neues Schiff liegt auf dem Trockenen, seine Beutezüge stellen sich immer öfter als Fehlschläge heraus und offensichtlich gibt es einfach immer zu wenig Rum. Doch als Henry Turner, der inzwischen herangereifte Sproß von Will und Elisabeth, seinen Weg kreuzt und ihm eine Nachricht des verfluchten Piratenschlächters Captain Salazar überbringt, beschließt Jack sich noch einmal in ein Abenteuer zu stürzen, um den Dreizack des Poseidon zu finden – jene sagenumwobene Waffe, welche alle Flüche der Meere aufzuheben vermag.

Was kann man zu dem nunmehr fünften Teil dieses Franchise sagen?! Vielleicht fange ich diesmal damit an, euch einen kleinen Einblick in meine Gedanken zu den bisherigen Filmen zu gewähren.

Als der erste Fluch der Karibik bei uns erschien, fand ich ihn wirklich gut – er bot ein spannendes Piratenabenteuer gemischt mit einer guten Prise Humor und einer gänzlich neuen Hauptfigur was das Genre betraf. Jack Sparrow war im ersten Teil ein Trunkenbold und Frauenheld, der zwar äußerst exzentrisch und teilweise schusselig rüber kam aber trotzdem irgendwie im Hinterkopf das große Ganze im Auge behielt und die Geschehnisse und Abläufe zu seinen Gunsten zu lenken wusste. Der zweite Teil bot dann mit neuem Bösewicht und alten Problemen noch immer einen leichten und launigen Kinoabend mit Freunden. Auch bei Teil drei, der die Handlung aus Teil zwei weiter fortführte und sie um einige Facetten erweiterte, ließ sich im Freundeskreis noch immer genug Spaß haben, um den Gang ins Kino zu rechtfertigen. Der vierte Teil war dann, meiner Meinung nach, der Tiefpunkt des Franchise – irgendwie wollte es Johnny Depp als tollpatschigem Piraten nicht gelingen den Film alleine auf seinen Schultern zu tragen und die neu eingeführten Nebenfiguren blieben genau so langweilig wie eindimensional. Nachdem dann vor einiger Zeit der erste Trailer zum jetzigen fünften Teil bei uns zu sehen war, war ich also nicht mehr ganz Feuer und Flamme aber trotzdem bin ich gestern aus der Wohnung, um ihn mir mit Freunden auf der großen Leinwand zu geben – jeder verdient doch eine zweite Chance.

Und wie bereits in der Überschrift geschrieben steht, fand ich tatsächlich, dass er im Vergleich zum vierten Teil wieder eindeutig zulegen konnte. Das liegt einerseits auf jeden Fall daran, dass einem die Nebenfiguren mehr ans Herz wachsen und man sehen möchte, wie sie gegenüber dem Bösen obsiegen. Auch Javier Bardem als Bösewicht ist, wie wohl kaum anders zu erwarten war, ein wahrer Gewinn für den Film – der Mann kann halt einfach sehr gut schauspielern. Sogar die Handlung selber fühlt sich wieder knackiger und dringlicher an weil Jack Sparrow einen guten, ja sogar lebensbedrohlichen Grund hat, um sich auf die Suche nach dem Dreizack zu machen. Natürlich vermag auch der gesamte Look des Films wieder zu überzeugen – wobei dies in meinen Augen nie das Problem des Franchise war. Vor allem Captain Salazar schaut schön schaurig und bedrohlich aus und auch das übrige CGI kann größtenteils überzeugen. Der Soundtrack, ein Mix aus Altbekanntem und Neuem, weckt gerade genug nostalgische Gefühle, um einen zu erfreuen und nicht zu nerven.

Dennoch, wo es Licht gibt, gibt es bekanntlich immer auch Schatten und dieser Film bildet hiervon keine Ausnahme. Und mein größtes Problem mit dem Streifen war tatsächlich die Hauptfigur selbst – Jack Sparrow. Wie weiter oben bereits erwähnt, kam dieser eigenwillige Pirat ja schon immer recht verpeilt rüber aber trotzdem hatte man immer noch das Gefühl, dass er sein Ziel nie wirklich aus den Augen verlor und im Hintergrund immer noch an den Fäden zog. In diesem Teil ist er hingegen einfach nur mehr eine betrunkene und eigentlich tragische Figur, deren Gedanken sich ständig um den nächsten Schluck Rum drehen und wie dieser zu beschaffen ist. So stolpert er mehr durch Zufall denn durch Kalkül von einer Etappe seiner Reise in die nächste und tritt dabei in jedes Fettnäpfchen das sich ihm bietet. Man hat das Gefühl, dass die Figur inzwischen so mit dem dahinter stehenden Schauspieler verwachsen ist, dass sie den übermäßigen Alkoholkonsum ihres Mimen teilen muss, damit dieser einen guten Grund hat, um am Set zu trinken. Das sich auch der ein oder andere Kontinuitäts- und Logikfehler eingeschlichen hat ist ja irgendwie noch zu entschuldigen aber das Grundkonzept, obwohl es hier wieder besser funktioniert, fühlt sich einfach schön langsam verbraucht und eintönig an – ein Fluch, ein mysteriöser Schatz der gefunden werden muss, ein großes Abenteuer und mittendrin eine kleine Liebesgeschichte und ein betrunkener Jack Sparrow.

Alles in allem bietet dieser Film also durchaus genug Handlung, Witz und Action, dass man ihn sich ohne große Bedenken anschauen kann. An die ruhmreichen Zeiten des Franchise kommt er allerdings nicht mehr heran!

PS: Es gibt eine Endcreditscene (zu der ich leider nichts sagen kann weil ich sie sonst spoilern würde) – also sitzen bleiben ;-)!

  • Titel: Pirates of the Caribbean: Salazars Rache
  • Originaltitel: Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 129 Minuten
  • Produktionsstudio: Walt Disney Studios Motion Pictures
  • Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg
  • Darsteller: Johnny Depp, Javier Bardem, Brenton Thwaites, Kaya Scodelario, Geoffrey Rush, Kevin R. McNally
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8 Gedanken zu “„Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ – Filmrezension

  1. Mit Sparrow hatte ich exakt gleiches Problem wie du. Ich finde, der Film wäre auch ohne ihn ausgekommen. In den ersten drei Teilen machte er noch Sinn, aber so ist er halt nur mehr eher lästiges Beiwerk.

    Gefällt 1 Person

    • Du sagst es….da fand ich den Charakter des Barbossa um einiges spannender in diesem Teil. Auch wenn die große „Enthüllung“ am Schluss doch recht vorhersehbar war (sorry kann wegen der Spoilergefahr nicht näher darauf eingehen aber du weißt eh bestimmt was ich meine ;-))

      Gefällt 1 Person

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