„Swiss Army Man“ – Filmrezension

© capelight pictures

Eine der skurrilsten und zugleich ergreifendsten Tragikomödien der letzten Jahre!

Gerade als sich der auf einer einsamen Insel gestrandete Hank das Leben nehmen will entdeckt er einen reglosen Körper, der an den Strand gespült wird. Doch was wie ein Hoffnungsschimmer beginnt entpuppt sich schnell als große Enttäuschung. Der junge Mann ist bereits tot und außer ein paar scheinbar letzten Gasen entweicht nichts seinem Körper – also zurück zum selbst gebastelten Strick. Doch der Leichnam scheint Hanks Vorhaben zu missbilligen, was er durch immer stärker werdende Blähungen deutlich zum Ausdruck bringt. Zwar nicht weniger verzweifelt aber dennoch neugierig lässt Hank also vom Strick ab und riskiert einen weiteren Blick auf diesen anscheinend doch nicht ganz so leblosen Körper. Das unglaubliche Abenteuer, das dieses skurrile Gespann daraufhin erlebt, lässt eine Freundschaft entstehen, die weit über das menschliche Verständnis hinausgeht und doch nicht weniger real ist.

„Swiss Army Man“ hatte ich trotz oder vielleicht gerade wegen eines äußerst bizarren Trailers bereits auf dem Schirm, als er letztes Jahr in den Kinos anlief. Zu meinem großen Bedauern hatte ich es dann aber doch fertig gebracht ihn trotzdem irgendwie zu übersehen und so verschwand er ob der Flut an anderen Filmen leider viel zu schnell in den Untiefen meines Bewusstseins. Dank des diesjährigen Leslie Open in Graz habe ich nun aber doch noch die Chance bekommen mir endlich diesen Film anzuschauen und als Bonus sogar auf einer großen Leinwand. Und er hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen.

Das liegt einerseits daran, dass diese doch sehr groteske Idee mit soviel Herzblut und Witz umgesetzt wurde, dass die Geschichte nie ins Anstrengende oder Verwirrende abdriftet. Trotz der verschwimmenden Grenze zwischen Realität und Fantasie kann man sich als Zuschauer, sofern man gewillt ist sich darauf einzulassen, problemlos in der Geschichte zu Hause fühlen. Dank des guten Skripts und der treffenden Dialoge wird es so auch ganz schnell nebensächlich, dass eine der Hauptfiguren gewissermaßen eine Leiche ist. Das ist natürlich auch zu einem sehr großen Teil den Schauspielern zu verdanken. Paul Dano und Daniel Radcliffe beweisen hier wahrlich ihr Können – sogar die detailgetreue Nachbildung von Radcliffe (und somit eigentlich sein Stuntdouble) macht eine sehr gute Figur.

Auch die Kameraarbeit und Inszenierung trägt zu dem stimmigen Filmerlebnis einiges bei. Sowohl das Spiel mit unterschiedlichen Tageszeiten sowie Lichteinfällen, um die Szenen und Gemütszustände der Figuren noch besser zu untermalen, als auch der seltene dafür umso treffendere Einsatz von Slow Motion Sequenzen macht das ganze auch von einem rein visuellen Standpunkt aus zu einem Genuss.

Des weiteren darf auch der grandiose Soundtrack hier nicht unerwähnt bleiben. Ich habe ja eine eigene Theorie dazu, wie man einen wirklich gelungenen Soundtrack erkennt (ausgenommen hiervon sind Musikfilme) – wenn er sich während des Schauens nie wirklich in den Vordergrund drängt aber noch Tage später in einem nachhallt und einen jedes Mal von neuem sofort in den Film zurückversetzt wenn man ihn hört.

Alles in allem ist „Swiss Army Man“ ein Film auf den man sich einfach einlassen muss, bei dem man alle Skepsis und Rationalität für eineinhalb Stunden über Bord werfen muss, denn dann kann man ein wahrlich außergewöhnliches und berührendes Gesamtkunstwerk erleben.

  • Titel: Swiss Army Man
  • Originaltitel: Swiss Army Man
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Laufzeit: 97 Minuten
  • Produktionsstudio: A24
  • Regie: Daniel Kwan, Daniel Scheinert
  • Darsteller: Paul Dano, Daniel Radcliffe, Mary Elizabeth Winstead
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7 Gedanken zu “„Swiss Army Man“ – Filmrezension

  1. Ich habe den Film auch schon gesichtet und eine Rezension dazu verfasst.
    In den Extras auf der DVD wird einiges gezeigt, wie z.B. auch wie man den Film umgesetzt hat. In einer Szene sieht man eine echte Nachbildung von Daniel Radcliffes Hintern.
    Freut mich, dass du den Film auch so gut findest.

    Gefällt 1 Person

    • Ja ich war echt schwer begeistert und werd mir die DVD auf jeden Fall auch noch zulegen…freu mich schon auf die Extras zu dem Film zumal ich bei irgendeiner Talkshow auch schon mal die lebensgroße Puppe von Radcliffe gesehen habe, die sie für den Film angefertigt haben;-)!

      Gefällt 1 Person

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