„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ – Filmrezension

© capelight pictures 2004-2017

Hinter einem der wohl sperrigsten Titel der letzten Jahre verbirgt sich ein durchaus berührender Comig-Of-Age Streifen!

Eigentlich könnte Samanthas Leben kaum schöner sein. Sie ist in ihrem letzten High-School-Jahr, gehört zu jener Clique Mädchen, die das sagen hat und datet den beliebtesten Jungen der Schule. Und dann steht auch noch eine grandiose Party an, wo sie die Beziehung zu ihrem Herzblatt endlich auf das nächste Level bringen will. Dumm nur, dass die geplante Sause so ganz anders läuft als erwartet und schließlich ein jähes Ende nimmt und die vier Freundinnen entnervt von dannen ziehen. Dann plötzlich ein greller Scheinwerfer, ein dumpfer Aufprall und das Auto kommt ins Schleudern. Erschrocken und verwirrt schreckt Samantha aus ihrem Kissen hoch. Was war geschehen? Gerade eben saß sie doch noch in einem verunglückten Auto, welches sich mehrmals überschlagen hatte! Oder? Was sie zunächst versucht als bitterbösen Alptraum abzutun wird schnell niederschmetternder Ernst, als Samantha feststellen muss, dass jeden Tag derselbe Tag ist. Wieder und wieder und wieder und wieder und……

 

Eigentlich hatte ich gar nicht vor mir den Film im Kino anzuschauen. Der Trailer sah zu sehr nach Teenie-Aufguss von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ aus und lieferte keinen echten Grund, sich den Film anzuschauen. Was sollte dieser Film den großartig Neues auf’s Tablett bringen!? Doch dann hatte ich einen freien Nachmittag, es war regnerisch und ich wollte abends sowieso für die Sneak-Preview von „Begabt“ ins Kino. Da kam mir dann dieser Film unter und ich entschied mich doch einen Blick zu riskieren und im Nachhinein bin ich sehr froh über diese Entscheidung.

Das liegt einerseits daran, dass die Schauspieler, allen voran Zoey Deutch, eine wirklich überraschend guten Job machen und durchaus dazu fähig sind, den Film auf ihren Schultern zu tragen. Auch wenn viele Figuren nur als kleinen Nebenrollen angelegt sind, so zum Beispiel die Mutter der Hauptfigur, schaffen die Darsteller es dennoch geschickt ihren Charakteren genügen Leben einzuhauchen, um den Film um eine weitere Nuance zu bereichern.

Auch die Inszenierung trägt natürlich dazu bei, dass die Darsteller das beste aus ihren Rollen herausholen können. Die anfänglich eher ruhige und fokussierte Herangehensweise, die nach und nach immer mehr an Fahrt aufnimmt und immer hektischer wird, trägt dazu bei, dass sich der Zuschauer auf einer tiefen Ebene auf den Film einlassen kann, da man durch diesen Kniff die sich aufbauende Verwirrung und die aufkommenden Ängste der Hauptfigur besser nachempfinden kann.

Ein weiters Plus war der Soundtrack. Ich weiß ja nicht was in letzter Zeit los ist, vielleicht höre ich auch einfach nur genauer hin, aber ich habe in diesem Jahr schon wirklich ein paar sehr gute Soundtracks gehört. Bei diesem speziellen Film versetzt er einen gekonnt in die Vergangenheit, in jene goldenen Zeiten, als man mit Freunden um die Häuser zog.

Schließlich sei noch die Handlung selbst erwähnt. Diesen Punkt führe ich erst so weit unten an, weil sich hier in meinen Augen der einzige kleinen Wermutstropfen verbirgt. Zu Beginn meint man noch man schaue einen klassischen Teenie-Film und doch merkt man auch schon in den ersten Szenen, dass er sich ein wenig anders anfühlt als das Null-Acht-Fünfzehn Teenie-Drama – die Figuren wirken dreidimensionaler und auf Anhieb sympathisch, die Dialoge scheinen durchdacht, das Colour Grading wirkt etwas düsterer und geerdeter. Die Handlung gewinnt dabei schnell an Tempo und mäandert nicht unnötig lange bei dem Umstand der ewigen Wiederholungen herum, die sich dadurch irgendwie kurzweilig und leicht anfühlen, da man durch den jeweils abgeänderten Ablauf beinahe vergisst, dass es immer wieder der selbe Tag ist. Doch dann folgt die finale Auflösung und ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich euch mein Problem damit beschreiben soll ohne euch das Ende zu verraten. Also gibt es heute eine kleine Premiere….ich werde meine Rezension zu diesem Film hier abbrechen bzw ausklingen lassen ohne näher auf das für mich doch schwierige Finale einzugehen und werde einen eigenen kurzen Beitrag posten, in dem ich die mich störenden Aspekte näher beleuchte.

Alles in allem ist „Wenn du stirbst…“ (ich werde mir sicher nicht die Arbeit antun und den vollen Titel hier angeben 😉 ) ein überraschend ergreifender und mitreißender Film geworden, den man sich ohne Bedenken auch anschauen kann, wenn die Teenagerjahre bereits hinter einem liegen!

 

  • Titel: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie
  • Originaltitel: Before I Fall
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 98 Minuten
  • Produktionsstudio: Wild Bunch Germany
  • Regie: Ry Russo-Young
  • Darsteller: Zoey Deutch, Halston Sage, Elena Kampouris, Jennifer Beals, Logan Miller
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3 Gedanken zu “„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ – Filmrezension

  1. […] 4. „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ könne ja nicht gut werden, dachte ich so, doch es ist ein erstaunlich berührender Film über persönliche Weiterentwicklung geworden, der gut mit dem Element der Zeitschleife umgeht und sich nicht in der Darstellung des endlos gleichen Tages verliert – hier meine Rezension dazu. […]

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