„Die Verführten“ – Filmrezension

© 2017 Universal Pictures International

Die Wiederentdeckung der Bildsprache!

Eigentlich wollte Amy, eine der letzten jungen Schülerinnen des Farnsworth Mädcheninternats, nur ein paar Pilze für das Abendessen sammeln, doch alles kommt anders, als sie den schwer verwundeten Soldaten John McBurney findet. Irritiert zögert Amy zunächst sich dem Fremden zu nähern, denn immerhin ist er ein Blaurock. Von christlicher Nächstenliebe geleitet, schleppt sie den schwer angeschlagenen Mann dann allerdings doch bis vor das Internat. Dort nimmt sie die Leiterin gemeinsam mit den anderen Mädchen erschrocken in Empfang. Nach anfänglicher Skepsis ist schnell eine Entscheidung gefunden, die Wunden des ungebetenen Gentlemen werden versorgt und er wird gepflegt bis er genesen ist. Danach wird er, wie es sich gehört, den verbündeten Soldaten übergeben. Doch aus anfänglichem Argwohn wird schnell gegenseitige Sympathie und auch die Schülerinnen entwickeln ein immer regeres Interesse an dem gutaussehenden Nordstaatler, mit den hervorragenden Manieren. Nach einem bedauerlichen Zwischenfall gerät die gewonnene Idylle allerdings ins Wanken und ein Katz-und-Maus-Spiel um Leben und Tod beginnt.

Mit „Die Verführten“ ist Sofia Coppola ein weiterer Film gelungen, der vor allem durch seine starken Bilder und punktgenaue Inszenierung zu bestechen weiß. Dabei sind Handlung und auch Dialoge auf ein Minimum reduziert, damit das Spiel der Mimen für sich stehen kann. Der Zuschauer ist der Voyeur, der einen Blick durch das Schlüsselloch erhascht und eine Miniatur erblickt.

Somit ist einer der größten Pluspunkte des Films die Inszenierung. Lange statische Einstellungen, die der Szenerie Raum zur Entfaltung geben, stille Momente mit gewaltiger Aussagekraft, das ganze in einen feinen Schleier aus Licht und gedeckten Farben getaucht – ein Festschmaus für die Augen.

Auch das Kostüm- und Setdesign trägt maßgeblich dazu bei, dass der Streifen ein solch bildlicher Genuß ist. Mit viel Liebe zum Detail wird ein vom Bürgerkrieg gespaltenes Amerika wieder zum Leben erweckt.

Die Handlung mag auf den ersten Blick ein wenig dürftig wirken – dieser Umstand wird aber durch die vielen leisen Töne, die sich zwischen den Zeilen abspielen, und die Tatsache, dass die Laufzeit gerade mal 93 Minuten beträgt, größtenteils wieder wettgemacht.

Nach allem was ich bisher so niedergeschrieben habe, dürfte es allerdings niemanden wundern, dass dieser Film natürlich von der Leistung der Schauspieler lebt und hier gibt es leider durchaus ein paar Schattenseiten.

Denn während die erfahrenen Mimen wie Farrell, Kidman, Dunst und Fanning ihre Sache hervorragend machen und die vielen kleinen, intimen Momente mit Bravour meistern, sind es vor allem die jüngeren Darstellerinnen, die einige Szenen nicht auf ihren Schultern zu tragen vermögen. Hier merkt man einfach noch zu deutlich die Unerfahrenheit, gerade für solch einen Stoff.

Auch muss hier angemerkt werden, dass die Geschichte dann doch recht vorhersehbar ist und der große Bruch durch den Konsum des Trailers bereits vorweg genommen wird. Das Marketing stellt für mich allgemein mal wieder ein Problem dar. Denn wer einen nervenaufreibenden Suspense-Thriller erwartet, der sei hier vor gewarnt – mit solchen Erwartungen an den Film werdet ihr wahrscheinlich enttäuscht den Kinosaal verlassen.

Alles in allem ist „Die Verführten“ ein Film, der seine Botschaft mehr durch Bilder denn durch Worte transportiert. Ein langsam und ruhig inszeniertes Kammerspiel, das vor allem durch seine Hauptdarsteller zu bestechen weiß!

 

  • Titel: Die Verführten
  • Originaltitel: The Beguiled
  • Erscheinungjahr: 2017
  • Laufzeit: 93 Minuten
  • Produktionsstudio: Universal Pictures
  • Regie: Sofia Coppola
  • Darsteller: Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning, Oona Laurence
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9 Gedanken zu “„Die Verführten“ – Filmrezension

    • Naja, kommt sich schon drauf an was für einen Film du gern sehen willst aber ich muss sagen, dass ich mir nach dem Trailer ein wenig mehr erwartet hatte….vor allem ein wenig mehr Spannung, denn der Film braucht schon recht lange, um dorthin zu kommen und dann ist er auch bald schon wieder zu Ende. Prime ist da dann wahrscheinlich wirklich eine ganz gute Alternative 😉

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  1. Ich bin gespannt drauf. Coppola ist sicherlich ein hochbegabte Filmemacherin, mit einem ähnlich gekonnten Auge für Bildkomposition, wie ihr Vater zu Bestzeiten, dennoch warte ich immer noch auf einen Film von ihr, der mich so mitnimmt, wie Lost in Translation.

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    • Ich liebe Lost in Translation auch sehr und er ist nach wie vor meiner Meinung nach ihr bester Film! Aber auch dieser kann eideutig mit seinen Bildern punkten….nur leider eben nicht so ganz mit seiner Geschichte. Ist also irgendwie schwer weil ich den Film echt nicht schlecht fand aber trotzdem irgendwie mehr erwartet hatte.

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