„Spider-Man: Homecoming“ – Filmrezension

© 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft schwingt sich wieder über die Leinwand – mit viel Humor und tatkräftiger Unterstützung!

Gerade eben erst durfte er an der Seite von Iron Man Captain Americas Schild klauen und nun soll sich Peter einfach wieder in den Unterricht setzen als wäre nichts passiert. Eine Aufgabe, die dem energiegeladenen Wandkrabbler nicht leicht fällt, fühlt er sich doch zu größerem und wichtigerem berufen. Als dann auch noch Alienwaffen in seiner Nachbarschaft auftauchen, sieht Peter endlich seine Chance gekommen, um seinem auserkorenen Mentor Stark zu beweisen, dass er dazu bereit ist sich den Avengers anzuschließen. Doch auf seinem Weg ereilt ihn eine Erkenntnis mit der wohl keiner, am aller wenigsten Peter selbst, gerechnet hätte.

Viele Stimmen wurde im Vorfeld laut, ob man denn nun tatsächlich schon wieder eine Neuauflage dieser Figur braucht. Nachdem Maguire und Garfield beide einen ganz soliden Job gemacht haben und einem der Werdegang des jungen Außenseiters nun mehr als geläufig ist. Doch dann kam „Civil War“ und die ersten leisen Töne wurde angeschlagen, dass Marvel vielleicht doch gut daran getan hat den sympathischen Teenie mit den Superkräften wieder zurück nach Hause zu holen (auch wenn man dafür einen Deal und die Zusammenarbeit mit Sony in Kauf nehmen musste – eine Kooperation, die erstaunlich gut zu funktionieren scheint). Nachdem ich nun den ersten neuen „Solo“-Film sehen konnte, kann ich nur sagen: „Willkommen zu Hause und bleib ruhig solange du willst, lieber Spider-Man!“

Handlungstechnisch setzt der Film tatsächlich unmittelbar nach den Ereignissen in „Civil War“ an. Was naturgemäß dazu führt, dass auch Iron Man einen gar nicht so kleinen und unbedeutenden Part in der Geschichte einnimmt – daher habe ich auch das „Solo“ oben unter Anführungszeichen gesetzt. Manche Leute scheinen sich an diesem Crossover zu stören, ich hingegen finde es eine äußerst natürliche und homogene Entwicklung. Nachdem die Figur des Peter Parker in dieser Auflage ja tatsächlich erst 14/15 Jahre alt ist, ist seine Suche nach einer Vaterfigur eine der logischsten Verhaltensweisen der Welt. Auch, dass er sich den charismatischen, hochintelligenten „Über“-Menschen Iron Man/Tony Stark dafür erwählt, ist nach seiner Beteiligung in „Civil War“ wohl mehr als nachvollziehbar.

Überhaupt fühlt sich der Charakter des Peter Parker in diesem Film sehr real und menschlich an. Habe ich in den Vorgängern noch etwas den jugendlichen Leichtsinn und Spaß an der Sache vermisst, wird uns hier endlich eine frische, neugierige und abenteuerlustige Person geboten, die auch einmal Fehler macht und eigentlich gar nichts so richtig im Griff hat. Mein Faible für diese neueste, deutlich jüngere Version der Figur fußt sicher auch auf der Wahl des Schauspielers. Tom Holland (der als Vorbereitung für den Film tatsächlich nochmal die Schulbank in den USA drückte) beweist, dass Marvel wie so oft ein glückliches Händchen bei der Auswahl ihrer Darsteller hat. Nicht nur, dass er der erste Darsteller ist, dem man den Teenie auch tatsächlich rein physisch abkauft, sondern Holland schafft es auch meisterlich, die Gefühle und Widrigkeiten mit denen ein Teenie sich alltäglich so herumschlägt einzufangen.

Neben Holland machen natürlich auch alle alt gedienten Mimen einen guten Job (kein Wunder ist Robert Downey Jr. doch bereits quasi mit seiner Rolle verwachsen). Auch die jüngeren Darsteller können in ihren jeweiligen Rollen als Sidekick, fieser Mobber oder Loveinterest gut bestehen und sorgen für den ein oder anderen Lacher.

Besonders hervorzuheben ist allerdings Keaton als Vulture. Nicht selten melden sich nach einem Superheldenfilm Kritiker zu Wort, welche die eindimensionalen und blassen Antagonisten bemängeln (bestes Beispiel der jüngeren Kinogeschichte für diesen beklagenswerten Umstand ist Wonder Woman) – doch Keaton gelingt es, in einen einzigen Blick ein solches Füllhorn an Emotionen zu packen, dass man am Ende beinahe geneigt ist mit ihm mitzufiebern.

Über die technischen Aspekte des Films werde ich an dieser Stelle weniger Worte verlieren, da Marvel sein gewohnt hohes Niveau halten kann, sowohl was Settings, Kostüme, Effekte als auch das 3D angeht. Dieses könnte man glaube ich auch weglassen, allerdings erhöht sich der Spaßfaktor in manchen Szenen doch erheblich (das Gefühl, dass brennende Flugzeugteile auf einen zukommen macht schon Laune ;-))!

Alles in allem bettet sich der neue Spider-Man somit homogen in die inzwischen doch sehr große Welt des MCU ein und bietet, neben viel Spaß und Action, sehr gute Performances und zum Glück nicht schon wieder eine Originstory ;-)!

 

  • Titel: Spider-Man: Homecoming
  • Originaltitel: Spider-Man: Homecoming
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 134 Minuten
  • Produktionsstudio: Sony Pictures Releasing
  • Regie: Jon Watts
  • Darsteller: Tom Holland, Robert Downey Jr, Michael Keaton, Jon Favreau, Jacob Batalon
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15 Gedanken zu “„Spider-Man: Homecoming“ – Filmrezension

  1. Ich musste mich erstmal dran gewöhnen, dass die Tennager hier tatsaächlich auch mal wie Teenager aussehen. Normalerweise sieht man auf der Leinwand ja eher Mittzwanziger die zwar 15-Jähriger verkörpern sollen, aber trotzdem wie Mittzwanziger aussehen 😀

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  2. Vorab: Ich liebe Spider-Man, er war immer mein Favorit. Als ich noch Comics gesammelt habe, habe ich mir fast nur seine gekauft (neben mir steht eine große Sammlung im Regal). Aber trotzdem fand ich den Film echt nicht gut. Und dabei macht er ja eigentlich nicht viel falsch.
    Aber der Humor ging mir furchtbar auf die Nerven und ich mag es einfach nicht, dass Spidey anscheinend immer ein Teenager sein muss. Dazu muss man aber auch wissen, dass er in meinen ersten Comics (mitten in der eher düsteren Todd McFarlane Zeit) auch schon erwachsen und sogar verheiratet war. Aber immerhin war er besser als „Amazing Spider-Man 2“, wobei das echt nicht schwer ist. 😀

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    • Wow, das hätt ich jetzt nicht erwartet. Gefallen dir die MCU-Filme im allgemeinen nicht so gut oder jetzt nur der im besonderen? Prinzipiell kann ich verstehen, dass du auch gern mal eine erwachsene Leinwandadaption gehabt hättest (wobei der zweite und dritte mit Maguire damals ja eh schon in diese Richtung gingen) aber für die beabsichtigte Einbindung ins MCU fand ich diese Wahl eigentlich stimmiger und besser passend….auch so mit der ganzen Mentor-Thematik. Ich kenne nur wenige Comics (mein älterer Bruder hatte ein paar) aber in dene die ich so gelesen habe war Spider-Man immer noch ziemlich jung und aufgekratzt und irgendwie teilweise leicht überfordert mit den Situationen, weshalb ich diese Aadaption als äußerst gelungen empfand ;-)! Ja, TASM 2 war wirklich nicht so besonders….aber sogar diesem Film konnte ich noch seine guten Seiten abgewinnen (ich steh einfach auch Comicverfilmungen) ;-)!

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      • Ich liebe gute Comicverfilmungen, deswegen ja auch mein Text neulich. Nur die sich stetig wiederholende Machart der MCU Filme langweilt mich mittlerweile einfach ein wenig. Alles schön bunt, bloß nicht zu ernst, viel zu viele Meta-Gags und am Ende ordentlich Krachbumm aus dem Computer. Würde ich mich nicht bei Marvel auskennen, hätte ich manchmal vielleicht sogar Probleme, die Filme auseinanderzuhalten. Inhaltlich so unterschiedliche Filme wie „Logan“ oder „Hellboy“ nehmen sich in ihrem Universum ernst. Bei Marvel habe ich oft das Gefühl, als würde mir ein Schauspieler oder der Regisseur zuwinkern und sagen: „Na, verstanden? Witzig, oder?!“ Das klingt so negativ, soll es aber nicht sein. An sich sind das ja alles handwerklich gut gemachte Filme. Sie erreichen mich halt nur nicht mehr emotional.

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      • Schade…ich bin nach wie vor Feuer und Flamme für das Franchise ;-)! Vor allem bei der neuesten Adaption von Spider-Man fand ich die etwas lockerere Herangehensweise ganz passend, vor allem auh weil sie sich ja für so eine junger Variante des Charakters entschieden haben.

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  3. Es gibt halt auch Gegenargumente. Das macht doch alles noch viel interessanter. 😉 Ich hatte anfänglich mit TASM 2 auch so meine Probleme. Aber nun kann ich selbst den besser verinnerlichen, da man sich ja mit den Comics auseinandergesetzt hat. 😉 Homecoming kam sehr erfrischend und witzig daher, ohne dabei zu überdrehen. Aber was erzähle ich. Hab doch selbst eine Kritik verfasst.^^

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    • Klar, unterschiedliche Ansichten sind das was einem Dirkurs erst Farbe verleiht ;-)!
      Ich fand die vorherigen Filme auch nicht schlecht, das wirklich nicht (naja, Spider-Man 3 war jetzt nicht der größte Burner)….aber dieser hat mir doch noch ein wenig besser gefallen weil er mir genau die Adaption des Charakters bot, die ich mir erwartet und gewünscht hatte :-)! Speziell mit der Einbundung ins MCU passt diese Darstellung des Charakters einfach sehr gut. Na dann werd ich mir die gleich mal durchlesen ;-)!

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