Stephen King Verfilmungen #6: Es (1990)

© Saint Genesis

Nachdem ich euch diese Woche bereits die Neuadaption der Schreckensgeschichte rund um den mordenden Clown Pennywise aus der Feder Stephen Kings näher gebracht habe, wird es Zeit sich heute mit der TV-Version aus dem Jahre 1990 zu befassen. Viele Erwartung hatte ich an den Film, haben doch ein paar meiner besten Freundinnen noch heute Panikattacken, wenn sie den Namen Pennywise nur hören (Anmerkung der Redaktion: künstlerische Überspitzung aus dramaturgischen Gründen). Leider wurde ich nur mäßig unterhalten auf der Couch zurück gelassen. 

Das hängt sicherlich damit zusammen, dass ich den Film vor einigen Wochen, und somit als Erwachsene, zum ersten Mal gesehen habe. So konnte ich mir zwar bei vielen Szenen bildlich vorstellen, wie sich meine jüngeres Ich bei deren Anblick zu Tode gefürchtet hätte, aber der etwas abgebrühteren Cineastin entlockten diese Szenen doch eher ein Lächeln als ein Schreien.

Dabei will ich dem Film allerdings nicht zu großes Unrecht tun, hat er doch auch seine guten Momente. Speziell der erste Teil, als Pennywise auf die Kinder trifft, weiß dank gutem Schauspiel und netten Schreckmomenten zu unterhalten. Doch leider sind diese Schreckmomente in gewisser Weise auch bezeichnend für die größte Schwäche des gesamten Films, es sind eben nicht mehr als SchreckMOMENTE. Nur selten bekommt man ein Gefühl tatsächlichen Horrors, beschränkt sich Pennywise doch nicht selten darauf aus der Ferne komische Grimassen zu schneiden ohne sich den Kindern dabei merklich zu nähern, da kann dann selbst die grandiose Performance von Curry nicht mehr viel retten. Irgendwie scheint die Gefahr daher nie wirklich dringlich und der Puls kann nach dem gekonnten Einsteiger schnell wieder zu normaler Geschwindigkeit zurück finden.

Während der erste Teil somit zwar zu wenig Grusel bereit hält ansonsten aber nett anzusehen ist, ist es der zweite Teil, der einen deutlichen Bruch in der Qualität bereithält. Es scheint hier beinahe so, als bedeute ein mehr an Gewalt ein weniger an Handlung. Der fehlende Spannungsbogen gepaart mit dem unglaublich eigenartigen und unverständlichen Verhalten derer, die noch vom Club der Verlierer übrig sind, lässt den zweiten Teil zu einem typischen B-Horrormovie verkommen. Da hätte es das haarsträubende Finale samt grauenhaftem CGI gar nicht mehr gebraucht und dennoch bleibt es dem Zuschauer nicht erspart. Allein dieses Ende hat mich davon überzeugt, dass Buch lesen zu müssen, nur um mich davon zu überzeugen, dass der Mann, der als Großmeister der Gruselgeschichten gilt, sich in seinem Werk nicht tatsächlich für diese Auflösung entschieden hat.

Alles in allem ist „Es“ sicherlich nicht der schlechteste Vertreter aus dem kingschen Filmuniversum, den ich bisher im Zuge dieses Specials gesehen habe. Aber die mangelnde Balance zwischen Handlung und Horror, und vor allem der zweite Teil des Films, lassen einem die knapp über drei Stunden Laufzeit dann doch eher anstrengend als spannend erscheinen.

PS.: Für noch mehr spannende Reviews zu filmischen Umsetzungen von Kings Werken klickt einfach auf das Poster am Anfang des Beitrages 🙂 !

 

  • Titel: Es
  • Originaltitel: It
  • Erscheinungsjahr: 1990
  • Laufzeit: 192 Minuten
  • Produktionsstudio: Warner Bros. Television
  • Regie: Tommy Lee Wallace
  • Darsteller: Tim Curry, Richard Thomas, Annette O’Toole, John Ritter, Jonathan Brandis, Emily Perkins, Brandon Crane
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12 Gedanken zu “Stephen King Verfilmungen #6: Es (1990)

  1. Ich denke immer, irgendwer muss doch gemerkt haben, das Curry das Beste an der Serie ist. Wie kann man dann ein Finale machen, in dem er nichtmal vorkommt? Mag sein, dass es im Buch auch gegen dieses Dingsbums selbst geht aber da wäre künstlerische Freiheit hier vermutlich zielführender gewesen.

    Der erste Teil ist sicher der Bessere, meine liebste Szene ist aber im Zweiten. Wenn Richie versucht mit der Bibliothekarin zu sprechen, während Pennywise ihn von der Balustrade aus trollt. Gruselig? Nö. Aber wahnsinnig lustig! 😉

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  2. Ach, da hast du den Film bzw. die Miniserie ja doch ganz wohlwollend besprochen. Rein objektiv bin ich ganz bei dir, doch subjektiv gesehen verbinde ich zuviel mit damit. Das im Finale war noch nicht einmal CGI, sondern Stop-Motion, wenn mich nicht alles täuscht.

    Hattest du eigentlich das Remake oder die Serie zuerst gesehen?

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    • Naja, mal ganz objektiv betrachtet zählt er ja auch wirklich nicht zu den schlechteren King-Verfilmungen. Subjektiv war ich einfach enttäuscht, dass er mich zwar unterhalten hat aber eigentlich auf die falsche Art und Weise weil ich mehr Lachen musste als mich Gruseln konnte! Meinst du echt? Also wenn es Stop Motion war haben sie aber der Hintergrund dann digital eingefügt denn man kann das unzureichende Rendering wirklich deutlich erkennen.

      Ich hatte mir zuerst die alte Version aus der 90ern angeschaut und dann erst die neue im Kino. War somit vor der Sichtung nicht vorbelastet durch anderes Material zu dem Stoff.

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      • Okay, muss ich gleich mal nachschauen weil dann muss einfach der Hintergrund eingefügt worden sein denn es wirkte echt alles so künstlich, dass ich eigentlich fest davon ausgegangen bin, dass es halt einfach ein grausamer CGI Effekt war! Wenn sich da wirklich einer die Arbeit gemacht hat und das Ding gebaut hat tut es mir eher für den Leid weil er sich die Mühe gemacht hat nur damit dann der schlecht bearbeitete Hintergrund die gesamte Einstellung ruiniert…

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