Mein „Kino Doppel Whopper“ #1 (The Commuter; The Killing of a Sacred Deer)

Ein großes Fragezeichen mag sich jetzt bei manchen von euch breit machen – Kino Doppel Whopper – was soll denn das sein? Nun ja, bereist seit ein paar Monaten kommt es bei mir immer wieder vor, dass ich mir einen Nachmittag frei nehme, mich ins Kino begebe und mir gleich mal zwei Filme hintereinander zu Gemüte führe. Da sich hier ab und an recht amüsante Kombinationen ergeben (je nach passenden Spielzeiten) und ich bereits länger mit dem Gedanken spiele diesem Umstand in den Rezensionen zu den jeweiligen Filmen Rechnung zu tragen, habe ich mich dazu entschlossen, dieses neue Format hier zu etablieren. Wie oft ein solcher Beitrag erscheint, hängt dabei ganz von meinem Appetit ab (man hat halt auch nicht immer genug Platz im Magen für eine doppelte Portion 😉 ) aber nach den Erfahrungen der letzten Monate dürft ihr doch so einmal im Monat mit einem solchen Happen rechnen.  Fangen wir zum Auftakt doch gleich mal chronologisch und somit mit „The Commuter“ an…


© 2018 STUDIOCANAL GmbH

Ex-Cop Bryan Mills – oh hoppla, falscher Film, sorry Leute, wie konnte mir das nur passieren…okay, noch mal von vorne: Ex-Cop und nunmehriger Versicherungsvertreter Michael McCauley hat wahrlich keinen guten Tag – zuerst wird er nach 10 Jahren vorbildlicher Arbeit mal einfach so mir nichts dir nichts von seinem Chef gefeuert, und das gerade jetzt wo der Sohnemann endlich auf’s College gehen will, dann wird ihm auch noch sein Handy geklaut und zu allem Überfluss setzt sich dann auch noch eine wildfremde aber durchaus ansehnliche Frau im Pendlerzug neben ihn und unterbreitet ihm ein Angebot, dass sich ebenso verlockend wie irrsinnig anhört. Eine Belohnung von 100.000 Dollar winkt ihm, wenn er eine einfache Aufgabe für die Auftraggeber der Dame löst, er soll einen ganz bestimmten Passagier im Zug identifizieren, diesem einen Sender verpassen und schon kann er seine finanziellen Sorgen für eine Zeit ad acta legen. Mit einer eher skeptischen Persönlichkeit gesegnet belächelt McCauley dieses Angebot zunächst, doch als er auf der Toilette tatsächlich den versprochenen Vorschuss vorfindet, soll ihm seine kurze Schwäche zum Verhängnis werden.

‚Non-Stop meets Murder on the Orient Express‘ – so könnte wohl die kurze aber äußerst treffende Beschreibung dieses neuesten Actionkrachers mit Altmeister Neeson lauten. Angefangen hat alles vor etlichen Jahren, als Neeson sich bereit erklärte seine Wurzeln im Boxsport auszugraben, um die Rolle des in die Jahre gekommenen aber immer noch höchst effizient agierenden ehemaligen CIA-Agenten Bryan Mills im Überraschungshit „Taken“ (oder wie er bei uns heißt „96 Hours“) zu übernehmen. Während dieser erste Teil noch einiges an Unterhaltungswert zu bieten hatte und quasi im Alleingang das Genre des alternden Actionstars wiederbelebte, zog er leider auch einen Rattenschwanz an Nachfolgern (entweder ganz direkten oder thematisch verwandten) hinter sich her. Davon waren manche noch ganz nett anzusehen und boten einen vergnüglichen Abend, andere wiederum schossen weit über das erträgliche Maß hinaus und wurden beinahe zu Parodien des eigenen Genres. „The Commuter“ reiht sich dabei leider eher in die zweite Kategorie ein, was umso schmerzhafter ist, da die erste halbe Stunde tatsächlich Potenzial verspricht. Die Einführung der Charaktere ist kreativ und irgendwie frisch und anders inszeniert, die Schauspieler scheinen mehr aus ihren Rollen machen zu wollen als zum reinen Abziehbildchen eines Klischees zu verkommen, was dazu führt, dass man innerhalb kürzester Zeit eine zumindest oberflächliche Beziehung zu dem fürsorglichen Familienvater McCauley aufbaut. Leider wird der „Held“ der Stunde dann ziemlich schnell entlassen und findet sich in besagtem Zug wieder und mit dem Auftreten der mysteriösen Femme Fatale scheinen Kreativität und Ambitionen wie vom Tisch gefegt – ab diesem Zeitpunkt bekommt der Zuschauer eine hanebüchene Geschichte auf’s Aug gedrückt, die kaum Spannungsmomente bereithält und deren großen Twist am Ende man bereits kilometerweit gegen den Wind riechen kann. Was eine pfiffige Verschmelzung der Kombinations- und Beobachtungsgabe eines Poirot mit den Kampfkünsten eines Bryan Mills hätte werden können, wurde schließlich zum surrealen Zerrbild, zum generischen Einheitsbrei.

Die harten Fakten: 

  • Titel: The Commuter
  • Originaltitel: The Commuter
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Laufzeit: 104 Minuten
  • Distributor: Lionsgate, StudioCanal UK
  • Produktionsland: France, USA, UK
  • Regie: Jaume Collet-Serra
  • Darsteller: Liam Neeson, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill

Wie ihr bereits der Überschrift entnehmen könnt habe ich mir dann noch eine spannende Nacht beschert, indem ich den generischen Actionkracher mit dem künstlerisch ambitionierten aber deshalb nicht weniger verstörenden „The Killing of a Sacred Deer“ gemixt hab – was für eine Kombination!


©Alamode Filmverleih

Steven Murphy kann sich eigentlich nicht beklagen, er ist ein angesehener Herzchirurg, hat eine schöne und willige Frau, zwei Kinder, die einer Werbeanzeige für Familienhäuser entsprungen sein könnten und auch noch das dazu passenden Haus. Doch dann gibt es da auch noch Martin, der Sohn eines verstorbenen Patienten von Steven, der Stachel im ansonsten perfekten Leben des Familienvaters. Doch welch schmerzhafter und tiefsitzender Stachel Martin tatsächlich ist, wird dem von Schuldgefühlen Geblendeten leider erst viel zu spät bewusst.

Eines Vorweg, dieser Film ist wahrlich nichts für schwache Nerven, auch die Generation „Aufmerksamkeitsdefizit“ wird wohl so ihre Probleme damit haben und überhaupt alle, die sich den Trailer anschauen und einen konventionellen Erotikthriller erwarten – denn dieser Film mag vieles sein aber konventionell nun wirklich nicht. Viel mehr lebt er von seiner Atmosphäre, von dem beklemmenden Gefühl, das sich beim Zuschauer breit macht während er dem eindringlichen Treiben auf der Leinwand folgt – und hierbei ist das Wort ‚eindringlich‘ mit Bedacht gewählt, denn genau das tut der Film, er dringt in den Zuschauer ein, ob man das nun möchte oder nicht, ob man bereit dazu ist oder nicht, ob man es verkraften kann oder nicht. Es ist dieser schiere Gewaltakt, der einen gefangen nimmt, der einen nicht mehr loslässt, denn nüchtern betrachtet könnte man den Film ohne diesen als langatmig, schlecht geschrieben und wenig nahbar bezeichnen. Und tatsächlich lässt sich der Film sehr viel Zeit, räumt Bildern viel Platz ein indem er sie einfach so stehen lässt, erzeugt Unbehagen durch scheinbaren Stillstand, beinhaltet Sätze, die sowohl skurril als auch unrealistisch anmuten, dennoch ihre Wirkung nicht verfehlen, bietet Charaktere, die es einem schwer machen mit ihnen zu fühlen und verstärkt damit nur das Gefühl von Beklemmung, von Unverständnis, von Machtlosigkeit. Dieser Film will weder gefallen, noch schockieren, dieser Film will herausfordern, er will ergreifen, will sich festsetzen – was er auch tatsächlich auf die ein oder andere Weise schafft. Am ehesten fühlte sich die Kinoerfahrung für mich vergleichbar mit einem David Lynch Film an, hier wie da weiß man nicht immer so recht, was eigentlich gerade auf dem Bildschirm vor sich geht und hier wie da kann man nicht umhin trotzdem ein beklemmendes Gefühl in der Magengrube zu vernehmen.

Die harten Fakten: 

  • Titel: The Killing of a Sacred Deer
  • Originaltitel: The Killing of a Sacred Deer
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 121 Minuten
  • Distributor: A24, Curzon Artificial Eye
  • Produktionsland: Ireland, UK, USA
  • Regie: Giorgos Lanthimos
  • Darsteller: Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Kheogan, Sunny Suljic, Raffey Cassidy

Und das war er auch schon, mein erster cineastischer Doppel Whopper – ich hoffe euch haben die zwei Laibchen in einem Brötchen zugesagt 😉 ?!

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

14 Kommentare zu „Mein „Kino Doppel Whopper“ #1 (The Commuter; The Killing of a Sacred Deer)

Gib deinen ab

      1. Das hatte ich auch schon…dafür waren allerdings nur 3 Filme nötig – war das Triple Feature von Herr der Ringe😉! Da ist man danach dann aber schon irgendwie ziemlich gaga im Kopf 😂. Hab mir auch mal mit Freunden zu Hause den Extended Cut vom Herrn der Ringe an einem Stück gegeben…das hat auch ganz schön gedauert😅.
        Welche 4 Filme hast dir denn da angeschaut?

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      2. Paddington 2, dieses bescheuerte Herz, Pitch Perfect 3 und Jumanji

        Zu Hause ist mein Rekord 6 Filme mit den zu dem Zeitpunkt existierenden Star Wars Filmen… eine Woche Ohrwurm des Imperial March war die Konsequenz

        Gefällt 1 Person

      3. Das ist dann ja noch gar nicht so lang her!?

        Die Star Wars Saga haben wir auch schon mal gemacht, auch die 6 Filme…ist bisher auch mein Rekord 😉

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