„Call Me by Your Name“ oder „Ein unvergesslicher Sommer in Italien“

Titelschriftzug:
© 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Die harten Fakten:

  • Titel: Call Me by Your Name
  • Originaltitel: Call Me by Your Name
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 133 Minuten
  • Regie: Luca Guadagnino
  • Darsteller: Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg, Amira Casar
  • Distributor: Sony Pictures Classics
  • Produktionsland: Italien, Frankreich, Brasilien, USA


© 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Es ist der Sommer 1983 und Elio verbringt ihn wie jeden Sommer mit seiner Familie auf deren Anwesen in Norditalien und wie jeden Sommer hat sich sein Vater Unterstützung bei seinen Forschungsarbeiten in Form eines Studenten ins Haus eingeladen. Dieses Jahr ist es der Sunnyboy Oliver, der für ganze 6 Wochen im Schoße der Familie leben soll. Während es so scheint, als könnte der gefühlvolle und musikalisch begabte Elio zunächst nicht viel mit dem neuen Gast anfangen, wird schnell deutlich, dass die beiden eine faszinierende Anziehung aufeinander ausüben. Und noch ehe sie sich ihrer Gefühle vollkommen im klaren sind, entspinnt sich eine Affäre, die keiner von beiden jemals vergessen wird.

 


Manchmal ist einem das Glück einfach hold, denn nur dank einer Sneak Preview konnte ich diesen Oscarkandidaten bereits vor der Verleihung der Goldjungen sichten und eines kann ich schon mal vorweg sagen, er hat seine Nominierung wahrlich verdient.

Dabei hört sich die Prämisse eigentlich gar nicht so außergewöhnlich oder spannend an; ein Drama rund um eine Sommerliebe – das hat man doch eh schon hundertmal gesehen. Die Tatsache, dass es sich diesmal um ein homosexuelles Paar handelt, ist zwar bemerkenswert, sollte im Jahr 2018 aber eigentlich auch nicht mehr der ganz große Schocker sein. Doch „Call Me by Your Name“ schafft es tatsächlich, sich deutlich von der breiten Maße abzuheben.

Das gelingt ihm vor allem durch seinen unglaublich realistischen Ton. Der Film lässt sich Zeit seine Figuren voll zu entwickeln und in den Fokus zu rücken, es werden Szenerien aufgebaut, die ohne große Worte auskommen, dafür aber mit umso mehr Atmosphäre bestechen können. Manch einer könnte dieses Stilmittel vielleicht als langatmig oder mäandernd ansehen, allerdings ist dies auch beabsichtigt, schafft man es doch durch diese Erzählmethodik spielend dem Zuschauer ein Gefühl für die Situation zu vermitteln: die Sonne brennt vom Himmel, alle Verpflichtungen liegen auf Eis, die Nachmittage ziehen an einem schattigen Plätzchen oder neben dem Pool vorüber und erst der Abend erweckt die müden Seelen zu neuem Leben.

Maßgeblich ist in diesem Zusammenhang auch noch die Inszenierung und Kameraarbeit, denn erst durch diese wird der Zuschauer wahrlich in eine andere Welt entführt. Hier hatten die Macher natürlich bereits einen wichtigen Punkt auf ihrem Habenkonto, nämlich die atemberaubende Landschaft Norditaliens. Sich diesem Umstand voll und ganz bewusst streut Regisseur Guadagnino zwischen die personenbezogenen Aufnahmen auch gerne einmal ruhige Landschaftsaufnahmen, denen genügend Raum eingeräumt wird, um ihre Wirkung entfalten zu können. Aber auch abseits der Landschaften spielt Guadagnino gerne mit Winkel und Fokus der Kamera, um der Geschichte Leben einzuhauchen. Außerdem gelingt es ihm durch den äußerst gezielten und spärlichen Einsatz von Musik eine weitere Komponente zu gestalten, welche dazu beiträgt, dass sich der Zuschauer wie ein stiller Beobachter eines real stattfindenden Ereignisses fühlt.

Last but not least muss ich natürlich auch noch auf die schauspielerischen Leistungen eingehen. Diese sind ohne zu übertreiben mit einem Wort: genial. Sowohl Chalamet als auch Hammer mimen die Liebenden mit einer solchen Kraft und Überzeugung, dass man dabei nicht eine Sekunde an ihren Gefühlen zweifeln könnte; dabei sind es nicht nur die ergreifenden Worte, welche glaubhaft transportiert werden, sondern auch Mimik und Gestik sind auf den Punkt. Doch nicht nur die Hauptdarsteller (und es ist eine wahre Schande, dass Hammer nicht auch für einen Oscar nominiert wurde) wissen zu überzeugen, auch der Rest des Ensembles verleiht seinen Figuren genügend Seele und Tiefgang, dass sie wie richtige Menschen und nicht bloß eindimensionale Abziehbildchen wirken. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang eindeutig Stuhlbarg, der einen der ergreifendsten Monologe der jüngsten Filmgeschichte zum besten gibt.


Alles in allem dürfte nach dieser Rezension wohl jedem klar sein, dass ich den Film einfach großartig fand; ein berührendes Gesamtkunstwerk, dass ich nur jedem wärmsten empfehlen kann, der gerne eine ergreifende Liebesgeschichte gepaart mit einem hervorragenden Coming-of-Age Drama sehen möchte.

Prädikat: Absolut sehenswert

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

6 Gedanken zu “„Call Me by Your Name“ oder „Ein unvergesslicher Sommer in Italien“

  1. […] Wie bereits oben erwähnt, zählte die Sichtung dieses Films zu meinen absoluten Highlights des Kinojahres 2018 und so muss ich zugeben, dass auch das zweite Buch meiner Challenge zu jenen äußerst seltenen Kandidaten gehört, bei denen mir der Film besser gefallen hat als das Buch. Zwar ist der Abstand der beiden zueinander bei weitem nicht so groß wie bei „Der dunkle Turm“ aber dennoch gefiel mir die Filmvariante doch einen Ticken besser. Das mag auch daran liegen, dass Aciman selber sein Werk für den Film adaptierte und in diesem Prozess, vielleicht um die Möglichkeit für ein Sequel nicht zu verbauen, die eine Sache verbessert hat, die mich am Buch gestört hat – den Schluss. Denn anders als im literarischen Vorbild endet der Film mit dem Sommer und alles was dem Zuschauer bleibt ist ein Gefühl der schmerzliches Hoffnung als einem, ebenso wie dem Protagonisten, die Tränen über die Wangen laufen. Meine ausführliche Rezension zu dem Film findet ihr übrigens HIER! […]

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    • Danke, der Film ist echt spitze😊! Dafür hab ich deine beiden Favs noch nicht gesehen…wobei beide nachgeholt werden sobald sie endlich im Kino anlaufen😉.
      Danke für’s teilen😊

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