„Black Panther“ oder „Der König ist tot, lang lebe der König“


Die harten Fakten:

  • Titel: Black Panther
  • Originaltitel: Black Panther
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Laufzeit: 135 Minuten
  • Regie: Ryan Coogler
  • Darsteller: Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Danai Gurira, Lupita Nyong’o, Letitia Wright, Angela Bassett, Forest Whitaker, Martin Freeman
  • Distributor: Walt Disney Studios Motion Pictures
  • Produktionsland: USA

Am Donnerstag war es also soweit, der inzwischen 18.(!) zum MCU zählende Film lief in den deutschsprachigen Kinos an. 18 Filme in einem Franchise, das ist schon eine Nummer, vor allem gedenk der Tatsache, dass Marvel mit seinem Cinematic Universe eigentlich ein Franchise sui generis 2008 mit „Iron Man“ ins Leben rief, von dem zu diesem Zeitpunkt kein Mensch wissen konnte, ob die Rechnung auch aufgehen würde (eine sehr gelungene Auseinandersetzung mit dem Thema MCU im Zeichen von Wirtschaftlichkeit und Eigenart findet sich in der Abschlussarbeit von Peter Vignold „Das Marvel Cinematic Universe“). 10 Jahre später zählt Marvel nicht nur zu den Bigplayern im Bereich Kino und TV, sondern hat auch eine neue schier unglaubliche Welle an Superheldenfilmen, samt dazugehörigen Universen, losgetreten und so das heutige Kinobild wesentlich mitbeeinflusst. Kritiker werfen Marvel dabei gerne eine Tendenz zum Schablonenhaften vor, müssen allerdings zähneknirschend auch immer wieder zugeben, dass sich wahre Perlen in diesem Filmuniversum finden, die sich deutlich aus der Masse abheben (man bedenke nur den Spionagethriller „Captain America: Winter Soldier“, die Weltraumkomödie „Guardians of the Galaxy“, den Heistmovie „Ant-Man“ oder DAS Beispiel für einen Heldenensemblefilm par exellence „The Avengers“). Ob „Black Panther“ sich nun zu den herausragenden Kandidaten gesellen kann oder doch eher im „Einheitsbrei“ (wobei selbst ein durchschnittlicher Marvelfilm noch immer ein sehr unterhaltsamer ist 😉 ) zu versinken droht, erfahrt ihr jetzt in meiner Rezension.


Nachdem der Herrscher des kleinen, von der Außenwelt vollkommen abgeschirmten Staates Wakanda bei einem Anschlag auf das UN-Gebäude starb, obliegt es nun seinem Sohn den Thron zu besteigen und als nächster König für Frieden und Wohlstand in seinem Reich zu sorgen. Doch nach einem geglückten Krönungsritus muss T’Challa schnell feststellen, dass so ein Leben als König nicht nur Sonnenseiten für einen bereithält. Als dann auch noch ein Gespenst aus der Vergangenheit auftaucht und der Sohn für die Verfehlungen des Vaters bezahlen muss, scheint nicht nur die Zukunft Wakandas, sondern womöglich der gesamten Welt auf dem Spiel zu stehen.

 


Bereits im Vorfeld zu dem Film wurde eines deutlich, „Black Panther“ ist ein Meilenstein im MCU beziehungsweise im filmischen Superheldengenre als solches, denn was „Wonder Woman“ letztes Jahr für die Frauenwelt bedeutet hat, dass bedeutet „Black Panther“ heuer für die schwarze Gemeinschaft – findet sich doch im gesamten Ensemble kaum ein Weißer.

Diese Tatsache spiegelt sich auch in vielen Bereichen des Films deutlich wider. Die an traditionelle afrikanische Gewänder angelehnten Kostüme, sowie auch Make-Up und Frisuren sind dabei nur ein, wenn auch der hervorstechendste, Teil. Denn auch manche Ausdrücke sowie Gebärden würden in einem weißen Vorstadtdrama wohl mehr als befremdlich wirken. Dank der fähigen Hände Ryan Cooglers und seines Teams fügt sich hier aber alles zu einem stimmigen Gesamtbild, dass zu keiner Zeit aufgesetzt, klischeehaft oder zwanghaft gewollt wirkt. Natürlich darf an dieser Stelle auch der Soundtrack nicht unerwähnt bleiben, bereits im Vorfeld mit Rosen überschüttet brachte er den Trailer zu „Black Panther“ sogar ins Gespräch für den Titel bestes Musikvideo 2018; leider muss ich gestehen, dass der Film musikalisch nicht ganz die Erwartungen erfüllen kann, dafür sind die Lieder viel zu oft zu stark in den Hintergrund gedrängt oder werden nur kurz angespielt.

Das revolutionäre Element, Cast sowie Look betreffend, streift der Film in Hinblick auf die Handlung allerdings schnell wieder ab. Die Geschichte rund um eine heiß umkämpfte Thronnachfolge ist wohl nicht erst seit den Tagen Shakespeares ein beliebtes Sujet im dramaturgischen Reigen, doch nicht ohne Grund, denn mit dem nötigen Fingerspitzengefühl sowie talentierten Schauspielern lässt sich eine solche Handlung immer wieder zu Gold machen. Zum Glück kamen für „Black Panther“ diese beiden wichtigen Ingredienzien zusammen und so ist es ein wahres Vergnügen dem ehrenhaften, doch sich mit der Situation überfordert fühlenden, T’Challa sowie dem rohen, doch innerlich eigentlich gebrochenen, N’Jadaka (einer der besten weil komplexesten Bösewichte, den Marvel zu bieten hat) bei ihrem Ringen um Macht, Respekt und Anerkennung zuzusehen.

Neben Crew und Cast gibt es allerdings noch ein weiteres Element, welches ich lobend hervorheben möchte – die Einbindung des Films in das bestehende Universe. Hier wirken die zahlreichen Easter Eggs und Referenzen so homogen in den Verlauf der Geschichte gestreut, dass es für Fans eine wahre Freude ist alle Anspielungen zu finden und sich für Nicht-Kenner trotzdem ein stimmiger Film ergibt, bei dem man nicht ständig das Gefühl hat etwas Essentielles nicht zu wissen.

Trotz all des Positiven, was über den Film gesagt werden kann, ist er aber nicht fehlerfrei. Was besonders schmerzt ist, dass der wohl größte Kritikpunkt in der Inszenierung mancher Actionszenen zu finden ist. Hier verschmilzt das schwarze Kostüm immer wieder so weit mit dem dunklen Setting, dass der Zuschauer gar nicht mehr mitverfolgen kann, was eigentlich auf der Leinwand vor sich geht; zwar kann dies als eigenes Stilmittel ganz gut funktionieren, indem der Zuschauer die selben Erfahrungen durchlebt wie die verängstigten Gegner, die sich suchend umschauen und doch nicht einmal erahnen können, woher der Angriff eigentlich kommt, doch zu weit getrieben sorgt diese Art der Inszenierung schnell für Unmut beim geneigten Zuseher.

Alles in allem ist „Black Panther“ aber ein wirklich gelungener Vertreter des Superheldengenres, der beweist, dass Marvel auch noch beim 18. Film mehr auf Charakterentwicklung denn auf pure Action setzt, allerdings ohne diese dabei zu vernachlässigen.


An dieser Stelle möchte ich noch eine kurze Ankündigung machen: Wie den meisten bekannt sein dürfte, steht uns nun im April mit „Avengers: Infinity War“ der erste Teil des bombastischen Finales der 3. Phase des MCU bevor; ein Ereignis auf das seit 10 Jahren hingearbeitet wurde. Um diese Mühen zu honorieren und perfekt vorbereitet in die alles entscheidende Schlacht ziehen zu können, wird deswegen der April zum „Marvelmonat“ hier auf VERfilmt&ZERlesen! Das bedeutet, ihr dürft euch auf Rezensionen, Analyse, Zeitlinien, Trivia und vieles mehr rund um Marvel und ihr Cinematic Universe freuen 😉 .

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

2 Kommentare zu „„Black Panther“ oder „Der König ist tot, lang lebe der König“

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Klappe!

Das Filmmagazin

honigwolke.wordpress.com/

Life & Story Blog aus Oberösterreich

Der FilmBlogCast

Drei Filmfreunde und -Blogger sprechen über ihr liebstes Hobby - und lassen nebenbei auch noch die Tonaufnahme laufen.

Wermi's Worte Filmblog

Hier gibt es Analysen, Reviews, Kritiken oder auch Essays von mir zu allem aus der Filmwelt!

Ecce homo

Siehe, der Mensch

Apokalypse Film

Schaut vor der Apokalypse keine schlechten Filme!

Der Filmkürbis

Schamlos subjektive Filmkritiken

Film plus Kritik - Online-Magazin für Film & Kino

“Film is a disease. When it infects your bloodstream, it takes over as the number one hormone; the antidote to film is more film.”

%d Bloggern gefällt das: