„Shape of Water“ oder „Tale as old as time…“

Titelschriftzug: © 2018 Twentieth Century Fox

Die harten Fakten:

  • Titel: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
  • Originaltitel: The Shape of Water
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 123 Minuten
  • Regie: Guillermo Del Toro
  • Darsteller: Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Octavia Spencer, Doug Jones, Michael Stuhlbarg
  • Distributor: Fox Searchlight Pictures
  • Produktionsland: USA


© 2018 Twentieth Century Fox

Elisa ist eine ganz normale Frau, jeden Tag steht sie auf, richtet sich etwas zu Essen und macht sich auf den Weg zu ihrer Arbeit als Putzfrau in einer Regierungseinrichtung. Der einzige Unterschied zwischen Elisa und ihren Arbeitskollegen besteht darin, dass sie stumm ist. Zwar kann sie alles hören, was um sie herum vorgeht, doch wahrlich kommunizieren kann sie nur mit den wenigsten. Zum Glück hat sie ihre Kollegin Zelda und ihren Nachbarn Giles, jene zwei Menschen, die ihren Tagen Freude und Zerstreuung schenken. Doch als eines Tages ein sonderbares Wesen, welches wie eine Kreuzung aus Fisch und Mensch anmutet, in die geheime Forschungsstation gebracht wird, ist eine besondere Anziehungskraft zwischen den beiden sofort erkennbar. Es entwickelt sich eine Zuneigung, die schließlich in Liebe erblüht, doch die Frage ist, hat eine solche Liebe überhaupt eine Chance gemessen an der grausamen Realität.


Viel wurde bereits über Del Toros neuesten Film gesagt: ein modernes Märchen, ein Geniestreich, ein Meisterwerk, ein ganz großer Oscarfavorit. Und tatsächlich scheint der Liebhaber des Sonderbaren, des Einzigartigen hier erneut zu seiner alten Form zurück zu finden. Weshalb der Film trotzdem nicht der beste ist, den ich je von ihm gesehen habe, erfahrt ihr hier in meiner Rezension…aber zunächst fangen wir mit dem Zuckerbrot an.

Hier ist der visuelle Aspekt des Films eindeutig hervorzuheben; hatte Del Toro bisher schon den Ruf ein Meister der Bildsprache zu sein, so treibt er es hier einmal mehr auf die Spitze; alles ist in jeder einzelnen Einstellung bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt, sei es nun farblich, strukturell oder räumlich, sodass sich eine Gesamtkomposition ergibt, welche vergleichbar mit einem Gemälde ist. Doch nicht nur seine Liebe zum märchenhaften Hyperrealismus, die selbst einem rostigen Abwasserrohr eine melancholische Schönheit verleiht, ist legendär, nein, sein eigentliches Markenzeichen findet sich in einem anderen visuellen Bereich, bei seinen Kreaturen.

© 2018 Twentieth Century Fox
Der Meister bei der Arbeit

Selbst der generischste Blockbuster wird zum unterhaltsamen Abendfüller, dank überdimensionaler Kaijus deren Design nur so strotzt vor Detailverliebtheit und Einfallsreichtum. Hier stellt seine aktuelleste Schöpfung allerdings tatsächlich einen neuen Höhepunkt dar; und jeder der meint, dass dies in Zeiten von CGI und Motion Capture ja kein Problem mehr darstellt, der sollte mal einen Blick in das Making Of werfen und in demütiges Staunen verfallen, denn dieser Amphibienmensch ist großteils ein Mann mit Maske. Mit diesem Vorwissen verfolgt man das sich vor einem ereignende Schauspiel gleich noch faszinierter.

© 2018 Twentieth Century Fox

Die beste Maske der Welt bringt allerdings nur sehr wenig, wenn die Schauspieler es nicht schaffen der Handlung Leben einzuhauchen. Auch hier bewies Del Toro jedoch das richtige Gespür, denn jeder Mime gibt hier alles. Natürlich ist das Spiel der Hauptdarsteller Hawkins, Shannon und Jones hervorstechend und außergewöhnlich gut (speziell Hawkins schafft es auch ohne Worte ein ganzes Füllhorn an Emotionen über dem Zuschauer auszuschütten), doch es sind für mich gerade die Nebenrollen, die dem Film tatsächlich seine Seele verleihen; sei es Spencer als geschwätzige Kollegin, mit dem Herz am rechten Fleck, oder Jenkins als schwuler Nachbar, dessen Glaube an die Welt langsam zu verblassen scheint, oder Stuhlbarg als Doppelagent mit Gewissen, ohne diese gekonnt gezeichneten und verkörperten Figuren wäre der Film nur halb so schön. All diese Figuren sind der Grund, weshalb dieses moderne Märchen weder in Nostalgie noch im Kitsch versinkt.

© 2018 Twentieth Century Fox

Allerdings ist die eigentliche Geschichte auch der Grund, weshalb ich es nicht für die beste Arbeit Del Toros halte; zwar werden wichtige Themen angesprochen, wie der Blick hinter das Aussehen eines Menschen, Diskriminierung, Xenophobie und Liebe, allen Grenzen zum Trotz, allerdings sind dies so bekannte und gern verwendete Sujets nicht nur des Märchengenres, sondern auch des Liebesfilmgenres an und für sich, dass der Film hier nichts Neues zu erzählen vermag. Ganz im Gegenteil, die Handlung läuft genauso typisch, geradlinig und dadurch vorhersehbar ab, dass den Zuschauer nur die überwältigenden Bilder und das famose Spiel vor der Frage bewahren: „Hab ich das nicht schon mal irgendwo genau so gesehen?“


Alles in allem ist „Shape of Water“ aber genau das, was alle sagen, ein visuell beeindruckendes modernes Märchen, dass den Zuschauer in eine andere Welt entführt.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

20 Gedanken zu “„Shape of Water“ oder „Tale as old as time…“

    • Nein, waren sie nicht…offensichtlich meinte Del Toro, dass Untertitel nicht so wichtig wären, das wichtige ergibt sich dann eh aus Gestik und Mimik😅! Das ist auch nicht der erste Film wo mir das passiert ist🤔…ich mein, manchmal ist es ja ein Stilmittel, so auf die Art „weil der Protagonist nicht versteht was geredet wird, soll es der Zuschauer auch nicht verstehen“ aber so wie es hier eingesetzt wurde ist es dann doch sehr befremdlich 😅

      Gefällt 1 Person

  1. Bin noch nicht sicher, ob ich den Film im Kino sehen muss. Deine Kritik lässt mich auch etwas skeptisch zurück. Crimson Peak konnte mich aufgrund der Geschichte schon nicht so überzeugen und leider bin ich auch kein großer Fan von Sally Hawkins (auch wenn sie gut schauspielern kann).

    Gefällt 1 Person

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