Mein „Kino Doppel Whopper“ #3 (Wahrheit oder Pflicht; The Heretics)

Oft wird gesagt: „Es kommt weniger auf die Qualität des Films an, als viel mehr auf die Gesellschaft in der man sich befindet“, dass diese Aussage mehr als zutreffend ist durfte ich in der Nacht von Freitag auf Samstag hautnah miterleben. Denn, obwohl dieser Abend sowohl eines der schlimmsten Film- als auch Kinoerlebnisse für mich bereit hielt, komme ich doch nicht umhin zu Lächeln, wenn ich daran zurückdenke. Der einzige, aber umso nachvollziehbarere Grund dafür war meine Begleitung an diesem Abend, denn DerStigler machte sich gemeinsam mit seinem besten Freund auf den Weg ins pulsierende Herz der Steiermark, um gemeinsam mit mir ein paar schöne Tage zu verbringen (wären die Filme nur genauso schön gewesen, wie der Rest dieser gemeinsamen Zeit). Aber bevor ich zu weit abschweife kommen wir doch einfach gleich mal zum ersten Film des Abends (und gleichzeitig zu einem der schlechtesten Filme, die ich bisher in diesem Jahr gesehen habe) – „Wahrheit oder Pflicht“…


Eigentlich hatte Olivia ganz andere Pläne für den diesjährigen Springbreak, kein Wunder, macht sich doch ehrenamtliche Arbeit weit besser im Bewerbungsschreiben an die heißbegehrte Universität, als ausschweifendes Feiern. Doch da hat Olivia die Rechnung ohne ihre Freunde gemacht, die sie nach viel Bitten und Betteln doch überreden können auf den bereits geplanten Trip nach Mexiko mitzukommen. Nichts Böses ahnend folgt die Gruppe eines Abends der charmanten Eroberung Olivias zu einem verlassenen heruntergekommenen Kloster. Dezent unterwältigt von der neuen Location schlägt der Initiator des Ausflugs das Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ vor – wieso auch nicht?! Doch aus einem Spiel wird allzu schnell ernst und Olivia und ihre Freunde befinden sich in einem diabolischen Katz-und-Mausspiel um Leben und Tod.

Wer sich nun nach meiner einleitenden Inhaltsbeschreibung Illusionen hingibt, dass sich das Beschriebene nach einem generischen aber vielleicht ganz unterhaltsamen Horrorfilm anhört, der sollte mit diesem Trugschluss besser noch abwarten, denn „Wahrheit oder Pflicht“ mag sich auf dem Papier vielleicht nicht sofort wie eine Vollkatastrophe lesen aber genau das ist es. Das liegt daran, dass dieser Film auf der ganzen Linie versagt; besonders hervorzuheben, leider im negativen Sinne, sind die fehlende Spannung und die hanebüchene Handlung. Natürlich erwartet keiner in diesem speziellen Genre eine hoch komplexe Geschichte aber ein wenig Kreativität wäre auch hier durchaus wünschenswert, und wenn es schon an dieser mangelt, wie wäre es dann mit gut ausgearbeiteten Charakteren, die wenigstens ab und an für den Zuschauer nachvollziehbar handeln?! Obwohl, eigentlich ist dieser Punkt tatsächlich zweitrangig, so wie vieles andere in Bezug auf diese Art von Filmen, beinahe alles kann verziehen werden, unglaubwürdige Mimen, lachhafte Effekte, stümperhafte Auflösungen, alles ist nebensächlich, solange nur eine Sache stimmt – der Gänsehautfaktor. Denn eines steht fest, solange man sich vor Spannung die Fingernägel abkaut und das Gesicht am liebsten unter der Schmusedecke verbergen würde erfüllt jeder Horrorfilm  seine primäre Aufgabe und ist somit zumindest als solide einzustufen. Wie oben bereits erwähnt fehlt es hier allerdings gänzlich an Schreckmomenten, die angestrebte PG13 beziehungsweise FSK 14 Einstufung war wohl nicht die beste Idee der Verantwortlichen, um der Langeweile des Zuschauers entgegenzuwirken. Alles in allem ist „Wahrheit oder Pflicht“ ein Film ohne Höhepunkte oder nennenswerte Qualitäten und es würde mich nicht wundern, wenn er sich am Ende des Jahres sogar auf meiner „Worst of the year“-Liste wiederfinden würde.

Die harten Fakten:

  • Titel: Wahrheit oder Pflicht
  • Originaltitel: Truth or Dare
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Laufzeit: 100 Minuten
  • Regie: Jeff Wadlow
  • Darsteller: Lucy Hale, Tyler Posey, Violett Beane, Hayden Szeto
  • Distributor: Universal Pictures
  • Produktionsland: USA

Kommen wir nun vom miesen Filmerlebnis zu einem der schlimmsten Kinoerlebnisse aller Zeiten, denn während „The Heretics“ als durchaus solide betrachtet werden kann, war das im Saal anwesende Publikum wahrlich unterirdisch und nah an der Grenze zum unerträglichen – damit ist das durchaus interessante und amüsante Format des „Midnight Movie“ wohl endgültig für mich gestorben. Aber ich schweife erneut ab, kommen wir nun also zum Film an und für sich…


Gerade ist die traumatisierte Glorija dabei neuen Mut zu schöpfen und jene furchtbare Nacht hinter sich zu lassen, jene Nacht als sie von einem satanischen Kult entführt wurde, um Teil eines grausamen Rituals zu sein, welches sie als einzige überlebt hat. Doch gerade als Glorija dank neuer Freundin und regelmäßiger Gruppentreffen ihre Deckung fallen lässt passiert das Unfassbare, Glorija wird entführt, von einem Mitglied eben jenes Kultes, der eigentlich gar nicht mehr existieren dürfte.

Eines sei vorweg gesagt, „The Heretics“ ist mit Sicherheit kein Meisterwerk, nicht mal in seinem Genre betrachtet, aber trotzdem besitzt er genug Qualitäten um für einen unterhaltsamen Abend zu sorgen. Das liegt einerseits daran, dass sich der Film einiges an Zeit herausnimmt, um seine Figuren über das übliche Maß hinaus mit Persönlichkeit auszustatten, so werden Motive und Handlungsweisen für den Zuschauer auf angenehme Weise zumindest teilweise nachvollziehbar. Außerdem bietet die Handlung ein paar Wendungen, die man als durchaus überraschend und somit gelungen bezeichnen kann. Sogar die Effekte, die dank schmalem Budget glücklicherweise großteils auf Maske statt CGI setzen, wissen zu überzeugen. Einzig Schauspieler und Dialoge wirken an vielen Stellen zu aufgesetzt und hölzern, um glaubhaft zu erscheinen. Alles in allem ist „The Heretics“ ein solider Horrorfilm, der ein paar nette Twists und schaurige Bilder zu bieten hat.

Die harten Fakten:

  • Titel: The Heretics
  • Originaltitel: The Heretics
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Laufzeit: 88 Minuten
  • Regie: Chad Archibald
  • Darsteller: Nina Kiri, Jorja Cadence, Ry Barrett
  • Distributor: I-on New Media
  • Produktionsland: Kanada

Das war es auch schon wieder von meiner Seite aus, auch wenn die Filme per se mich diesmal nicht wirklich vom Hocker reißen konnten, war es doch alles in allem ein amüsanter Abend, womit sich meine Ausgangsthese von oben wieder einmal bestätigt: „Es kommt viel weniger darauf an was du siehst, sondern mit wem du es siehst“.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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22 Gedanken zu “Mein „Kino Doppel Whopper“ #3 (Wahrheit oder Pflicht; The Heretics)

    • Nein, sowas gibt’s in Graz prinzipiell nicht (wobei es normalerweise ja auch einfach nicht gebraucht wird)…außerdem war es ein Sonderscreening bei dem der Film erst um 23 Uhr startet dh es war dann sowieso nur mehr ein Angestellter da

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    • Sie haben laut, und ich meine damit wirklich laut, miteinander geredet, sobald man gefragt hat ob sie leise sein könnten haben sie einen verarscht und nachgeäfft, einer hat öfter mal in voller Lautstärke gerülpst und einer fing an den Film auszubuhen, was dazu führte, dass der Rest in schallendes Gelächter verfiel…

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    • Ach ja und natürlich nicht zu vergessen die unzähligen Handybildschirme die immer wieder mal aufgeblitzt haben…du siehst also, es war ein wahres Vergnügen 😑

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  1. also, ich lese das zuletzt immer öfter, dass sich Leute über das „Furchtbare Kinopublikum“ beschweren. Ich hatte so ein Erlebnis bisher noch nie. Entweder, ich geh in zu kleine Kinos, oder in zu viele PV´s, wo es sowieso mucksmäuschenstill ist 😛 Nicht mal bei „Deadpool 2“ im Lugner-Kino fand ich sonderlich schlimm….Vl. sind die Grazer einfach so asozial 😀 😀 😛

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    • Also normalerweise hab ich auch immer Glück und die Leute benehmen sich alle anständig aber bei diesem Midnight Movie Format (immer von Freitag auf Samstag um 23 Uhr wird irgendein Film aus dem Horrorsegment gezeigt) ist es irgendwie was anderes…weil die Leute da eigentlich nicht hingehen, um den Film zu sehen, sondern um sich während des Fortgehens bzw als Einstieg zu solchigem in illustrer Runde einen Trashfilm anzuschauen und sich darüber dann halt das Maul zu zerreißen. Und da haben dann halt die Leute das Nachsehen, die sich aber vielleicht auch einen Trashfilm gern wirklich anschauen würden bzw besonders schlimm wird es dann, wenn sie sich gar keinen Trashfilm aussuchen sondern einen richtig guten Vertreter des Genres aus Asien zB und die Leute das einfach nicht checken und sich trotzdem unmöglich aufführen!

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      • Ganz ehrlich, bei den beiden Streifen war es auch nicht wirklich schwer sich ein Urteil zu bilden, genauso wenig wie beim Publikum 🙄! Findest du es nicht faszinierend, dass eine Schulklasse von Teenagern sich besser benimmt als ein Haufen „Erwachsener“?!?

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      • Haha das stimmt. Wahrheit oder Pflicht war der miesere Film mit besserem Publikum und The Heretics war besser mit unerträglichem Publikum. 🤔

        Respekt an die Schulklasse für dieses Benehmen. Die waren wirklich brav. 😳
        Wobei ich glaube die „Erwachsenen“ waren nur körperlich erwachsen. Geistig waren die auf dem Niveau von Kindern. 😖

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      • 😂 😂 😂…hast den Abend perfekt zusammengefasst!
        Ja, ich war auch erstaunt, hatte vorher schon Sorge, dass die Teenies sicher ständig auf ihr Handy schauen oder sowas aber die haben sich echt vorbildlich verhalten…dafür sind die Erwachsenen wieder zu Kindergartenkindern mutiert – oh nein, am Ende haben wir den Anfang einer Seuche, eines Virus oder einer außerirdischen Invasion miterlebt, welche die ganze Erde heimsuchen wird😳😱

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      • Stimmt, wer es schafft ein Raumschiff zu bauen und durch das All zu fliegen der sollt etwas mehr auf dem Kasten haben…wobei, bei Krieg der Welten sterben sie dann am Ende an einem Schnupfen…insofern sind vielleicht doch nicht alle solch helle Leuchten🤔😂

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      • Schon oder…ich hab mir das schon oft gedacht, dass Aliens in Filmen gern mal extrem doof dargestellt werden. Überleg mal, egal in welchem Sci Fi Streifen, wenn Menschen auf einem fremden Planeten landen tragen sie immer einen Schutzanzug, manchmal legen sie den dann zwar im Laufe des Films ab (was eh immer wieder von den Zuschauer kritisiert wird) aber prinzipiell tragen sie zumindest immer am Anfang einen Schutz. Wenn aber Aliens auf der Erde landen dann haben die in den besten Fällen grad mal einen Helm auf wegeb der anderen Atmosphäre, wenn überhaupt 🤔

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      • Stimmt auch wieder. Die erscheinen wirklich doof. Wobei es schon ein witziger Kontrast ist. Ich kann durch‘s All reisen, hab fancy moderne Ausrüstung, bin aber zu blöd für ne ordentliche Schutzausrüstung. 😳
        Das ist ja fast schon ein Schloss Eggenberg-Einrichtungs-Kontrast. 😱😂

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  2. Zumindest Tyler Posey sieht man doch ganz gern, meistens.
    Ein schlechtes Filmevent als Filmblogger ist bestimmt lustiger und einpräsamer, als wenn Ihr gemeinsam ein Art-Abend erlebt hättet.

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    • Also ich muss gestehen, dass mir keiner der Darsteller etwas sagte und ich weiß auch nicht ob ich einen von ihnen im Gedächtnis behalten werde😅!
      Naja, ich weiß nicht ob es so wirklich einprägsamer war, aber was ich sicher weiß ist, dass ich mir durchaus gewünscht hätte, die Filme wären besser gewesen (zumindest der erste) oder wenigstens auf eine gute Art schlecht😉

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