Halloweek #3 – Horror in Comics

Die Welt der Comic-Bücher ist wohl ebenso vielseitig wie unterschätzt (zumindest in unserem Kulturkreis), denn viel zu oft hört man im Bekannten- oder Verwandtenkreis Stimmen, die etwas naserümpfend meinen: „Was, du liest so einen Kinderkram?!“ Doch nur ein Bruchteil der gezeichneten Geschichten ist tatsächlich für die Kleinen unter uns geeignet. Meiner Meinung nach kann man Comics, Graphik Novels, Mangas und Co. ohne weiteres als Literatur ansehen und der einzige Grund, weshalb ich ihnen einen eigenen Beitrag in diesem Special widme, besteht darin, dass sie für mich dennoch eine eigene Kunstform darstellen. Durch die Verbindung von Text und Bild entsteht nämlich doch ein eigenständiges Medium, welches eigene Merkmale den Aufbau, die Handlung und die Erzählstruktur betreffend aufweist.

Horrorelemente finden sich dabei, ähnlich wie in der Literatur, bereits in den Anfängen der Comicgeschichte wieder. Allerdigs erfuhr das Genre im amerikansichen Raum erst in den 40er und 50er Jahren seine erste echte Blütezeit; ein Siegeszug, der durch die Gründung der „Comics Code Authority“ einen Dämpfer erfuhr. Zwar stellte sich die Entwicklung in Japan etwas anders dar, allerdings kann man auch hier durchaus sagen, dass durch die Wirren des zweiten Weltkrieges und den darauf folgenden restriktiven und durch staatliche Überwachung gekennzeichneten Nachkriegsjahren der Kreativität weitreichende Schranken gesetzt waren. In Europa entwickelte sich die Geschichte der Comics hingegen etwas zeitversetzt und die ersten größeren Reihen, die rein für ein erwachsenes Publikum gedacht waren, finden sich erst in den 60ern und 70ern, wahrscheinlich auch als Reaktion auf die zweite Blütezeit der Horror Comics in Amerika. Zwar kann festgehalten werden, dass sich das Horrorgenre als Nischenprodukt seit dieser Zeit in allen Kulturkreisen durchaus etablieren konnte, allerdings erfreut es sich erst seit Anfang des 21 Jahrhunderts einer stärkeren Verschiebung hin zum Mainstream.

Da ich allerdings, ähnlich wie bei der Horrorliteratur, bisher nur wenige persönliche Eindrücke in diesem Genre sammeln konnte, hat sich der liebe Stigler erneut dazu bereit erklärt, die Rezensionen zu diesem Beitrag beizusteuern. Er hat sich dabei für zwei Mangas der neueren Zeit und somit für zwei Vertreter der aktuell herrschenden Horror- und Japanophilie entschieden. Wer übrigens gerne wissen möchte, was bei den großen amerikansichen Comicverlagen in diesem Bereich so vor sich geht, dem kann ich nur wärmstens die Reviews vom Stigler zur „Dark Knights: Metal“-Reihe ans Herz legen. So, kommen wir nun aber endlich zu den Rezensionen des heutigen Tages.


Dark Hideout

Den Anfang macht „Dark Hideout“, der von Masasumi Kakizaki geschrieben und illustriert wurde. Der Manga erschien in ingesamt 8 Kapiteln und wurde 2010 erstmals als Sammelband veröffentlicht.

Handlung: Familiendrama in Reinform

Seichi Kirishima und seine Frau Miki Kirishima machen auf einer scheinbar idyllischen Insel Urlaub, um ihre kaputte Ehe zu retten. Als sie die Insel mit dem Auto erkunden, gerät das Ehepaar in einen heftigen Regen und zu allem Überfluss bleibt das Auto stehen. An Seichis Plan ändern diese Komplikationen nichts, denn er möchte seine Frau ermorden, um sein Leben wieder in Ordnung zu bringen. Ein Jahr vor Beginn der Handlung verstarb der Sohn des Ehepaars Kirishima durch einen Unfall, was Seichi’s Ruf ruinierte, seine Arbeit als Schriftsteller beeinträchtigte und die Beziehung zu seiner Frau sowie deren Familie nachhaltig schädigte. Seich’s geplanter Mordversuch schlägt fehl und Miki flüchtet in eine Höhle. Verfolgt von ihrem Ehemann beginnt für das Paar ein Abstieg in die Hölle, denn die Höhle ist nicht so unbewohnt, wie sie auf den ersten Blick wirkt …

Meine Meinung zum Manga

„Dark Hideout“ fokussiert sich stark auf psychologischen Horror und das Leiden der Protagonisten, dabei nimmt sich der Manga sehr viel Zeit, um das Ehepaar Kirishima zu beleuchten und besonders Seichi’s Abdriften in den Wahnsinn wird glaubhaft erzählt. Auf der optischen Ebene besticht „Dark Hideout“ durch einen gelungenen Zeichenstil, der den Horror auf mehreren Ebenen einfängt. Zum einen wird der Abstieg des Protagonisten in den Wahnsinn visuell ansprechend dargestellt, ebenso die gewalttätige Eskalation zwischen Seichi und Miki sowie die Darstellung eines grotesk mutierten Höhlenbewohners, der Jagd auf Seichi macht und quasi als verzerrtes Spiegelbild der Hauptfigur dient.

Fazit

Alles in allem ist „Dark Hideout“ ein gelungener Gruselmanga, der sowohl psychischen als auch physischen Horror vereint und dabei das Genre des Familiendramas ebenfalls bedient. Neben einer umfangreichen Erzählung glänzt der Manga durch einen ansprechenden Zeichenstil, der seinen Höhepunkt im grotesk entstellten Höhlenbewohner findet. Wer also einen Gruselmanga sucht, darf bei Dark Hideout gern zugreifen.

 

Hiki

Im Titel steht es bereits, hier nehme ich mir „Hiki“, den Gruselmanga mit einer skurrilen Prämisse vor. Gezeichnet und geschrieben wurde der Manga von Banana Nangoku.

Handlung: Der Geist, der aus der Kommode kam

Als der Durchschnittstyp Riki mitten im Wald eine Kommode findet, beginnt für ihn ein schauriger Horrortrip, denn statt Kleingeld befindet sich in der Kommode ein Geist, der Riki nun immer heimsucht, wenn dieser irgendwo eine Schublade öffnet. Wenn Riki nicht schnell herausfindet, was der Geist in Gestalt eines Mädchens von ihm will, droht Riki nicht nur seinen Verstand zu verlieren…

Meine Meinung zum Manga

Was die Prämisse angeht, gehört „Hiki“ zu den interessantesten und ausgefallendsten Gruselmangas, die ich jemals gelesen habe und reicht an Skurrilität fast schon an ein Werk von Shinji Ito heran, wenn auch nur fast. Der Horror entfaltet sich langsam und die Spannung baut sich langsam auf, bis sich alles in einem Höhepunkt entlädt. Neben einer interessanten Handlung, mit kreativer Problematik, ist auch der Zeichenstil sehr gelungen.
Die Auftritte des Geistes erinnern mich stark an Werke wie „The Grudge“ oder „The Ring“ und spiegeln den drohenden Wahnsinn des Protagonisten glaubhaft wider. Wenngleich ich einräumen muss, dass der Stil gegenüber der Konkurrenz wie „Dark Hideout“ oder „Uzumaki“ Federn lassen muss. In beiden genannten Werken nimmt der Horror wesentlich tiefgreifendere und abstraktere Züge an.

Fazit

Hiki ist ein solider Gruselmanga für zwischendurch, der das Genre nicht neu erfindet aber genug Eigenständigkeit besitzt, um dem Leser länger im Gedächtnis zu bleiben. Wer also eine kreative Gruselgeschichte sucht, die auch noch ansprechend dargestellt wird, darf bei „Hiki“ bedenkenlos zugreifen. 


Und das war er auch schon, der dritte Beitrag zu meiner diesjährigen „Halloweek“ und erneut möchte ich mich an dieser Stelle beim Stigler für seine tatkräftige Unterstützung bedanken. Morgen kriegt ihr dann mal ein paar Rezensionen von mir, das nächste Medium betreffend, serviert – oder vielleicht doch nicht?!? Lasst euch doch einfach überraschen und schaut morgen wieder vorbei, wenn es heißt „Halloweek…Klappe, die vierte“.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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6 Gedanken zu “Halloweek #3 – Horror in Comics

  1. Witzigerweise muss ich sagen, wo ich früher bei „echten“ Filmen auch mal an die Decke gestirrt habe, wenn es zu blutig wurde, hat es mich bei Comics oder Zeichentrickfilmen nie gestört oder etwas ausgemacht.
    Sachen wie Evil Ernie zum Beispiel sind nicht gerade blutarm 😉

    Gefällt 1 Person

    • Danke, freut mich, dass er dir gefällt 😊. Tatsächlich kannte ich beide Mangas selber noch nicht aber nach diesen tollen Rezensionen vom Stigler hab ich sie mir jetzt auch zugelegt 😉

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