(#4) Operation Overlord Band1: Kampf um Sainte-Mère-Église

Die harten Fakten:

  • Titel: Operation Overlord: Kampf um Sainte-Mère-Église
  • Autor: Michaël Le Galli
  • Zeichnungen: David Fabbri
  • Übersetzung: Horst Berner
  • Verlag: Editions Glénat/ Panini Comics
  • Erscheinungsjahr: 2014
  • ISBN: 978-3-95798-452-4

© PANINI Verlags-GmbH

„Operation Overlord“, so hieß jene militärische Operation mit der die Rückeroberung Frankreichs und somit der Sieg über Hitler eingeläutet werden sollte. Doch bevor die Schiffe in der Normandie landen können, heißt es erst einmal für die Fallschirmjägerstaffel das Terrain zu erkunden und strategisch wertvolle Punkte zu erobern. Und genau hier setzt die eigentliche Geschichte an, in einem Flugzeug warten die tapferen Soldaten auf ihren Absprung in eine ungewisse Zukunft.


 

 

 

Gerade einmal 48 Seiten umfasst der erste Teil der Comic-Reihe „Operation Overlord“ und zählt damit was den Umfang betrifft eindeutig zu den Leichtgewichten meiner Special-Beiträge. Doch man darf sich hier nicht von der fehlenden Dicke in die Irre führen lassen, denn vom Inhalt her haben wir es hier mit einem wahren Schwergewicht zu tun. Zweite Weltkriegsstoffe sind ja prädestiniert dafür eher auf der schwerer verdaulichen Seite des Spektrums zu stehen aber „Operation Overlord“ gehört selbst hier zu den härteren Kandidaten.

Dies liegt mit Sicherheit daran, dass man als Leser permanent mitten im Geschehen ist. Als wäre man einer der Soldaten, springt man aus Flugzeugen, geht hinter Hügeln und Mauern in Deckung, gibt seinen Mitstreitern Feuerschutz und sieht sie schließlich trotz aller Bemühungen sterben – das ist starker Tobak, das geht einem an die Nieren und lässt einen nicht mehr so leicht los. Dieser besonderen Form der erzählerischen Immersion ist es geschuldet, dass ich den ersten Teil innerhalb kürzester Zeit und in einem Rutsch verschlungen hatte und mir bereits auf der letzte Seite gewünscht hatte, ich hätte mir auch gleich noch Band Nummer Zwei gegönnt (leider war einfach kein Platz mehr in meinem Rucksack und kein Geld mehr in meinem Börserl).
Während einen also Setting ebenso wie Inszenierung vollkommen für sich vereinnahmen, schafft dies die Handlung leider nicht ganz so gut. Hier wird genau das erzählt was einem der Titel suggeriert, die Übernahme des französischen Dorfes Sainte-Mère-Église durch die alliierten Truppen, und egal wie bildgewaltig das ganze auch umgesetzt wurde, über diese dünne Story können auch die besten Zeichner nicht hinwegtäuschen.
Die damit einhergehende teils schwache Charakterisierung der einzelnen Soldaten, spiegelt sich im übrigen auch in der etwas farblosen Gestaltung wieder, und sorgt dafür, dass einem das Schicksal der Protagonisten befremdlich gleichgültig bleibt – ein Umstand, der während der Lektüre zu einer verwirrenden Art von Schuldgefühlen beim Leser führt, sollte einem der Tod eines Soldaten im zweiten Weltkrieg, eines Kameraden, doch wahrlich alles andere aber nur nicht gleichgültig sein. Während also der Aufbau alles dafür tut den Leser so weit in das Geschehen zu ziehen wie es nur geht, versagen die Mitstreiter größtenteils dabei ein Gefühl der Kameradschaft in einem zu wecken.
Der oben bereits kurz angesprochene Zeichenstil könnte vielleicht ein klein wenig zu diesem Gefühl der Distanz beitragen, denn die Zeichnungen des Italieners könnten härter kaum sein – markante Linien, wenig mimische Details und dadurch stellenweise die Gefahr der Verwechslung zweier Charaktere ob der fehlenden Alleinstellungsmerkmale – als das passt zwar gar nicht schlecht zum Kriegsszenario, erschwerte mir aber den Zugang zu den Figuren.
Zum Abschluss möchte ich aber noch ein paar lobende Worte an den Panini Verlag aussprechen, die Aufmachung der deutschen Ausgabe ist nämlich tatsächlich äußerst ansprechend – als Hardcover mit wertig illustriertem Einband, dazu eine Übersichtskarte der titelgebenden Operation auf der ersten und der letzten Seite und einer ausgezeichneten Druck- ebenso wie Papierqualität macht sich der dünne Band wirklich gut im Bücherregal.

Alles in allem ist „Operation Overlord“ Teil 1 ein Comic mit zweiter Weltkriegskulisse, der es durchaus schafft einem an die Nieren zu gehen, der allerdings gerade auf Seiten der Charakterisierung noch eine ordentliche Schippe drauf legen könnte.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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2 Gedanken zu “(#4) Operation Overlord Band1: Kampf um Sainte-Mère-Église

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