(#5) Pjöngjang

Die harten Fakten:

  • Titel: Pjöngjang
  • Autor: Guy Delisle
  • Zeichnungen: Guy Delisle
  • Übersetzung: Jochen Schmidt
  • Verlag: Reprodukt
  • ISBN: 978-3-938511-31-2

Lang, lang ist es her, dass ich einen Beitrag zu der spannenden Reihe „Comics sind mehr als Bilderbücher für Kinder“ verfasst habe. Eigentlich sollte das ganze Projekt, welches von DerStigler ins Leben gerufen wurde, zeitlich begrenzt und schon längst vorüber sein, aber nachdem ich im November einiges um die Ohren hatte und euch auch weiterhin gerne mit spannenden Beiträgen aus der Comicwelt begeistern möchte, dachte ich mir, ich pfeiff einfach mal auf die zeitliche Limitierung und führe die Reihe weiter. Als ersten Comic im neuen Jahr habe ich mir eine besondere Perle ausgesucht, stellt der Comic „Pjöngjang“ doch einen ganz außergewöhnlichen Reisebericht dar.


Der Comiczeichner Guy Delisle wird von seiner Firma nach Nordkorea in die Stadt Pjöngjang geschickt, um dort die Arbeiten eines Trickfilmstudios zu überprüfen. Und seine Erfahrungen mit Land und Leuten scheinen noch sonderbarer, als er es sich je hätte vorstellen können: kaum einen Schritt darf er ohne seinen Dolmetscher tun, es gibt lediglich zwei Hotels in denen Ausländer aufgenommen werden und die organisierten Besichtigungen scheinen irgendwie verdächtig gestellt.


Wie man es sich vielleicht schon denken kann, haderte Delisle lange Zeit mit sich, ob er sein Projekt eines Reiseberichts in Comicform über jene Abenteuer, die er in dem wohl am besten abgeschirmten Land der Welt erlebt hatte, auch tatsächlich umsetzen sollte – immerhin hatte er eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben. Aber das Schicksal war ihm hold, die Firma stellte ihren Betrieb ein und nachdem er sich wieder auf sicherem kanadischen Boden befand, begann er damit seine Erlebnisse niederzuschreiben.

Diese dargestellte Odyssee bietet dem Leser einen sehr persönlichen Einblick in die Gefühlswelt des Autors. Da Delisle nicht den Anspruch erhebt eine unparteiische Reportage zu präsentieren, stehen alltägliche kleine bis große Entdeckungen durch die Augen eines Ausländers im Fokus. Wie läuft der Arbeitsalltag eines Ausländers in diesem Land ab, wie amüsiert man sich abends, wie sehr kann man überhaupt tatsächlich in Kontakt mit Land und Leuten kommen? All das sind Fragen, die Delisle zwar nicht abschließend beantwortet, die er sich jedoch selber während seines Aufenthaltes immer wieder gestellt hat.

Der Zeichenstil ist dabei herrlich unaufgeregt und simpel gehalten, was die scheinbare Weltfremdheit der teils skurrilen Szenen noch unterstreicht. Wenige oder großflächige Schattierungen, die Zeichnungen im Karikatur-Stil gehalten, klare breite Striche, wenige Details, all das scheint in starkem Kontrast zu der eigentlich beklemmenden Situation zu stehen, verpasst dem Werk aber die nötige Leichtigkeit – so kann man als Leser auch mal lachend den Kopf schütteln, anstatt sich auf selbigen schlagen zu wollen.

Alles in allem stellt „Pjöngjang“ einen äußerst unterhaltsamen Streifzug durch eine Stadt dar, die wahrscheinlich kaum einer von uns jemals live zu Gesicht bekommen wird. Auf jeden Fall eine Empfehlung für all jene, die einmal in diese fremde Welt hineinschnuppern möchten.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

8 Kommentare zu „(#5) Pjöngjang

Gib deinen ab

    1. Ja, ich hab mir dann einfach gedacht, ich mach da gleich eine fixe Reihe draus weil ich hab noch so viel coole Comics, die ich gern rezensieren will und die sich aber in den kurzen Zeit einfach nicht ausgegangen sind😉. Auf deine weiteren Beiträge bin ich auch schon sehr gespannt 😊

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      1. Ja, ich hatte es auch anders geplant. Ich wollte eigentlich von Anfang an nur zwei Beiträge machen, hab mich dann aber für vier entschieden, nur leider nicht mit den eigentlich geplanten angefangen, die nun immer noch offen sind.

        Gefällt 1 Person

      2. Wie gesagt, ich hab jetzt beschlossen überhaupt eine fixe Kategorie daraus zum machen, so hab ich gleich eine geeignete Kategorie die von mir gelesenen Comicbücher zu präsentieren und wenn ich bei dir oder dem Patrick was passendes zu dem Thema finde, kann ich das sehr gerne künftig auch weiterhin in meinen Einführungsbeitrag aufnehmen 😉

        Gefällt 1 Person

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