„Alita: Battle Angel“ – Ghost in the Shell trifft auf Rollerball

Hallo zusammen,

mal ein paar Worte vorweg: Alita zählt zu jenen Kultmangas, die sich noch auf meinen Stapel der Schande befinden und nachdem ich auch den Anime noch nicht gesehen habe, betrat ich vollkommen unbeschwert den Kinosaal. Natürlich hatten die erschreckend großen Augen aus dem Trailer auch bei mir für eine vorzeitige Irritation gesorgt, aber dennoch hatte ich rein storytechnisch kaum Erwartungen an den Film. Weshalb sich trotz der vielen bekannten Motive ein solider dystopischer Science-Fiction-Kracher hinter dieser Adaption verbirgt, erfahrt ihr nach einer kurzen Zusammenfassung der Handlung.


Wir schreiben das Jahr 2563: Eines Tages findet der Chirurg Doktor Dyson Ido bei seinem alltäglichen Streifzug über den Schrottplatz einen Cyborg-Kopf, in dem ein noch funktionierendes Gehirn steckt. Nach dem Erwachen kann sich die junge Dame allerdings an absolut nichts mehr erinnern, nicht einmal an ihren Namen, weshalb die Unbekannte kurzerhand vom Doktor Alita genannt wird. Schnell muss Alita feststellen, dass in dieser Welt, in der die Reichen in einer schwebenden Stadt am Himmel wohnen und die Armen auf dem Erdboden für sich schuften lassen, Worte wie Gerechtigkeit und Freiheit nichts weiter als leere Hüllen sind. Doch kann Alita etwas gegen diese Tyrannei unternehmen und was hat es mit den sonderbaren Kampffertigkeiten auf sich, die sie immer wieder in brenzligen Situationen plötzlich an den Tag legt?


Wie bereist in der Überschrift angedeutet, stellt sich bei jemandem, der dem Science-Fiction-Genre gegenüber nicht abgeneigt ist, sehr schnell ein Gefühl des Wiedererkennens ein, selbst wenn man die eigentlich Vorlage zu dem Film gar nicht kennt.
Als erstes fällt einem natürlich gleich mal die vordergründigste Quelle der Inspiration für den Autor auf – Ghost in the Shell. Auch wenn die Handlung eine andere ist, so ist das Konzept eines menschlichen Gehirns in einem ansonsten komplett mechanischen Körper doch verdächtig ähnlich. Gut, macht ja auch nichts, immerhin ist dieses Konzept, gepaart mit dem Rattenschwanz an tiefgreifenden Frage das Wesen der Menschlichkeit an und für sich betreffend, im Science-Fiction-Genre beinahe schon so beliebt, wie der wortkarge Revolverheld im Western-Genre.
Aber dann drängt sich auch schon die nächste Inspirationsquelle wie Elefanten vor das innere Auge – hier mal ein kurzes Quiz für alle zum mit raten: ein sehr brutales Spiel, welches zur Belustigung der Massen eingeführt wurde und wo man mit Rollschuhen in einer Arena ums nackte Überleben kämpft – na, wer weiß was ich meine? Sollten euch jetzt noch nicht die Schuppen von den Augen gefallen sein, habt ihr wahrscheinlich nie den Film „Rollerball“ aus den 70ern oder sein Remake aus den frühen 2000ern gesehen. Denn man mag es kaum glauben, dort geht es um eine dystopische Zukunftsversion, in der es keine Staaten sondern nur mehr Konzerne gibt, die jeweils eine große Stadt verwalten und dort das unterdrückte Volk mit Hilfe von dem brutalen Spiel Rollerball bei Laune halten – das Motto „Brot und Spiele“ hat immerhin schon bei den Römern geklappt.
Das wirklich faszinierende ist allerdings, dass man als Zuschauer, trotz all dieser auffälligen Ähnlichkeiten, die sicher bloßer Zufall sind, trotz etwas zu überstrapazierten Expositionen um in die Welt einzuführen und trotz eingestreuter Liebesgeschichte, tatsächlich seinen Spaß mit dem Film hat. Die Effekte sind wirklich schön anzuschauen, die Augen wurden dankenswerter Weise noch ein wenig nachkorrigiert und fügen sich so recht stimmig in das Charakterdesign ein und die Figuren bekommen genügen Zeit, Momente und Hintergrundgeschichte, so dass einem ihr Schicksal zumindest nicht egal ist.
Einziger Minuspunkt ist das allzu offene Ende, dass einem großen roten Pfeil gleicht, der in Richtung Fortsetzung weist – allerdings muss ich gestehen, dass ich mir im Nachhinein gar nicht mehr so sicher bin, ob dies wirklich ein Minuspunkt ist, denn so wurde wenigstens nicht versucht, die umfangreiche Handlung in einen einzigen Film zu quetschen…befriedigend wirkt das Ende aber trotzdem nicht.

Alles in allem ist „Alita: Battle Angel“ ein grundsolider Mix aus Action, Dystopie und Science Fiction mit ein bisschen Liebesgeschichte garniert, dessen Ideen zwar teilweise aufgewärmt wirken, der aber dank der guten Mischung einen unterhaltsamen Abend bietet.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

Die harten Fakten:

  • Titel: Alita: Battle Angel
  • Originaltitel: –
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Laufzeit: 122 Minuten
  • Regie: Robert Rodriguez
  • Darsteller: Christoph Waltz, Rosa Salazar, Keean Johnson, Mahershala Ali, Ed Skrein
  • Produktionsland: USA
  • Distributor: 20th Century Fox

8 Kommentare zu „„Alita: Battle Angel“ – Ghost in the Shell trifft auf Rollerball

Gib deinen ab

  1. Leider war mir das Schicksal der Charaktere doch trotz allem egal … ich weiß, das ist hart das zu sagen, aber für mich hat das schnelle Abfeuern der Handlung und CGI-Feuerwerk etwas die Charakterentwicklung erdrückt. Alita bleibt so eigentlich fast der einzige nennenswerte Charakter. Vielleicht bin ich auch nicht mehr für das Action-Blockbuster-Kino geschaffen, aber der Film konnte mich nicht so recht begeistern. Zwar habe ich mich unterhalten gefühlt, aber mehr auch nicht. Ich würde sogar soweit gehen, dass wir in ein paar Monaten gar nicht mehr an den Film denken und alle in ca einem Jahr sagen „Erinnert ihr euch noch was die bei Alita mit den Augen veranstaltet haben?“
    Zwar habe ich den Manga nur bis ca Band 3 gelesen, aber da ging mir das Geschehen wesentlich näher und es wirkte etwas edgier.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich muss sagen, dass ich deine Einschätzung durchaus teile…ich denke auch, dass der Film in einem Jahr wohl von zum größten Teil in Vergessenheit geraten sein wird. Allerdings konnte die zusammengekürzte Handlung bei mir dennoch genügend Neugier wecken, dass ich auf eine zweiten Teil gespannt wäre 😉.

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  2. War ähnlich positiv überrascht wie du – ebenfalls ohne begeistert zu sein. Den Anime habe ich mir aber danach auf die Watchlist gesetzt.
    Interessant, dass du all die Themen anreißt, die der Film hätte beackern können – ohne dass er das aber auch tut. Oder sehe ich das falsch?

    Gefällt 1 Person

    1. Nein, nein, das siehst du schon richtig…ich hab beim schreiben einfach immer wieder gemerkt, wie viel Potenzial hinter dem Projekt gesteckt hätte und wie viele Themen er anschneidet,ohne sie eben jemals wirklich zu auszuführen oder auf sie einzugehen. Insofern war ich zwar eher enttäuscht, aber ein Reinfall war der Film, wie du richtig sagst, auf keinen Fall…allein schon mal deswegen nicht, weil man am Ende eigentlich wirklich gerne sehen würde, wie es weitergeht

      Gefällt 1 Person

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