*Extrablatt* – Diagonale’19: Mittwoch 20.3. – Ein Tag im Zeichen des Spielfilms

Hallo zusammen,

der erste richtige Festivaltag stand für mich ganz im Zeichen der Orientierung und des Spielfilms. Gleich drei Werke habe ich begutachtet, die unterschiedlicher kaum hätten sein können.

Um 11 Uhr ging es schon los mit „Der Trafikant“, der Verfilmung des gleichnamigen, vielbeachteten Romans von Robert Seethaler. Auch wenn ich über den Roman per se, aufgrund fehlender Lektüre, nichts sagen kann, so fand ich den Film äußerst interessant, wenn auch nicht fehlerlos. Speziell Bruno Ganz als Sigmund Freud war, nach seinem kürzlichem Ableben, ein ebenso genüssliches wie schmerzliches Erlebnis. Wie bei allen Spielfilmen, die ich im Zuge der Diagonale sichten werde, folgt meine ausführliche Rezension zu dem Film in Bälde. Ein ganz besonderes Schmankerl stellte für die Zuschauer das anschließenden Publikumsgespräch mit Regisseur Nikolaus Leytner, Hauptdarsteller Simon Morzé sowie den Produzenten des Films dar. Hier kam die bereits langjährige berufliche Beziehung zwischen Regisseur und Hauptdarsteller ans Licht und wurde näher beleuchtet, immerhin traf das Duo das erste Mal aufeinander, als Simon Morzé gerade einmal 9 Jahre zählte. Aber natürlich wurden auch einige interessante Informationen zum Dreh ganz allgemein, zum Prozess der Adaptierung des Buches ebenso wie zu dem in Österreich immer schwierigen Thema der Finanzierung vermittelt.

Das Ende der Unterhaltung konnte ich dann aber leider nicht mehr miterleben, denn es hieß das Ticket für die nächste Vorstellung abholen, bevor meine Reservierung verfallen wäre. Also hin zum Schalter und ab in „Die Wunderübung“; ebenfalls eine Buchverfilmung, allerdings eines gänzlichen anderen Genres, was sich als Wohltat für mein aufgewühltes Selbst entpuppte. Denn nach der dramatischen und schweren Kost als Einstieg, war so ein kleiner, leichtverdaulicher Happen als Zwischengang genau das Richtige. Hier habe ich die Vorlage gelesen, die eigentlich zunächst ein Theaterstück war und dann als Buch veröffentlicht wurde. Mit diesem Wissen kann ich nur meinen Hut ziehen, denn den Machern ist hier tatsächlich eine außergewöhnlich gute Adaption gelungen, die meiner Meinung nach das Buch, aufgrund einiger Additionen, sogar noch übertrifft. Das Kammerspiel rund um ein Paar in der Krise und ihren Therapeuten bietet diese herrliche Gratwanderung zwischen Tragödie und Komödie, diesen bitterbösen Humor, der das österreichische Kino seit Jahrzehnten prägt. Auch hier gab es im Anschluss ein Publikumsgespräch mit dem Regisseur Michael Kreihsl und der Hauptdarstellerin Aglaia Szyszkowitz. Und auch hier waren die Einblicke in die Dreharbeiten ebenso wie die Anekdoten aus der gemeinsamen Zusammenarbeit und die Schilderungen der Herausforderungen, die mit der Adaption einhergingen, besonders spannend und unterhaltsam.

Danach war erst mal eine kleine Pause angesagt. Mit einem Snack ausgestattet, genoss ich die milden Sonnenstrahlen des Nachmittags mitten in der Innenstadt vor dem historischen Schubertkino, in dem ich um 17.30 Uhr einen Film von Rainer Werner Fassbinder namens „Querelle“ sichten durfte. Dieser lief außerhalb des Wettbewerbs im Zuge des diesjährigen Specials „Zur Person: Hanno Pöschl“. Da der Film zusätzlich unter dem Motto „Diagonale im Dialog“ stand, konnte sich das Publikum auf das anschließende Gespräch zwischen dem ehemaligen Schauspieler Hanno Pöschl und dem Autor und Journalisten Claus Philipp freuen. „Querelle“ selber war in meinen Augen ein Koloss von einem Werk, schwer verdaulich, noch schwerer zugänglich und erst recht schwer zu verstehen. Fassbinder deutet lediglich an, bietet dem Zuschauer lediglich Szenen und produzierte einen Streifen, den man wohl eher als Kunst-, denn als Spielfilm betrachten sollte – auch wenn sich mir, ehrlich gesagt, stellenweise der Gedanke aufdrängte „Ist das Kunst oder kann das weg“. Auch das anschließende Gespräch wollte zunächst nicht so recht in die Gänge kommen, zum Glück besann sich Herr Philipp nach kurzer Zeit und vermied das Stellen von Suggestivfragen, wodurch Hanno Pöschl in einen natürlicher wirkenden Erzählfluss fand. Sehr zur Freude des Publikums, denn Herrn Pöschls Leben kann durchaus als ebenso vielseitig wie spannende angesehen werden und wäre wahrscheinlich sogar eine Verfilmung wert – der Kneipenwirt, der von seinen etlichen Erlebnissen in dutzenden Berufen berichtet, würde zumindest die Wiener Seele wohl besonders ansprechen.

Und so endete ein ereignisreicher erster Tag bei der Diagonale’19 mit einem Kopf voller Eindrücke und einem Besuch beim Schachtelwirt, bevor es mit einem wohligen Gefühl ab ins Bett ging.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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