*Extrablatt* – Diagonale’19: Donnerstag 21.3. – Film einmal anders

Hallo zusammen,

der Donnerstag stand für mich ganz im Zeichen der Experimentierfreude und Andersartigkeit, denn ich habe mich nicht nur in den virtuellen Raum, sondern auch in den experimentellen begeben. Als jemand, der sich ansonsten eher auf der klassischeren Seite der Filmlandschaft bewegt, finde ich es jedes Jahr auf’s neue besonders spannend, mich während der Diagonale auch mit jenen Filmen auseinanderzusetzen, welche die Grenzen des Mediums auszuloten versuchen beziehungsweise sich einfach gar keine Grenzen setzen lassen. Daher hat es mich besonders gefreut, dass es auch heuer wieder einen VR-Schwerpunkt (= virtuelle Realität) gibt und dieser sogar ausgebaut wurde. Ganze sieben Projekte kann man, dank des zur Verfügung gestellten benötigten Equipments, im designforum Graz zur Zeit bewundern – drei davon habe ich mir angeschaut.

Der erste war „Wiener Staatsoper VR – beyond the Scenes“ von Junge Römer – ein Film, der dem geneigten Zuschauer genau das bietet, was der Titel verspricht: einen Blick hinter die Kulissen der Wiener Staatsoper. Auf seinen Stationen wird dem stillen Beobachter dabei eine Tänzer zur Seite gestellt, der zu den Klängen einer Violine die prunkvollen Räume beseelt.

Danach wurde es mit „tx-mirror und tx-reverse (360°)“ von Virgil Widrich und Martin Reinhart schon etwas surrealer. Während man zu Beginn scheinbar als normaler Besucher in einem Theater sitzt, wird einem nur allzu schnell bewusst, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Plötzlich richten sich alle Augen auf einen, die Szenerie beginnt, unterstützt von stetig anschwellender Musik, immer mehr zu verschwimmen, zu zerlaufen, bis nur mehr farbige Linien das Geschehen bestimmen. Immer weiter dreht man sich hinab in einen Strudel aus Farben und Klängen, bis alles zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt.

Die letzte und umfangreichste VR-Produktion des Tages war „Inside Lieutenant Gustl – Virtuelle Theatererfahrung in Progress“ von Sebastian Brauneis. Diese Adaption der Geschichte von Arthur Schnitzler stellte das Highlight meiner gestrigen VR-Erfahrung dar. Die Inszenierung spielt auf äußerst gekonnte Weise mit den Möglichkeiten des dreidimensionalen Raums, ohne dabei den unerfahrenen Zuschauer zu überfordern. Als Beobachter, der sich nie ganz sicher sein kann, ob er von den in das Geschehen projizierten Darstellern wahrgenommen wird oder nicht, durchlebt man die inneren Qualen des jungen Lieutenants auf eine ebenso künstlerische wie immersive Art und Weise.

Nach all diesen starken Eindrücken war es erst mal Zeit für einen Spaziergang in der wärmenden Sonne, der mich aber geradewegs zum Kunsthaus geführt hat, wo ich mich im Presse-Sichtungsbereich den Experimentalfilmen, welche bei der Diagonale unter dem Titel „Innovatives Kino“ zu sehen sind, gewidmet habe. Hier war sowohl die Auswahl als auch die Ausgestaltung dieses Jahr besonders groß und vielseitig. Von Musikvideos über Plastelin-Vampire bis hin zu einer Frau, die 552 mal das Wort „Hure“sagt, war alles vertreten, was sich in keinen Schublade zwängen lässt. Neben all den Kurzfilmen, die ich mir an jenem Nachmittag zu Gemüte geführt habe, fand sich im Programm auch ein Langfilm mit über eineinhalb Stunden Laufzeit, der den Titel „Rihaction“ trägt. Zu diesem Langfilm möchte ich gerne weiter unten ein paar Worte verlieren, während ich die Kurzfilme, aufgrund der gesichteten Menge, lediglich aufzählen und die meiner Meinung nach besonderen Perlen fett kennzeichnen werde.

Von mir gesichtete Kurzfilme aus dem Programm „Innovatives Kino“:

⇒ Soap&Skin – Italy & (This is) Water von Ioan Gavriel, Anja Plaschg

⇒ DIVES – Waiting von Kevin Pham

⇒ A Week with Azar von Tara Najd Ahmadi

⇒ The Woman who turned into a Castle von Kathrin Steinbacher

⇒ Notes of Noise 01 Hoffmann’s Hymn von Norbert Pfaffenbichler

⇒ Elektro Guzzi – MINEY MICK von Lisa Kortschak, Gregor Mahnert

⇒ Apfelmus von Alexander Gratzer

⇒ Hure x 552 von Anatol Bogendorfer

⇒ Fallen von Klaus Schuster

⇒ Where do we go von Siegfried A. Fruhauf

⇒ Muybridge’s Disobedient Horses von Anna Vasof

⇒ Cavalcade von Johann Lurf

⇒ Rising von Stefan-Manuel Eggenweber

⇒ Armageddon von Kurdwin Ayub

 

„Rihaction“ von Neil Young:

© Youtube

Jedem, der sich schon einmal in den Sozialen Netzwerken herumgetrieben hat, wird der Begriff „viral“ sicher etwas sagen. Es handelt sich dabei zumeist um Videos, die es schaffen, ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und eine Unmenge an Klicks zu generieren. Zu einem solchen viralen Video wurde auch der Auftritt des Schauspielers Tom Holland bei einer Show namens „Lip Sync Battle“. Mit seiner Performance zu Rihannas „Umbrella“ löste der junge Mime einen regelrechten Internet-Hype aus – die Konsequenz war absehbar: tausende sogenannte „Reaction-Videos“ überfluteten das Netz. Was nun die Faszination ausmacht, jemand anderem bei der vermeintlich ersten Sichtung eines Videos zuzuschauen, erschließt sich mir nach der Sichtung von „Rihaction“ genauso wenig wie davor. Allerdings bietet der Film, trotz oder vielleicht gerade wegen seiner vermeintlichen Repetition, einen ebenso schonungslosen wie vielschichtigen Blick auf eine Gesellschaft, die sich in den weiten des Netzes scheinbar verloren hat. Außerdem wird einem vor Augen geführt, wie individuell Wahrnehmung ist. Auch wenn die Sichtung des gesamten Werkes einiges an Sitzfleisch von seinem Zuschauer fordert, würde ich somit dennoch zumindest ein Hineinschauen empfehlen.

Mit einem gemütlichen Essen in Gesellschaft von Freunden ließ ich dann den Donnerstag ausklingen und fiel anschließend erneut mit einem wohligen Gefühl ins Bett.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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