Der Marvel-Monat: Der unglaubliche Hulk

Header Image: © Marvel; Disney

Hallo zusammen,

wie gestern bereits angekündigt, befassen wir uns heute mit jenem Film des MCU, der gerne einmal, auch von den zuständigen Köpfen bei Marvel, in eine dunkle unbeleuchtete Ecke des Universums verbannt wird. Doch obwohl der Film eindeutig zu den schwächeren Beiträgen des Franchise zählt, scheint mir die teils äußerst harsche Kritik doch nicht so ganz gerechtfertigt und der eigentliche Schatten, welcher über der Produktion lag, dürfte sich wohl eher aus den begleitenden Umständen ergeben haben.

Nachdem sich der Wissenschaftler Dr. Bruce Banner nach einem Experiment mit Gammastrahlen als tickende Zeitbombe wiederfindet, die bei jeder Detonation ein instinktgesteuertes, übermenschlich starkes, grünes Wesen namens Hulk zu Tage fördert, taucht er für mehrere Jahre, vom Militär verfolgt, als unscheinbarere Arbeiter in Mittelamerika unter. Doch nach einem Vorfall in einer Getränkeabfüllfabrik, holt ihn seine Vergangenheit ein und es stellt sich die Frage, ob nicht doch ein Gegenmittel gefunden werden kann.

Wie oben bereits erwähnt, dürfte die Produktion des zweiten Films innerhalb des Marvel Cinematic Universe wahrlich kein Zuckerschlecken gewesen sein. Nachdem die Verantwortlichen auf Edward Norton als Hauptdarsteller, entgegen der Wünsche der Regisseurs Louis Leterrier, bestanden hatte, nahm das „Unheil“ seinen Lauf. Denn neben seinem Ruf als allgemein schwieriger Schauspieler, ließ sich Norton als Vertragsbedingung ein großes künstlerisches Mitspracherecht zusichern. So kam es dann auch dazu, dass er nicht nur weite Teile des Drehbuchs umschrieb, sondern teilweise auch für einzelne Szenen gleich komplett die Regie übernahm. Das sorgte verständlicherweise für Unmut bei seinen Kollegen und ein allgemein eher maues Arbeitsklima, was sich schließlich auch auf das finale Produkt übertrug. Da Marvel Studios allerdings noch weit von der heutigen Selbstsicherheit ihre Kinofilme betreffend entfernt war, immerhin war es gerade einmal ihr zweiter selbst finanzierter Langspielfilm, ließ man die teils zerstrittenen Parteien einfach weiter agieren.
So entstand ein Streifen, der viel von dem in „Iron Man“ noch so selbstverständlich wirkenden Charme vermissen ließ. Allgemein hatte man das Gefühl, dass hier eine weitaus düsterere Stimmung zu Grunde gelegt werden sollte, was mit dem tragischen Element der Figur durchaus harmonieren würde, nur leider konnten sich eingefleischte Fans des Charakters des Gedankens nicht erwehren, dass Norton die Figur des Banner ebenso wie des Hulk nicht wirklich verstanden hatte.
Trotz all dieser Kritikpunkte hat „Der unglaubliche Hulk“ aber durchaus auch einige Schauwerte zu bieten – so mimt Tim Roth meiner Meinung nach den zunächst lediglich ehrgeizigen aber dann immer größenwahnsinniger werdenden Soldaten mit dem nötigen spürbaren Spaßfaktor, um ihn unterhaltend zu gestalten und auch Liv Tyler als sehnsüchtig angeschmachtetes Objekt der Begierde hätte einen weitaus schlechteren Job machen können. Für Fans war es aber vor allem der überraschende Auftritt von Tony Stark höchstpersönlich in der End-Credit-Scene, der einen erneuten Anhaltspunkt dafür bot, dass sich diese zaghafte Knospe der filmischen Verschränkungen zu einer wunderschönen Blüte entwickeln könnte.

Alles in allem zeigt dieser Film eindrucksvoll, dass es nicht immer eine gute Idee ist, einem Hauptdarsteller zu viel kreative Macht über ein Projekt zu geben, und dass nicht jeder Schauspieler, so gut er auch sein mag, für jede Rolle geschaffen ist. Es sind vor allem diese Unstimmigkeiten hinter der Kamera, die sich am Ende auch auf den finalen Film übertragen haben, ihm aber bei weitem nicht jeglichen Unterhaltungswert austreiben konnten.


Zum Abschluss noch ein wenig Trivia:

  • Obwohl Marvel dafür bekannt ist, für ein und die selbe Rolle immer dieselben Schauspieler über die unterschiedlichen Filme hinweg zu verpflichten, stellt die Figur des Hulk eine Ausnahme von dieser Regel dar, da in späteren Filmen Mark Ruffalo die Rolle übernommen hat.
  • Regisseur Louis Leterrier hatte Ruffalo bereits als Hauptdarsteller für „Der unglaubliche Hulk“ favorisiert, allerdings bestand Marvel damals auf Edward Norton.
  • In einer der geschnittenen Szenen, die es auf die Heimkinoveröffentlichung geschafft hat, kann man einen kurzen Blick auf den im Eis eingefrorenen Captain America werfen.
  • Der Film wurde erst in „Captain America: Civil War“ weiter mit dem Franchise verwoben, indem die Russo-Brüder der Figur des Thaddeus Ross eine Rolle zuteil werden ließen.
  • Ursprünglich war der Hulk in den Comics grau, allerdings gab es damit beim finalen Colouring zu viele Probleme, weshalb man sich schließlich für grün als Hautfarbe entschied.
  • Die Kinoversion wurde in Deutschland so offensichtlich zerschnitten, um eine andere FSK-Bewertung zu bekommen, dass manche Kinos aufgrund der zahlreichen Beschwerden Freikarten austeilten.
  • Beide Stars der siebziger Jahre Serie „Der unglaubliche Hulk“ bekamen Cameos in dem Film: Bill Bixby ist in einer TV-Sendung zu sehen und Lou Ferrigno spielt einen Wachmann.
  • William Hurt orientierte sich bei seiner Darstellung des General Ross an der literarischen Figur des Captain Ahab.
  • Mit seinen unter zwei Stunden Laufzeit ist es der kürzestes Film des MCU.

Auch zu „Der unglaubliche Hulk“ gibt es natürlich noch einiges mehr an Hintergrundwissen. Wer davon nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich ⇒ HIER! drauf zu klicken, um zur IMDB Trivia Page zu gelangen.

Und das war er auch schon, der zweite Beitrag meines Specials, in dem sich alles um den zweiten Ableger des MCU drehte. Ich hoffe ihr hattet erneut Spaß dabei euch meine Gedanken zu dem betrunkenen Onkel des Franchise, den zwar niemand so recht auf der Party haben wollte, der aber trotz allem zur Familie gehört, durchzulesen.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

 

 

13 Kommentare zu „Der Marvel-Monat: Der unglaubliche Hulk

Gib deinen ab

    1. Empfinde ich auch so…deswegen fand ich es auch spannend zu erfahren, dass Ruffalo sogar bereits damals eigentlich für die Rolle angedacht war. Seitdem denk ich mir immer wieder, wie der Film wohl mit ihm in der Hauptrolle geworden wäre?!

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  1. Mir ist es gleich, wie viel kreative Freiheit ein Schauspieler hat, solange das Ergebnis stimmt und das ist hier nicht der Fall. Edward Norton ist ein fähiger Mann, aber das ist einfach schrecklich. Wäre Iron Man nicht gewesen hätte Marvel danach Konkurs anmelden können oder zumindest seine Filmpläne drastisch dämpfen müssen, sowohl künstlerisch als auch kommerziell gesehen nicht gut.

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    1. Mir ist das prinzipiell auch egal, aber hier scheint die gewährte Freiheit einer der Knackpunkte bei der Produktion gewesen zu sein und insofern fand ich das schon durchaus erwähnenswert, um vielleicht besser nachvollziehen zu können, was da eigentlich los war.

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  2. Nin hao, Mara.
    Nun könnte man/frau Edward Nortons Eigenleistungen zu ‚The Incredible Hulk‘ auch als Engagement für die Figur wie die Story besehen. Weil der Film allerdings nicht bei weitem die Erwartungen Marvels einspielte, wurde Nortons Verhalten (zwischen den Zeilen) als kontraproduktiv angesehen.
    Der Zyniker könnte anmerken, daß manchen Studiochefs Kreativität nur dann genehm ist, wenn die Dollars stimmen.
    Anmerkenswert, daß im Alles-ist-mit-allem-verbunden-MCU zwei Banner/Hulk existieren.
    Gut – es gibt auch zwei James Rhodes (auch hier spielt Geld die Rolle – auf Seiten Marvels!).
    Nicht so ganz das Image vom Sauberheld Marvel Films…

    bonté

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    1. Hallo Robert,
      nun ja, nachdem Norton allgemein als eher schwierig beschrieben wird, auch lange vor dem Hulk und außerhalb von Marvel, denke ich schon, dass an diesen Gerüchten etwas dran ist. Aber wie ich es eh auch anmerke gehören zu so einem Verhalten dann immer auch zwei, einer der es setzt und einer der es zulässt, insofern betrachte ich Marvel bei weitem nicht als unschuldig an dem doch recht mauen Ergebnis.
      Auf die zwei Rhodes komme ich dann noch in meiner Rezension zu Iron Man 2 zu sprechen…ich finde es viel spannender, dass Ruffalo eigentlich gar nicht die Notlösung war, sondern bereits von Anfang an mit im Rennen um die Rolle war.
      Liebe Grüße

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    1. Finde ich auch…gerade in Avengers hat Ruffalo gemeinsam mit Whedon dann bewiesen, wie viel aus der Figur sogar mit vergleichsweise wenig Screentime raus geholt werden kann. Da fragt man sich dann echt wie der Film wohl geworden, wenn damals bereits Ruffalo die Rolle bekommen hätte?!

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