Mein „Kino Doppel Whopper“ #5 (Escape Room; Vice)

Hallo zusammen,

nachdem ich länger keine Doppelvorstellung mehr im Kino zustande gebracht hatte, ist es mir im März gleich im zweiten Monat in Folge gelungen – ein sehr schöner Trend. Doch während bei den meisten Doppeldeckern der Vergangenheit das Niveau zwischen den gesichteten Filmen keine allzu großen Sprünge wagte, liegen die beiden Kandidaten diesmal so weit auseinander wie die Sonne und der Mond. Wie üblich fange ich mit jenem Film an, den ich mir als erstes zu Gemüte geführt habe und damit mit einem Film, der sich bereits jetzt um einen Platz in meiner Flop 10 des Jahres beworben hat – Escape Room.


© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Sie könnten kaum unterschiedlicher sein, jene sechs Personen, die sich eines Tages auf die vermeintliche Einladung ihrer Freunde und Bekannten hin in dem Wartezimmer für einen der angeblichen besten Escape Rooms der Stadt befinden. Da wäre einmal die schüchterne graue Maus, die toughe Blonde, der narzisstische Geschäftsmann, der gutmütige Normalo, der enthusiastische Nerd und der genervte Außenseiter. Eine Gruppe von Menschen, die auf den ersten Blick wohl kaum weniger gemeinsam haben könnten, doch die Frage die sich schnell stellt „Ist dem wirklich so?“. Denn allzu bald wird aus dem Spaß bitterer Ernst und die ums Überleben Kämpfenden müssen sich zwangsläufig mit der eigenen, ebenso wie mit der Vergangenheit der anderen, auseinandersetzen.

Auf dem Papier hört sich Escape Room erst mal wie eine richtig spannende Idee an. Das beliebte Gruppenerlebnis, dessen großer Hype zugegebenermaßen bereits ein bisschen abgeflacht ist, als kurzweiliges Horrorhäppchen, das sich irgendwo zwischen Saw und Cube ansiedelt, klingt zunächst nach einer aufregenden Prämisse. Und tatsächlich ist der Anfang noch ganz solide gestaltet; die unterschiedlichen Charaktere werden ausreichend charakterisiert, die Beweggründe für die Teilnahme am Spiel wirken halbwegs nachvollziehbar und die gemeinsame Realisierung, dass hier keinen Gefangenen gemacht werden, ist ganz nett gestaltet. Doch leider bemerkt man als Zuschauer allzu schnell, dass den Figuren nicht mehr als die anfängliche Charakterisierung zuteil wird. Nachdem diese allerdings kaum eine Stereotype vermissen lässt, erscheinen einem die Figuren mit fortlaufender Dauer immer deutlicher wie bloße Abziehbildchen. Dieser Eindimensionalität ist es auch geschuldet, dass einem am Ende eigentlich ziemlich egal ist, welches der wandelnden Klischees denn nun überlebt. Und vom großen Finale und der vermeintlich überraschenden Auflösung fange ich besser gar nicht erst an – hier ging auch noch das letzte bisschen an Kreativität, welche zumindest die gestalteten Räume zu Augenschmeichlern macht, verloren und wich stattdessen lieber einer ebenso unglaubwürdigen wie uninteressanten Erklärung.

Alles in allem ist Escape Room ein Film geworden, der zwar ein paar nette visuelle Ideen zu bieten hat, ansonsten aber nach nur wenigen Minuten in sich zusammenfällt und nie mit seinen allzu deutlichen Inspirationsquellen mithalten kann.


Während mich Escape Room also ziemlich enttäuscht zurückgelassen hatte, gab es nur eine kurze Erholungsphase bis ich mich in den zweiten Film des Abends begeben konnte – und während sich ersterer wohl unter meinen Flops wiederfinden wird, könnte es durchaus sein, dass sich „Vice“ unter meinen Tops wiederfinden wird.

© 2012 UNIVERSUM FILM GMBH

Eigentlich wäre er gerne Präsident geworden, auch wenn ihm das in seinen jüngeren Jahren wohl niemand zugetraut hätte. Doch dank seiner Frau bekam er die Kurve und sollte auf seinem Weg ein politisches Amt nach dem nächsten erklimmen. Zum ganz großen Wurf reichte es dann zwar leider aufgrund einiger familiärer Verstrickungen nicht, aber immerhin wird er in die amerikanische Geschichte eingehen, als mächtigster Vizepräsident aller Zeiten – die Rede ist natürlich von Dick Cheney.

Was hat man nicht alles im Vorfeld der Oscars, und auch noch danach, über diesen Film zu hören bekommen. Das einzige worin sich alle einige schienen, war die Tatsache, dass Christian Bale mal wieder eine unglaubliche Performance abgelegt habe. Und tatsächlich ist seine Verwandlung zu einem der großen Strippenzieher der USA nicht nur rein physisch beachtlich. Nachdem er sich mal wieder etliche Kilos für diese Rolle angefuttert hat, kann man als Zuschauer durchaus verstehen, weshalb er nach dieser Leistung bekannt gab, es von nun an mit den Körpertransformationen gut sein zu lassen. Doch es ist, wie bereits erwähnt, nicht nur die rein körperliche Verwandlung, die seine Darbietung zu einer großartigen werden lässt, auch die scheinbar mühelose Übernahme vieler Ticks und Angewohnheiten des realen Vorbilds lassen einen den Schauspieler hinter dem Charakter vergessen. Dass sich die Inszenierung allerdings keines einstimmigen Lobgesang erfreuen kann, verwundert ob ihrer Eigenwilligkeit kaum. Immerhin unterbricht der Vorspann nach einigen Minuten die bereits angelaufenen Geschichte, zirka in der Mitte wartet ein Fake-Ende auf einen und die Enthüllung welche Figur das Voice-Over beisteuert, ist eine weitere skurrile Entscheidung. All diese Elemente können zusammengenommen beim Zuschauer entweder voll ins Schwarze treffen oder sehr abschreckend wirken – bei mir war Ersteres der Fall. Schon lange habe ich nicht mehr so viel inszenatorische Kreativität in einem Film erleben dürfen, auch wenn manche Ideen ein wenig auf Kosten des Pacing gehen.

Alles in allem ist „Vice – Der zweite Mann“ eine außergewöhnliche Mischung aus Satire, Drama und Biopic geworden, welche die Intrigen und Machenschaften bei „House of Cards“ zahm wirken lässt und einem erneut mit Schrecken vor Augen führt, wie Politik tatsächlich gemacht wird.


Und das war er auch schon, mein Doppel Whopper im März und auch wenn das obere Patty etwas verdorben war, habe ich mich doch dank des vorzüglichen zweiten Bissen sehr über den Schmaus gefreut. Wie steht es mit euch? Habt ihr einen der beiden Filme gesehen? Oder sogar beide? Wie haben sie euch gefallen?

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

5 Kommentare zu „Mein „Kino Doppel Whopper“ #5 (Escape Room; Vice)

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