Der Marvel-Monat: Captain America

Header Image: © Marvel; Disney

Hallo zusammen,

nachdem ich wie so oft etwas getrödelt habe, kommt ihr heute in den Genuss von zwei Beiträgen den Marvel-Monat betreffend, damit sich das alles bis zum großen Stichtag am 24.4. auch schön ausgeht. Und nachdem wir uns etwas früher am Tag mit dem Asen Thor auseinandergesetzt haben, kommt jetzt jener Superheld an die Reihe, der als der erste Avenger betrachtet wird, zumindest wenn man dem Untertitel des Films glauben schenkt.

Wir schreiben die 40er Jahre, der Krieg in Europa ist in vollem Gange und in Amerika werden eifrig Truppen für den Nachschub ausgebildet. Auch der junge Steve Rogers würde nur allzu gerne für sein Land und dessen Überzeugungen kämpfen, den nötigen Mut dazu hätte er, allerdings wurde er von Mutter Natur leider mit einer eher als kümmerlich zu beschreibenden Physis ausgestattet. Nachdem er durch einen wohlwollenden Arzt doch zur Ausbildung zu gelassen wird, zieht er schnell die Aufmerksamkeit eines Wissenschaftlers namens Erskine auf sich, der an einem streng geheimen Regierungsprojekt arbeitet. Kurzerhand wird Rogers als Versuchskaninchen für ein neuartiges Serum rekrutiert, welches ihn zu einer Art Supersoldaten mit übermenschlichen Kräften mutieren lässt. Unter dem Pseudonym Captain America zieht Rogers fortan in den Krieg, um den dunklen Machenschaften ein für alle Mal ein Ende zu setzen.

Ähnlich wie Superman, stammt auch die Idee hinter Captain America aus einer gänzlich anderen Zeit. Zum ersten Mal 1941 in einem Comicheft zu bewundern, ist die Figur Ausfluss der damaligen Geschehnisse, Ängste und Hoffnungen. Als strahlender Ritter, dessen moralischer Kompass nie auch nur eine Sekunde abweicht, verkörpert er den Gegenentwurf zu all den realen Monstern, die sich damals auf der Weltbühne tummelten. Solch einen Charakter in das Jahr 2011 und ein neues Medium zu übertragen, ist ein, gelinde gesagt, recht schwieriges Unterfangen, dass Marvel meiner Meinung nach mit diesem ersten Soloabenteuer nicht wirklich gut gelungen ist. Denn die Herkunftsgeschichte dieses Helden spielt, wie oben bereits erwähnt, zu einer anderen Zeit, die wohl die wenigstens der Zuschauer tatsächlich nachempfinden können. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass dies nicht unbedingt nötig ist, um einen Film genießen zu können, immerhin war ich auch noch nie auf einem Raumschiff und finde die Star Trek Filme trotzdem sehr unterhaltsam, aber es geht auch viel weniger um das Setting, als viel mehr um das Gefühl, dass die Figur selber aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Dieser Umstand wird in den folgenden Filmen auch immer wieder adressiert, dort funktioniert es aber einerseits als Running Gag und andererseits weil sich die Figur im Laufe der Filme durchaus weiterentwickelt. In diesem ersten Soloabenteuer bleibt der Charakter allerdings aufgrund der fehlenden Reibungspunkte einfach zu eindimensional, ein typischer Gutmensch, moralisch unfehlbar, dem Militär treu ergeben und beinahe schon widerwärtig patriotisch.
Es ist wirklich schade, dass Marvel scheinbar erst einen altbackenen Helden erschaffen musste, um ihm in der Folge die nötigen Ecken und Kanten spendieren zu können, denn ansonsten hätte der Film einiges an Potenzial. Immerhin sorgt der zweite Weltkrieg als Setting zumindest für garantierte Spannung, Hugo Weaving als Bösewicht ist auch prinzipiell nie eine schlechte Wahl  und Chris Evans gibt sich sichtlich Mühe, alles aus dem dünnen Charakter herauszuholen. Dass die Kampfsequenzen dann allerdings als Montage zusammengeschnitten wurden und der finale Absturz im Eis, samt unfreiwilliger Kryogenik-Vorreiterrolle, unnötig erscheint, sind lediglich ein paar kleine Unstimmigkeiten, die das Bild weiter trüben.

Alles in allem hat auch „Captain America“ durchaus so seine Momente und bietet einige wichtige Elemente für künftige Filme des MCU aber gerade in der Rückschau hält der erste Solofilm dieses wahrhaft amerikanischen Helden leider nicht so wirklich stand.


Zum Abschluss noch ein wenig Trivia:

  • Chris Evans lehnte die Rolle dreimal ab, da er sich sorgen um sein Privatleben machte, doch schließlich konnten Robert Downey Jr., der Regisseur Joe Johnston und die Produzenten ihn davon überzeugen zuzusagen.
  • Die Szene in der Peggy Carter nach der Transformation Rogers Brust kurz berührt, stand so nicht im Skript. Die Schauspielerin Hayley Atwell war so angetan von Chris Evans Physis, dass sie diese Bewegung unterbewusst ausführte.
  • Die anfängliche „Verkleinerung“ von Chris Evans, ein Effekt der nach wie vor unglaublich realistisch wirkt, wurde sehr aufwendig mit Hilfe einer Methode namens „digital plastic surgery“ erzeugt. Ein und die selbe Szene musste dafür jeweils mindestens viermal gedreht werden.
  • Das Serum, welches Steve Rogers zu Captain America mutiert, kam im MCU bereits an anderer Stelle einmal vor – es ist dasselbe Serum, welches dem Soldaten Emil Blonsky in „Der unglaubliche Hulk“ injiziert wird, woraufhin sich dieser in das Wesen Abomination verwandelt. Auch in diesem Film zeigt das Serum eine gänzlich andere Wirkung bei einem anderen Menschen – Johann Schmidt, der oberste Hydra-Offizier verwandelt sich nach der Injektion des Serums in den Red Skull.
  • Die Wand hinter welcher der Tesserakt versteckt ist, zeigt eine Abbildung des Weltenbaums Yggdrasil, den bereits Thor im gleichnamigen Film beschreibt.
  • Ursprünglich waren Cameos von Logan aka Wolverine und Erik Lehnsherr aka Magneto geplant weil beide, der eine als Soldat, der andere als Gefangener, im zweiten Weltkrieg waren, da allerdings die filmischen Rechte an beiden Figuren bei 20th Century Fox lagen, wurden die Szenen kurzerhand verworfen.
  • Captain America ist lediglich im Filmuniversum der „erste“ Avenger – in den Comics tritt er der Gruppe erst bei, als Hulk diese verlässt.
  • Captain Americas Schild ist in den Comics eine Mischung aus Vibranium und Adamantium – da es allerdings auch hier rechtliche Probleme mit 20th Century Fox gab, da Adamantium vor allem im X-Men Universum zu finden ist, besteht sein Schild im Film nur aus Vibranium.
  • Hier noch ein witziger Zufall, den ich noch nicht bestätigt gefunden habe, der mir aber aufgefallen ist: Der Name der Bösewichts, gespielt von Hugo Weaving, ist Johann Schmidt, was mehr oder weniger als Übersetzung des Namens John Smith gesehen werden kann – eine von Weavings bekanntesten Rollen war jene des Bösewichts im Film „Matrix“, wo er Agent Smith hieß.

Erneut verlinke ich euch ⇒HIER die IMDB Trivia Page, für den Fall, dass ihr gerne noch weitere interessante Fakten zu dem Film aufschnappen möchtet.

Damit sind wir auch schon am Ende dieser Rezension und wie ihr vielleicht gemerkt haben dürftet, zählt der erste Captain America für mich zu den schwächsten Vertretern des Franchise, wobei ich selbst diesen Film ohne Probleme immer wieder mal anschauen kann. Freut euch schon auf morgen, denn da geht es dann mit dem ersten großen Team-Up-Movie weiter und somit beschäftigen wir uns mit dem grandiosen Finale von Phase 1.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

 

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4 Gedanken zu “Der Marvel-Monat: Captain America

  1. Ich habe den Film ja gar nicht mal soo schlecht in Erinnerung, aber muss ehrlich gestehen, dass ich mich an fast nichts erinnere 😀 Die Tage wird er nochmal geschaut und dann kann ich mir da vielleicht nochmal eine bessere Meinung bilden, wenn nichts von einem Film hängen bleibt ist es aber auch nicht das beste Zeichen. Ich finde aber, dass es die Entwicklung von ihm in den späteren Teilen umso stärker macht, wenn man sich überlegt was für ein geradliniger Moralkompass er hier noch war und er ja im Prinzip schon die ein oder andere Wandlung um 180 Grad gemacht hat. Muss aber auch sagen. dass ich nicht gerade motiviert bin ihn mir noch einmal anzuschauen 😀

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    • Ich muss gestehen, dass mir nach der ersten Sichtung damals auch nicht so viel hängen geblieben ist, wie du richtig sagst, kein gutes Zeichen, aber nach inzwischen mehreren Sichtungen zählt er als Einzelfilm betrachtet nach wie vor für mich zu den schwächsten Vertretern des MCU. Dafür legt Captain America in den folgenden Teilen eine der spannendsten Entwicklung hin und wie du sagst, dass muss man natürlich auch dem Film zu Gute halten, der die Figur eingeführt hat 😉.

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