Letztens auf…Netflix: Polar

Hallo zusammen,

meine Sichtung dieses Netflix-Originals mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle liegt inzwischen schon so weit zurück, dass ich den Film beinahe zu meinen Rezensionsleichen in den Keller gelegt hätte, aber nachdem mein relativ neues Format ja auch mal wieder bedient werden soll, habe ich mich doch dazu entschlossen den Streifen in Form einer klassischen Rezension hier auf meinem Blog zu präsentieren.

Duncan Vizla ist einer der besten und gefährlichsten Männer seiner Branche – kein Wunder also, dass er in der Unterwelt unter dem Namen „Black Kaiser“ bekannt ist. Doch mit knapp 50 Jahren geht einem das Töten bei Weitem nicht mehr so leicht von der Hand wie früher einmal, immer öfter plagen einen nicht nur die Gelenke, sondern auch Schuldgefühle. Da kommt die verordnete Zwangspension des Arbeitgebers gerade recht – blöd nur, dass dieser, von Geldsorgen geplagt, gar nicht vor hat die hart verdiente Rente von immerhin acht Millionen Dollar auszuzahlen. Wie in solchen Kreisen üblich, wird daher schnell mal ein Killertrupp losgeschickt, um das Problem zu beseitigen, doch eines ist klar, so einfach gibt sich Duncan nicht geschlagen.

Die Geschichte hört sich, nach dieser Zusammenfassung, eigentlich nach einem ziemlich generischen Rezept an, das mit allerlei bekannten Zutaten zu einem mehr oder weniger schmackhaften Brei vermischt wurde. Und tatsächlich finden sich viele altgediente Elemente des Action-/Auftragskiller-Genres wieder – der grimmig dreinschauende Einzelgänger, der sich den Ruf eines scheinbar unbesiegbaren Schwarzen Mannes erarbeitet hat, die inneren Dämonen, die sich in massiven Schuldgefühlen äußern, die Rebellion gegen das System beziehungsweise den früheren Arbeitgeber und natürlich jede Menge Kugeln, Blut und Gewalt. Das alles kennt man schon, das alles hat man schon einmal gesehen. Sogar der durchaus nett anzusehende Style wirkt wie eine wilde Mixtur und ein billiger Abklatsch von Filme wie Watchmen, 300 und Sin City – was bei ein wenig Recherche allerdings kaum verwundert, da es sich bei diesem Film ebenso wie bei den aufgezählten Beispielen um Verfilmungen von Graphic Novels handelt.
Was den Film allerdings vor der absoluten Belanglosigkeit bewahrt, ist die Performance von Mads Mikkelsen. Der Mann, der vor einigen Jahren sogar wagte in die großen Fußstapfen von Sir Anthony Hopkins zu treten und mit seinem Porträt des Psychopathen Hannibal Lecter eine fulminante Darbietung hinlegte, stellt auch hier eines des großen Highlights des Films dar. Weiters möchte ich an dieser Stelle die Leistung von Matt Lucas lobend hervorheben, den die meisten wohl von der britischen Kultserie „Little Britain“ kennen dürften. Der von ihm verkörperte Bösewicht ist mit so einem herrlichen Hang zum Übertriebenen gespielt, dass es eine wahre Freude ist dabei zuzusehen, wie Lucas sämtliche Ketten sprengt. Es ist allerdings genau diese Performance, die eine der größten Schwachstellen des Films allzu offenlegt, denn es gelingt den Machern einfach nicht eine stimmige Tonalität aufzubauen. Auf der einen Seite möchte der Film knallharter Actionthriller sein, auf der anderen dann wieder eher Actiondrama und an mancher Stelle mutiert er dann plötzlich zum over the top comichaften Schnetzelfest.

Alles in allem ist „Polar“ ein Film, der sowohl auf narrativer als auch auf visueller Ebene nicht viel neues zu bieten hat, sich offensichtlich nicht entscheiden kann, welche Art von Film er sein will, und einzig von den soliden bis großartigen Darbietungen der gut aufgelegten Schauspieler vor der absoluten Mittelmäßigkeit bewahrt werden kann.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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10 Gedanken zu “Letztens auf…Netflix: Polar

  1. Für mich ein ganz, ganz schwacher Film – eben wie du schon schreibst deshalb, weil er keinen einheitlichen Ton findet. Die tristen Mikkelsen-Sequenzen wechseln sich mit dem bunten Killerkommando ab – das passt leider so gar nicht zusammen. Und Matt Lucas fand ich leider auch völlig deplatziert…

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  2. Der Film kommt nahe an das Adjektiv Müll heran, von dem Ma-Go behauptet, es sei kein Adjektiv.
    Gerade in dem Genre gibt es so viel bessere Konkurrenz (und die ist größtenteils schon nur Durchschnitt). Smokin‘ Aces und Shoot ‚Em Up als zwei der Vorreiter genannt, die selbst nur auf der von Lucky # Slevin, Tarantino und Guy Ritchie losgetretenen Welle mitsurfen.

    Constantin wird schon wissen, warum sie diesen Schund und Abklatsch in einem nicht ins Kino gebracht, sondern direkt an Netflix verscherbelt haben.

    Aber viel wichtiger: wo bleibt das Quiz?

    Gefällt 1 Person

    • Das find ich jetzt zwar ein bissal hart (und was die Sache mit dem Adjektiv betrifft muss ich mich leider auch auf die Seite von Ma-Go schlagen 😉 ) aber du hast schon recht, man kann durchaus nachvollziehen warum es am Ende „nur“ ein Netflix-Film wurde.

      Keine Panik auf der Titanic…ist alles schon voll in Planung 😉

      Gefällt 1 Person

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