Querelle – Blickst du lange genug in einen Abgrund…

Hallo zusammen,

die Diagonale liegt zwar schon eine Zeit zurück, dennoch bin ich euch noch ein paar Rezensionen zu dort gesichteten Filmen schuldig. Den Anfang möchte ich heute mit dem Film „Querelle“ von Rainer Werner Fassbinder machen, welcher aufgrund des Specials „Zur Person: Hanno Pöschl“ gezeigt wurde. Wie manche von euch vielleicht wissen, war „Querelle“ der letzte Film des kontroversen deutschen Filmemachers und meine erste Berührung mit seinem Werk.

Der Matrose Querelle legt eines Tages mit dem Schiff im Hafen der Stadt Brest an. Im dortigen Bordell trifft er zufällig auf seinen entfremdeten Bruder, eine Begegnung, welche mehrere folgenschwere Ereignisse in Gang setzt und am Ende in einer Tragödie gipfelt.

Kennt ihr diese Filme, bei denen sich einem unweigerlich der Gedanke aufdrängt „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Zu meinem Bedauern muss ich gestehen, dass es mir bei der Sichtung dieses späten Vertreters des „Neuen deutschen Films“ so erging. Wobei ich mich eigentlich schlecht ausgedrückt habe, ich zweifle nämlich weniger daran, ob diese äußerst eigenwillige Adaption eines Romans tatsächlich als Kunst durchgeht, sondern viel mehr daran, ob es sich hier um einen guten Film handelt.
Das künstlerische Element kann man dem Werk nämlich eigentlich auf gar keinen Fall absprechen, dafür sind die Kulissen zu einzigartig, die Szenen zu surreal und die Dialoge zu sperrig – alles so gewollt, wohl gemerkt. Dennoch kommt man nicht umhin, trotz all der kreativen Ideen und außergewöhnlichen visuellen Eindrücke, eine kohärente Narrative sowie ausgearbeitete Charaktere schmerzlich zu vermissen.
Ganz allgemein schreibt Fassbinder hier das Wort „Kohärenz“ ziemlich klein, denn während sich phasenweise so etwas wie ein Erzählfluss ergeben würde, wird dieser allzu oft durch wahllos eingestreute, scheinbar unzusammenhängende Szenen unterbrochen. Durch diese Szenen wird ein weiterer Irritationspunkt aufgedeckt: während einen die symbolhafte Bildsprache in manchen Einstellung beinahe zu erschlagen droht und man sich händeringend wünscht, der gewählte Zaunpfahl wäre doch etwas subtiler gewesen, scheinen andere Szenen von einer Symbolhaftigkeit getragen, die lediglich als Selbstzweck dient, da sie vollkommen von der Handlung losgelöst wirkt – man wird einfach das Gefühl nicht los, dass Fassbinder halt gerne auch noch diese Message im Film haben wollte, ob das nun stimmig ist oder nicht.

So ähnelt „Querelle“ einem Fiebertraum, nach dessen Ende man sich erschlagen und überwältigt fühlt, der einen noch nachhaltig beschäftigt, zu dem man aber nie wieder zurückkehren möchte.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

 

19 Kommentare zu „Querelle – Blickst du lange genug in einen Abgrund…

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    1. Ich muss ja sagen, dass ich den Begriff „geklaut“ wirklich nicht schön finde, da man wohl kaum behaupten kann, dass in unseren Zeiten nicht jeder Künstler von irgendwelchen Dingen inspiriert wurde, die Wachowskis machten ja zB nie einen Hehl daraus, dass sie sich für den ersten Matrix Teil auch sehr stark von Animes inspirieren ließen

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      1. Wie gesagt, sobald man sich in einem gewissen Genre bewegt, könnte man fast alles was nach den Erstlingswerken erschien als „Kopie“ bezeichnen 😉

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  1. Vieles aus Fassbinders Werk ist schon recht sperrig und fordert dem Zuschauer schon so einiges ab. Aber Filme wie „Angst essen Seele auf“ oder „Lilli Marleen“ sind durchaus sehenswert. Der Mensch Fassbinder war halt in jeder Hinsicht recht speziell 😊

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    1. Wie gesagt, das war der erste Film, den ich von ihm gesehen hab…werd mir aber auf jeden Fall noch Angst essen Seele auf anschauen…der steht nämlich eh schon länger auf meiner Liste 😉

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