Ein Kommentar – Warum „Avengers: Endgame“ nur auf diese Weise enden konnte

Hallo zusammen,

normalerweise gebe ich ja nur selten meinen Senf zu im Internet laufenden Diskussionen ab, aber da offensichtlich wirklich viele Leute ein ganz spezielles Problem mit dem Ende von „Avengers: Endgame“ haben, das ich einfach nicht nachvollziehen kann, musste ich nun doch einen kleinen Kommentar dazu verfassen. Da ich nicht über das Thema sprechen kann, ohne die Handlung massiv zu spoilern, kommt hier die obligatorische SPOILERWARNUNG. Nachdem das geklärt wäre, gehen wir mal in medias res…

Was ich so mitbekommen habe, stören sich gerade eine Menge Leute daran, dass Tony Stark am Ende die Infinity Steine einsetzen und dadurch sein Leben opfern musste, um Thanos zu besiegen. Die Fragen danach, ob es denn wirklich keinen andere Möglichkeit gegeben hätte und die Theorien darüber, wie es vielleicht doch anders klappen hätte können, waren so zahlreich, dass die Regisseur selbst bereits in einigen Interviews diesen Ausgang versucht haben zu erklären. Was meiner Meinung nach ganz schnell abgehandelt werden könnte, indem man einfach auf die Kohärenz der Geschichte hinweist.
Doch offensichtlich besteht hier schon einmal Erklärungsbedarf, denn viele der Kommentare, die ich gehört oder gelesen habe, scheinen zwei gänzlich unterschiedliche Dinge zusammenzumischen – Ja, ich kann mich als Zuschauer natürlich fragen, ob die Entscheidung Iron Man zu opfern mit Blick auf das Drehbuch nun wirklich notwendig war; ich kann also außerhalb des Films auf einer Metaebene darüber diskutieren, ob ein anderes Ende nicht vielleicht „schöner“ gewesen wäre. Etwas anderes ist es aber diese Gedanken in die erschaffene Wirklichkeit des Film zu transportieren. Lasst mich kurz erklären, was ich meine: jedes Medium, sei es nun Film, Serie oder Buch, erschafft für den Konsumenten eine eigene Welt, die zwar prinzipiell unseren real existierenden Gesetzmäßigkeiten folgen kann, dies aber nicht muss (zumindest nicht in allen Belangen); die Verantwortlichen kreieren also ein fiktives Konstrukt, in das sie einen entführen wollen. Innerhalb dieser Welt kann es natürlich zu Logiklöchern kommen, erst recht wenn das Ausgangsmaterial sehr komplex ist oder sich die Geschichte bereits sehr weit verzweigt hat, anders sieht es allerdings mit vermeintlichen Logiklöchern aus, die lediglich deswegen entstehen, weil man reale Probleme in die etablierte Welt transferiert – ein Beispiel: wenn in einem Film Drachen als existierende Spezies eingeführt werden, kann man natürlich sofort sagen „Moment mal, das ist doch Blödsinn, die gibt es gar nicht“, dieser Kritikpunkt mag zustimmen, hat aber mit der Kohärenz der geschaffenen Welt nichts am Hut. Oder nehmen wir doch einmal „Jurassic Park“ her – hier haben wir eine Welt, die der realen ziemlich ähnlich ist, mit einem großen Unterschied, Wissenschaftler haben es irgendwie geschafft Dinosaurier zu züchten – der Film stellt also eine Prämisse auf, die an der realen Welt gemessen keinen Sinn ergibt, innerhalb des Film aber keinerlei Probleme verursacht, da sie schlüssig etabliert wurde. Natürlich gibt es auch Szenarien, die so unbefriedigend erklärt oder eingeführt werden, dass man sich schwer dabei tun kann, sie einfach so zu schlucken (was meistens übrigens auf eine Logiklücke im Inneren der erdachten Welt hindeutet) aber ganz generell gilt nun einmal der Grundsatz, dass man sich auf Filme einlassen muss, denn kaum ein Kandidat der einschlägigen Genres wie Sci-Fi, Fantasy oder Action hält dem Vergleich mit der Wirklichkeit stand – was übrigens auch gar nicht notwendig ist.
Kommen wir nun also, nach all diesen allgemeinen Gedanken, wieder zu „Avengers: Endgame“. Wie gesagt, egal wie einem persönlich das Ende gefallen hat, es ist in sich schlüssig und kohärent geschrieben. Um diese Aussage zu belegen, müssen wir uns nur noch einmal „Avengers: Infinity War“ anschauen (nachdem diese beiden Filme eindeutig zusammengehören, kann man den einen eigentlich nicht ohne den anderen betrachten). In „Infinity War“ gibt es jene Szene, in der Dr. Strange der Zeit vorauseilt und sich über 14 Millionen mögliche Zukünfte anschaut, was nichts anderes bedeutet, als dass er sich aber Millionen unterschiedliche Versuche angeschaut hat, die unternommen wurden, um Thanos endgültig zu besiegen. Unter all diesen sicher äußerst unterschiedlichen Varianten hat er genau eine einzige gesehen, die zum gewünschten Ziel führt. Das ist also die Prämisse beziehungsweise das Set Up für diesen Handlungsstrang. Wie gesagt, man kann nun auf einer Metaebene ansetzen und damit anfangen, dass es keine Zauberer gibt, man nicht in die Zukunft schauen kann, Strange sich vielleicht nur noch weiter Varianten hätte anschauen müssen, um noch eine zweite Möglichkeit zu sehen und und und, wenn man aber dazu bereit ist, sich auf die bisher in diesem Franchise etablierten Gegebenheiten einzulassen, muss man sagen, dass die Tatsache, dass Dr. Strange dank dem Zeitstein in die Zukunft schaut stimmig und nachvollziehbar ist. Und wenn man daher akzeptiert, dass Dr. Strange die wirklich einzige Möglichkeit kennt, um Thanos zu vernichten, dann muss man logischerweise auch akzeptieren, dass Tony/Iron Man sich opfern musste – dazu darf man das Drehbuch aber eben nicht von Außen betrachten, sondern muss sich gedanklich in die vom Drehbuch etablierte Welt begeben.
Noch einmal der von mir hier gemachte Gedankengang, um das Ganze zusammenzufassen: Dr. Strange kennt über 14 Millionen Zukünfte in denen die Avengers versucht haben Thanos zu töten – unter all diesen Varianten hat er nur eine gesehen, in der die Helden erfolgreich waren und zwar jene, die uns am Ende von „Infinity War“ und über die Laufzeit von „Endgame“ hinweg präsentiert wurde, also jene, in der sie zunächst verlieren und sich Iron Man 5 Jahre später in der Schlacht opfert – in einem Moment am Schlachtfeld realisiert er, dass diese Variante genau jetzt eintreten kann, indem Iron Man sich opfert – Dr. Strange gibt Iron Man genau jenes Zeichen, das nötig war, damit Iron Man realisiert was er tun muss – Iron Man opfert sich.
Wie gesagt, wenn man die aufgestellte Prämisse, dass Dr. Strange den einzigen Weg zum Ziel kennt und die im Film gezeigte Variante diese eine, einzige Möglichkeit ist Thanos zu besiegen, nicht akzeptiert, wird man seine Probleme mit dem Ende haben, dass bedeutet aber nicht, dass das Drehbuch deswegen bei diesem Handlungsstrang in irgendeiner Weise inkohärent wäre. Wenn ihr euch also das nächste Mal fragt, ob es nicht vielleicht doch eine andere Möglichkeit gegeben hätte, dann lautet die einzig richtig Antwort darauf „Nein“, da die etablierte Welt keine andere Möglichkeit zulässt.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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