Meine Gedanken zu…Kinotrailern oder die Kunst einen Film vorab zu ruinieren

Hallo zusammen,

heute möchte ich mal wieder meine Gedanken zu einem Thema mit euch teilen, dass mich, wie wohl beinahe jeden Filmfan, schon seit Jahren beschäftigt – nämlich Trailer für kommende Filme. Zumeist habe ich kein Problem mit den zeitlich relativ begrenzten Bilderfolgen, die dem Publikum ein bald erscheinendes filmisches Projekt schmackhaft machen sollen – ganz im Gegenteil, denn ein richtig guter Trailer schafft es nicht nur die Aufmerksamkeit auf Werke zu lenken, die man ansonsten vielleicht übersehen hätte, sondern auch die Vorfreude auf Projekte zu steigern, die man eh schon sehnsüchtig erwartet. Obwohl ich also prinzipielle Fürsprecherin bin, ertappe ich mich doch immer öfter bei einem Moment des Zögerns, bevor ich einen neu erschienen Trailer anschaue. Der Grund dafür ist einfach: Trailer können einen Film allzu leicht vorab ruinieren. Okay, vielleicht ist „ruinieren“ ein zu starkes Wort, denn ein guter Film wird immer ein guter Film bleiben, ob man den Twist nun schon kennt oder nicht, aber dennoch kann einem ein schlecht produzierter Trailer viel von diesem Zauber einer ersten Sichtung nehmen.
Für mich haben sich dabei zwei Praktiken herauskristallisiert, die dafür verantwortlich sein können, dass ein Trailer das potentielle Kinovergnügen schmälert: erstens, der Trailer verratet zu viele Handlungselemente, wenn nicht gar die gesamte Handlung, und zweitens, der Trailer weckt beim Zuschauer falsche Erwartungen an den Film, er ist also irreführend.

Reden wir zunächst einmal über die erstgenannte und wohl auch am meisten gefürchtete Praktik – dem Verraten der Handlung. Auch wenn ich die momentan vorherrschende panische Angst vor Spoilern, die zur Zeit durch das Netz geistert, schön langsam etwas übertrieben finde, muss ich doch gestehen, dass auch ich nur ungern im Vorfeld der Sichtung eines Film über wichtige Handlungselemente oder gar einen Twist informiert werde. Passiert es dennoch einmal, dass ein Post, ein Bericht oder eine Kritik mir einen Ticken mehr verrät, als mir lieb ist, zucke ich meist lediglich mit den Schultern ohne mich deswegen wirklich aufzuregen – so etwas kann schließlich in der Hitze des Gefechts mal passieren. Anders verhält es sich da bei Trailern, denn hier steckt eine Marketingstrategie dahinter, viele Leute sind in den Prozess eingebunden und es gibt eigene Studios, die sich mit nichts anderem beschäftigen, als der Produktion von Trailern. Dass hier dann keinem Menschen in diesem ganzen Prozess auffällt, dass die gegebenen Informationen vielleicht ein wenig zu viel des Guten sein könnten, kann ich mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen – und es scheint auch nicht sporadisch aus Versehen zu geschehen, sondern immer öfter der Fall zu sein.
Nehmen wir zum Beispiel mal ein Franchise, dass mir mit den Trailern zu seinen letzten drei Filmen einen Schlag versetzt hat: das Terminator-Franchise. Hier wird gespoilert was das Zeug hält, vielleicht nicht gerade der Fortlauf der Handlung, aber doch wichtige Handlungsmomente, die ohne Vorkenntnis im Kinosaal für echte Gänsehautmomente hätten sorgen können, so aber lediglich Flashbacks an den gesehenen Trailer hervorrufen. Im Trailer zum vierten Teil mit dem klingenden Titel „Terminator: Die Erlösung“ hat es das Studio zum Beispiel geschafft, dem Zuschauer zu verraten, dass der von Sam Worthington gespielte Charakter gar kein Mensch, sondern eine Maschine ist. Weil das so schön war, haben sie es dann in „Terminator Genisys“ gleich noch einmal gemacht und auf die Spitze getrieben, indem sie einfach mal so gezeigt haben, dass John Conner selbst als böse Killermaschine in der Zeit zurück reist. Und damit wären wir beim Trailer für den aktuellen Teil angelangt, dieser wurde vor ein paar Wochen veröffentlicht und was mussten meine Augen sehen, erneut weiß ich nach den ersten Sekunden, dass eine der vermeintlichen Hauptdarstellerinnen kein Mensch ist. Wer jetzt zurecht einwenden möchte, dass man das auch bei den ersten zwei Teilen durch Promomaterial mitbekommen hat, dem kann ich nur zustimmen, aber dort war es so, dass sich in dieser Tatsache die Prämisse des Film widerspiegelt – ich kann nun mal keinen Film über einen zeitreisenden Terminator vermarkten, ohne dabei zu zeigen, dass ein Terminator durch die Zeit reist. Wenn ich mich allerdings in einem bereits etablierten Franchise befinde, in dem die Prämisse hinlänglich bekannt ist, kann ich mir das Spoilern eines jeden wichtigen maschinellen Charakters getrost auch einmal sparen und stattdessen einen genialen, da unvorhergesehenen, Kinomoment erzeugen, über den die Leute am Ende vielleicht noch jahrelang reden würden. Dass es sich hierbei um kein wirklich neues Phänomen handelt beweist übrigens eindrucksvoll der Trailer zu dem Film „Cast Away“ mit Tom Hanks – hier wird doch tatsächlich offengelegt, dass der Charakter es früher oder später wieder unbeschadet von der Insel runter schafft.

Wie oben bereits erwähnt, können aber nicht nur gezeigte Handlungselemente oder Schlüsselmomente ein Dorn im Auge des Zuschauers sein, sondern auch das Schüren falscher Erwartungen. Zugegeben, manchmal können die Trailerfirmen eher wenig dafür, da sich die Filme meist noch in der Produktion befinden und mit dem gearbeitet werden muss, was zur Verfügung steht, trotzdem kann mir keiner erzählen, dass der prinzipielle Ton eines Films zu diesem Zeitpunkt nicht schon beschlossene Sache ist. Wenn dann allerdings Szenen so zusammengeschnitten werden, dass sie dem Zuschauer einen anderen Film, manchmal sogar ein ganz anderes Genre, vorgaukeln, ist das nicht nur schlechtes Marketing, sondern wird am Ende mit ziemlicher Sicherheit dazu führen, dass der Film eine schlechtere Nachrede erhält, als er vielleicht verdient hätte und das lediglich aus dem einen Grund, dass gewisse geschürte Erwartungen nicht erfüllt wurden. Bestes Beispiel aus den letzten Jahren für einen vollkommen misslungenen Trailer ist jener zu dem Film „Passengers“. Hier wurde dem Publikum ein Weltraumthriller mit möglichem Creature Feature Einschlag versprochen und bekommen hat es eine sehr eigene aber eigentlich wirklich gut erzählte und beeindruckend gespielte Liebesgeschichte, die sich etwas abseits der Norm bewegt. Die Reaktionen waren ernüchternd und nach vielen Kommentaren zu urteilen eben genau aus dem Grund, dass sich die Leute das eine erwartet und etwas anderes bekommen haben.

Die eben erläuterten Punkte haben bei mir übrigens tatsächlich dazu geführt, dass ich mir bei größeren Produktionen zumeist entweder gar keinen, oder nur den ersten Trailer anschaue und eher nach Indie-Perlen auf den Trailerseiten Ausschau halte.

Wie steht Ihr zu dem Thema? Habt Ihr mit den angesprochenen Praktiken eh keine Probleme oder haben sie auch bei euch dazu geführt, dass Ihr Trailer mit Vorsicht genießt?

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

15 Kommentare zu „Meine Gedanken zu…Kinotrailern oder die Kunst einen Film vorab zu ruinieren

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  1. Für mich ließe sich das grundlegende Problem durch einen ganz einfach Kniff lösen: Macht die Trailer kürzer! Aktuell ist ja jeder 2,5 bis 3 Minuten lang. Wenn man öfter im Kino ist und denselben Trailer fünf Mal schauen muss, geht einem das schon ziemlich auf den Kecks. Eine Minute wäre für mich die perfekte Länge.
    Zum Spoilern: Erstaunlicherweise gibt es einige rühmliche Ausnahmen, bei denen Produktion und Marketing auf dieses Problem achten. Da fällt mir sofort „Endgame“ ein.

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    1. Stimmt, die Trailer werden wirklich immer ausartender…1 Minute sollte wohl locker reichen, um das Publikum für einen Film zu interessieren und mehr muss ein Trailer ja auch eigentlich gar nicht schaffen 😉.

      Ja, es gibt eh auch einige sehr gute Beispiele für Trailer, „Endgame“ würde ich zB sofort unterschreiben, aber in letzter Zeit fällt mir dieser merkwürdige Trend zu zu langen und verräterischen Trailern einfach immer mehr ins Auge.

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  2. Ich nehme schon seit über 20 Jahren keine Trailer mehr ernst. Entweder zeigen sie eben schon die Handlung oder Sachen, die einen komplett falschen Eindruck vermitteln.
    Das hast du ja oben schon erwähnt – aber ich wollte nur dami9t sagen, ich geh mit sehr wenig Erwartungen an Filmtrailer heran.

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    1. Vielleicht findest du dann ja einen Beitrag ganz spannend, der nächste Woche hier erscheint…da habe ich mir nämlich 10 Trailer rausgesucht, die besser waren als der eigentliche Film 😉

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  3. Grundsätzlich finde ich Trailer eine wichtige Sache und gerade für mein Kinoverständnis sind sie essentiell. Allerdings muss man berücksichtigen, dass sie Lust auf den Film machen sollen und da machen viele Trailer ihre Sache richtig, ob sie zu viel verraten oder nicht. So fand ich den Trailer zu „Die Frau des Nobelpreisträgers“ eine Zumutung, da er zu viel verrät, wohl hat er Menschen ins Kino gelockt. Da finde ich Aspekt Zwei den du nennst nochmal schlimmer, was wohl die Allgemeinheit auch so sieht, da Filme mit irreführenden Trailer wie Passengers oder Downsizing komplett abgewatscht werden.
    Die haben ernsthaft gespoilert, dass Tom Hanks in Cast Away von der Insekt runterkommt??

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    1. Ganz prinzipiell finde ich Trailer auch wichtig, vor allem auch für kleinere Produktionen weil man von denen sonst vielleicht gar nicht Wind bekommen würde, und es gibt auch wirklich sehr gute Trailer, manchmal ist der Trailer sogar um einiges besser als der eigentlich Film 😉 , aber irgendwie bemerke ich da einfach einen Trend bei den Trailern der letzten Jahre (vielleicht auch weil ich jetzt mehr darauf achte), der mir einfach nicht gefällt. Ich finde es zum Beispiel auch ganz schlimm, dass größere Produktionen nicht mehr einen Trailer für einen Film rausbringen, sondern immer gleich 3, 4, 5.

      Ja, der Trailer zu Cast Away hat damals sogar den Eindruck vermittelt, dass es in dem Film eher darum gehen würde, wie man sein Leben weiterlebt, nachdem man so lange Zeit verschollen war…das war echt extrem damals.

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  4. Ganz ehrlich, mir wären Trailer wie der für den ersten ‚Alien‘ am liebsten. Trailer, die Szenen zeigen, die so gar nicht unbedingt im Film vorkommen, aber die Stimmung transportieren. Andererseits werden Leute heute wütend, wenn in einem Blockbuster Trailer eine Szene auftaucht, die nicht exakt so im Film ist. Es ist vermutlich nicht einfach jedem gerecht zu werden.

    Mir ist übrigens beim Lesen ein Trailer eingefallen, der im fehlgeleiteten Versuch nicht Deine Kategorie 1 zu erfüllen, voll in Kategorie 2 gerasselt ist: der Trailer zu Cabin in the Woods ließ ihn aussehen wie einen generischen Slasher Film, im sicherlich lobenswerten Versuch nicht den Twist zu zeigen. Oder es wäre lobenswert, wenn der Film es als Twist behandeln würde und nicht in den ersten Minuten seine Karten offen auf den Tisch legen würde. So hatte man dann entäuschte Slasher Fans im Kino und jede Menge Leute, die eine Satire auf das Genre vermutlich geschaut hätten, aber nicht wussten, dass es eine ist. (Später gab es dann bessere Trailer, aber trotzdem)

    Der schlimmste Trend bei Trailern
    DRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖHN
    ist aber
    DRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖHN
    dieser Quatsch,
    DRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖHN
    den wir anscheinend
    DRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖHN
    Nolans Trailer zu Inception
    DRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖHN
    zu verdanken haben
    DRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖHN

    Schönen Dank auch, Chris! 😉

    Gefällt 2 Personen

    1. Hmmm…ich habe weniger ein Problem damit, wenn im Trailer Szenen vorkommen, die es so nicht in den Film schaffen, wie du richtig sagst, soll ein Trailer ja vor allem eine Stimmung vermitteln, was mich allerdings nervt, sind Trailer in denen Szenen so zusammengefügt werden, dass sich plötzlich ganz andere Implikationen ergeben, die dann im Film überhaupt keine Rolle spielen…was denn eh schon wieder unter meine zweite Kategorie fallen würde.

      Stimmt, Cabin in the Woods ist da echt ein gutes Beispiel…da war es zwar löblich, dass sie den Kniff vom Film nicht verraten wollten, dafür haben sie dadurch ganz falschen Erwartungen geschürt…wobei es ja angeblich immer noch Leute geben soll, die die Persiflage nicht verstanden haben und den Film als ernstzunehmenden Slasher betrachten 😉

      Ja, das ist immer so eine Sache mit neuen Techniken, nur weil es einmal gut gepasst und funktioniert hat, heißt das noch lange nicht, dass so ein aufdringliches Dröhnen immer passend ist. Ist ja auch mit der Shaky Cam nichts anderes…nur weil Paul Greengrass das einmal bei der Bourne-Reihe ganz gut einzusetzen wusste, heißt das noch lange nicht, dass jetzt jede Actionszene so ausschauen muss, als ob der Kameramann Parkinson hätte!

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  5. Ja, das sind die altbekannten Probleme, mit denen wahrscheinlich jeder Filmfan früher oder später zu kämpfen hat. Die von dir genannten Beispiele sind gut gewählt. Bei ihnen habe ich mich damals auch sehr geärgert.

    „Die eben erläuterten Punkte haben bei mir übrigens tatsächlich dazu geführt, dass ich mir bei größeren Produktionen zumeist entweder gar keinen, oder nur den ersten Trailer anschaue und eher nach Indie-Perlen auf den Trailerseiten Ausschau halte.“

    Genauso handhabe ich das auch. Bei den großen Produktionen wie z.B. Aladdin oder König der Löwen weiß ich, dass ich den Film auf jeden Fall anschauen werde. Von daher brauche ich auch keinen Trailer. Wenn der gut ist werde ich ihn schauen. Wenn er schlecht is auch. Insofern macht das wenig Sinn. Bei kleineren Filmen kann das schon anders aussehen. Wenn ich von einem Film höre, der interessant erscheint, schaue ich mir schon mal einen Trailer an, um einen Einblick in visuelle Gestaltung/Humor/Schauspieler etc. zu erhalten.

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    1. Eben, ich handhabe das genauso wie du, wenn ich sowieso weiß, dass ich einen Film schauen werde, spar ich mir meistens einfach die Trailer und ansonsten schau ich gern auf Youtube so Trailerzusammenstellungen der letzten Zeit eben um ein paar der kleineren Produktionen mal überhaupt auf den Schirm zu bekommen. Außerdem muss man ja auch sagen, dass bei weitem nicht alle Trailer schlecht gemacht sind…aber der derzeitige Trend gefällt mir halt einfach nicht.

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