Mein „Kino Doppel Whopper“ #6 (Royal Corgi; Anna)

Hallo zusammen,

unglaublich wie schnell die Zeit vergeht, kaum dreht man sich einmal kurz um, da ist der Juli auch schon wieder vorbei. Aber immerhin konnte ich kurz vor Monatsende noch zwei Filme im Kino sichten, die unterschiedlicher kaum hätten sein können – hier trifft knuffiger Hund auf eiskalte Killerin, wer von beiden mich am Ende mehr überzeugen konnte, erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen.


© Wild Bunch

Das Leben von Rex könnte kaum schöner sein, immerhin ist er der absolute Liebling der Queen. Als solch royaler Vierbeiner hat man natürlich neben all den Annehmlichkeiten auch einige Verpflichtungen: da muss schon mal ein Stöckchen apportiert werden, hoher Besuch mit majestätischer Eleganz empfangen werden, oder auch die vierbeinige Begleitung eben jenes hohen Besuchs bespaßt werden – aber das geht Rex dann doch eindeutig zu weit, immerhin ist er doch kein Deckhengst. Und heiraten soll er auch gleich?! Nein danke, da macht er sich doch lieber heimlich auf und davon – doch ganz schnell wird ihm eines bewusst, es ist einfach nirgends so schön wie zu Hause.

Gleich einmal vorweg, „Royal Corgi“ ist ein Animationsfilm, den die Welt wohl nicht unbedingt gebraucht hätte – die Geschichte läuft streng nach Schema F ab und bleibt so zu beinahe jeder Zeit äußerst vorhersehbar, die Charaktere und ihre Entwicklungen könnten Schablonenhafter kaum sein und die wirklich zündenden Gags halten sich in Grenzen. Und trotzdem kann man dem Film den Unterhaltungswert nicht vollständig absprechen, denn die Animationen sind wirklich sehr schön anzuschauen, wenn auch nicht herausragend, das Herzblut der Verantwortlichen hinter dem Projekt ist deutlich spürbar und gerade für Kinder sind die enthaltenen Botschaften, so platt sie für Erwachsene auch wirken mögen, leicht verständlich, amüsant aufbereitet und pädagogisch wertvoll.
Alles in allem kann der Film zwar nicht mit Perlen des Genres wie „Zoomania“, „Alles steht Kopf“ oder „WALL-E“ mithalten, aber für ein nettes, kindgerechtes Abenteuer, das auch den Eltern den ein oder anderen Lacher entlocken kann, reicht es doch allemal.


© 2019 CONSTANTIN FILM – HOLDING GESELLSCHAFT M.B.H

Eigentlich möchte Anna nur endlich etwas Sinnvolles mit ihrem Leben anfangen – weg von den Drogen, ihrem dealenden Freund und den ständigen Erniedrigungen. Nie hätte sie sich träumen lassen, welche Folgen ihre Bewerbung beim russischen Militärdienst nach sich ziehen könnte, denn schon kurze Zeit später, als die Kacke gerade richtig am dampfen ist, wartet plötzlich ein fremder Mann in ihrer Wohnung und unterbreitet ihr jenes Angebot, das sie aus dem Sumpf ihrer derzeitigen Existenz retten soll – sie soll zum KGB kommen, um sich zur Spionin ausbilden zu lassen. Die Ausbildung ist hart, der eigentliche Job noch härter und nur allzu schnell wird klar, dass Anna lediglich die Hölle durch das Fegefeuer eingetauscht hat. Doch wird sie es schaffen, sich den Fängen dieser überaus mächtigen Institution zu entziehen ohne dafür mit ihrem Leben zu bezahlen?

Luc Besson hat sich nach dem eher bescheidenen Fantasy-/ Science Fiction – Abenteuer „Valerian“ also wieder einmal auf sein anderes Steckenpferd besonnen und mit „Anna“ einen Action-/ Spionage – Kracher samt schlagkräftiger weiblicher Hauptrolle in die Kinos gebracht. Was einst bei „Nikita“ noch wunderbar funktionierte, will in diesem speziellen Fall aber leider nicht so recht zünden und das aus einem ganz einfachen Grund: Überambition. Mit gängigen Genremitteln zu experimentieren, diese vielleicht auch mal an ihre Grenzen und darüber hinaus zu treiben, ist prinzipiell nichts Verwerfliches, ganz im Gegenteil, oftmals können solche Spielereien die süßesten Früchte tragen. „Anna“ zählt leider nicht zu diesen Beispielen, da Besson sich hier den Zeitsprung als Stilmittel zur Brust nahm und diesen in einem Ausmaß zum Einsatz bringt, das nur als überbordend bezeichnet werden kann. Da springt die Handlung einfach so einmal ein paar Monate in die Zukunft, dann wieder einige Wochen in die Vergangenheit, nur um am Ende gar ein paar Jahre zurückzublicken und schließlich wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren – und anschließend das ganze Spiel von vorne zu starten. Im Nachhinein versteht man als Zuschauer zwar, was es mit den ganzen Zeitsprüngen auf sich hat, immerhin wollen die vielen Twists und Turns dem Publikum ja auch irgendwie erklärt werden, flüssiger wird der Erzählfluss durch dieses Wissen allerdings nicht.
Man könnte nun ob dieser Überspitzung vielleicht davon ausgehen, dass Luc Besson hier einfach eine Mischung aus Hommage und Persiflage produzieren wollte, allerdings scheint alles andere, abgesehen von der Strukturierung, eindeutig auf einen blutigen Spionage-Thriller hinauslaufen zu wollen, weshalb diese Theorie doch nicht ganz zu passen scheint. Wenigstens reißen die Schauspieler, allen voran Sasha Luss, einiges wieder heraus, machen sie doch allesamt einen hervorragenden Job. Auch die Actionsequenzen sind, trotz einiger schnellerer Schnitte, angenehm nachvollziehbar und mit der nötigen Härte inszeniert – da spritzt das Blut, man sieht die Knochen nur so brechen und auch die Protagonistin muss immer wieder mal einen ganz schön harten Schlag einstecken.
Alles in allem ist „Anna“ leider nicht der nächste große Star am Genre-Firmament geworden, aber wenn man sich einmal an die wild umherspringende Erzählstruktur gewöhnt hat, erwartet einen zumindest ein beinhartes Stück handgemachte Action.


Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

Die harten Fakten:

  • Originaltitel: The Queen’s Corgi
  • Regie: Ben Stassen
  • Laufzeit: 85 Minuten
  • Distributor: Belga Films

—————————————————

  • Originaltitel: Anna
  • Regie: Luc Besson
  • Darsteller: Sasha Luss, Luke Evans, Cillian Murphy, Helen Mirren
  • Laufzeit: 118 Minuten
  • Distributor: Pathé; Summit Entertainment

 

4 Kommentare zu „Mein „Kino Doppel Whopper“ #6 (Royal Corgi; Anna)

Gib deinen ab

  1. Korrekt, dafür war das Remake „Codename: Nina“ flüssiger als flüssig. Meine Rezension damals:

    1990 wirbelte und ballerte eine schlanke Frau über die Leinwände, daß nur so die Fetzen flogen: In Luc Bessons New-Wave-Ästhetik-Triller „Nikita“ verkörperte Anne Parillaud eine junge Drogenabhängige, der nach einem Polizistenmord nur die Wahl bleibt, für den Geheimdienst zu arbeiten und auftragsweise Staatsfeinde zu liquidieren. Aus der zierlichen Frau wurde schnell eine präzise und tödliche Kampfmaschine mit neuer Identität, bis sie sich verliebte und schließlich Beruf und Beziehung nicht mehr trennen konnte.
    Drei Jahre später nun das Remake „Codename: Nina“. Statt Luc Besson, einem Vertreter des jungen französischen Films, führte nun der amerikanische Routinier John Badham („Nr. 5 lebt“, „Das fliegende Auge“, „Die Nacht hat viele Augen“) Regie, und diesmal wird Bridget Fonda – Spitzname: Blow Job! – in der Gosse aufgelesen, ausgebildet und mit dem Codewort „Nina“ auf die Jagd geschickt.
    Ansonsten bleibt alles beim alten: Die Handlung wurde bis auf wenige Szenen komplett übernommen, selbst die Dialoge weise jene Trivialität auf, die man „Nikita“ einst vorwarf. Statt Paris nun eben Kalifornien, statt Jean Reno räumt nun Harvey Keitel (köstlich!) als Saubermacher Victor auf, und selbst das die Hauptdarstellerin dekorativ ins Bild setzende Cinemascopeformat wurde übernommen.
    Einziger Unterschied: Da Bridget Fonda etwas kleiner und zierlicher als ihre französische Vorlage ist, bekam sie noch mächtigere Waffen in die Hand gedrückt…
    Bleibt die Frage, für wen dieser Badham-Streifen interessant ist? Beinharte Nikita-Fans werden die Nase rümpfen und darauf wohl verzichten. Und Besuchern, die das Original nicht kennen, wird eben nur ein mächtig spannender, aber dafür durchgestylter Actionfilm angeboten, der leider nie den Nihilismus von Luc Besson erreicht.

    Gefällt 1 Person

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