Letztens auf…Netflix: Shaft

Hallo zusammen,

erneut konnte ein Netflix Original meine Aufmerksamkeit erregen (und erneut liegt die Sichtung bereits einige Zeit zurück – ich weiß auch nicht, weshalb ich es nicht früher schaffe, diese Beiträge zu realisieren). Die Rede ist natürlich von der neuesten Addition zu einer Filmreihe, die bereits seit den 70ern mit den zugehörigen Titeln in sporadischen Abständen Erfolge feiern konnte. Während zunächst Richard Roundtree in die Rolle des Sprüche klopfenden Privatermittlers schlüpfen durfte und der Figur dank seiner Darstellung Kultstatus verschaffte, übernahm in den 90ern dann Samuel L. Jackson das Zepter – eine Paradebeispiel für eine gelungene Castingentscheidung. Leider bewies Netflix, beziehungsweise der Castingdirektor hinter diesem Projekt, weniger Gespür mit der Verpflichtung von Jessie Usher als neuer Generation. Wieso diese Wahl aber nur die Spitze des Eisbergs ist, erfahrt ihr nach einer kurzen Inhaltsangabe.

Normalerweise umfasst die Stellenbeschreibung eines Analysten beim FBI nicht viel mehr, als seinen Hintern auf einen Stuhl zu pflanzen und den schier unendliche großen Datenstrom in verdaulichere Häppchen aufzuspalten, um so etwaige Bedrohung lokalisieren zu können und den „echten“ Agenten ihr Leben zu erleichtern. Dagegen hätte JJ auch gar nichts einzuwenden, wäre einer seiner besten Freude nicht gerade an einer vermeintlichen Überdosis gestorben, die auf den zweiten Blick doch einige Fragen aufwirft. Da sein Chef aber nichts von seinen wilden Spekulationen hören will, muss JJ wohl oder übel auf eigene Faust ermitteln. Leider wird allzu schnell klar, dass er mit der Situation heillos überfordert ist, weshalb er sich in seiner Verzweiflung an einen Schatten aus der Vergangenheit wendet: seinen Vater John Shaft.

Manche von euch mögen es vielleicht mitbekommen haben: Netflix „Shaft“-Version kam bei Kritikern und Publikum eher mäßig bis schlecht an. Kein Wunder, gibt es doch wirklich einiges an dem Streifen zu bemängeln. Zunächst wäre da einmal die oben bereits erwähnte Wahl des jungen Hauptdarstellers. Zwar macht Usher seine Sache gar nicht einmal so schlecht, zumindest solange er den etwas planlosen, stets überforderten Datenanalysten spielt, der mit seiner höflichen, aufgeschlossenen Art den Gegenentwurf zu Jacksons knallhartem Sprücheklopfer darstellen soll, sobald sich die von ihm verkörperte Figur allerdings immer weiter seinem elterlichen Vorbild annähert, verliert das Spiel ziemlich schnell an Glaubwürdigkeit. Doch nicht nur der Junior, auch der Senior, gespielt von Samuel L. Jackson, wirkt wenig stimmig – war Jacksons Version von „Shaft“ im Jahr 2000 noch ein Badass mit weichem Kern, dem eben nicht alles komplett egal schien, so verkommt er in diesem Film zu einem misogynen, um sich ballernden, wandelnden Wörterbuch für Beschimpfungen jeder Art. Hier scheint das Fehlen eines tiefer gehenden Verständnisses für den kultigen Charaktere auf Seiten der Drehbuchautoren, ebenso wie des Regisseurs, allzu deutlich.
Und doch, trotz all dieser Kritikpunkte, trotz all der Schablonenhaftigkeit, trotz der größtenteils flachen Witze, des beängstigenden Frauenbildes und des nicht weniger beängstigenden Männerbildes, kann ich nicht umhin hier zuzugeben, dass ich durchaus meinen Spaß mit dem Film hatte. Vielleicht liegt das daran, dass ich nichts anderes als hirnverbrannte Action samt zugehörigen Onelinern erwartet hatte, vielleicht liegt es auch daran, dass Samuel L. Jackson die coolste Socke ist, die es auf diesem Planeten gibt, und deswegen einfach alles sagen kann, ohne dass man vor Fremdscham im Boden versinken möchte, oder vielleicht liegt es daran, dass ich zu keiner Sekunde das Gefühl hatte, dass auch nur ein einziger Mensch, der an dieser Produktion beteiligt war, irgendetwas von dem Gezeigten ernst meinte. Und wenn man das ganze weniger als reinen Actionstreifen betrachtet, sondern mehr als Persiflage, als Dekonstruktion eines Genres, das sich seit den 70ern kaum weiterentwickelt hat, dann kann man über viele der vermeintlichen Aufreger plötzlich einfach herzhaft lachen.

Alles in allem ist „Shaft“ rein objektiv betrachtet wahrlich kein guter Film, er wird keine Preise einheimsen und wahrscheinlich bereits in einigen Monaten vollends in Vergessenheit geraten sein. Wer dem ganzen aber mit dem nötigen Mangel an Ernsthaftigkeit entgegentritt und Lust darauf hat Jackson fast zwei Stunden beim Fluchen und Sprüche klopfen zuzuschauen, der kann tatsächlich trotz allem seinen Spaß mit diesem Streifen haben.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…


Die harten Fakten:

  • Darsteller: Jessie Usher, Samuel L. Jackson, Richard Roundtree, Regina Hall, Alexandra Shipp
  • Regisseur: Tim Story
  • Laufzeit: 111 Minuten
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Distributor: Netflix
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3 Gedanken zu “Letztens auf…Netflix: Shaft

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