„Hannibal“ – Serienreview

Hallo zusammen,

endlich bin ich dazu gekommen auch die dritte und finale Staffel der Krimi-/Thrillerserie „Hannibal“ zu schauen und nachdem meine Sichtung der ersten beiden Staffeln schon so lange her war, habe ich mir vorweg auch diese nochmal zu Gemüte geführt, um euch so gleich mal meine Meinung zu der gesamten Serien hier mitteilen zu können.

Fangen wir zunächst mit einer kleinen Geschichte an: 2013, Nacht, ein erleuchtetes Wohnzimmer, ich auf meiner Couch durch das Fernsehrprogramm zappend, plötzlich verweilt meine Aufmerksamkeit auf einem äußerst gut gekleideten Mads Mikkelsen in einer wundervoll inszenierten und ebenso blutigen Szenerie. Ein kurzes Aufrufen des Teletextes lüftet das Geheimnis – es handelt sich um eine der ersten Folgen der wohl ästhetisch überwältigensten Crime-Procedural-Serie der Geschichte. Leider hatte ich die ersten Folgen bereits verpasst, weshalb es erst einmal abwarten hieß, doch als die erste Staffel endlich im Einzelhandel verfügbar war, war die Zeit für eine Sichtung meinerseits gekommen.

Und ich wurde nicht enttäuscht, denn was Bryan Fuller hier zustande gebracht hat, ist in der Serienlandschaft tatsächlich einzigartig. Bereits die Prämisse enthält einiges an Zündstoff, immerhin sind die beiden Hauptfiguren bereits hinreichend aus anderen Filmen und Büchern bekannt. Mads Mikkelsen verkörpert hierbei wohl den kultigsten Serienkiller der cineastischen Popkultur, die Rede ist natürlich von Hannibal Lecter, hier noch als gewiefter Psychiater tätig, dessen Weste noch nicht (blut-)befleckt ist. Ihm gegenüber steht Hugh Dancy als von Dämonen geplagter Profiler, der dafür bekannt ist meist zu tief in die sich ihm darbietenden Abgründe zu blicken. Während der Zuschauer diesem Katz- und Mausspiel mit steter Anspannung folgt, auch deswegen weil die Maus, der arme Profiler, noch gar nicht weiß, dass ihm gegenüber ein Wolf im Schafspelz sitzt, und sich deswegen sogar mit dem hilfsbereiten Zuhörer anfreundet, entfernt sich die Serie immer weiter vom genretypischen Fall der Woche und verdichtet lieber die Suche nach dem Mörder, der sich offensichtlich in den eigenen Reihen befinden muss. Staffel 1 endet dabei mit einem Cliffhanger der schockierenden Art, der einen fingernägelkauend vor dem TV zurücklässt.

In Staffel zwei haben sich die Showrunner endgültig vom klassischen Crime-Procedural-Aufbau verabschiedet und liefern dem Zuschauer die Fortführung und weitere Verdichtung des in der ersten Staffel losgetretenen Kampfes zwischen dem Serienmörder und dem Profiler, wobei letzter nicht nur gegen ersteren ins Feld zieht, sondern dabei auch noch seine Unschuld beweisen muss. Dabei sind Inszenierung und Gestaltung wieder von einer solch einnehmenden Bildästhethik beseelt, dass man sich ihrer schaurigen Schönheit nicht entziehen kann. Ebenso wie bereits die erste, endet auch die zweite Staffel mit einem fiesen Cliffhanger, der rückblickend für mich allerdings dennoch das rundere Ende bedeutet hätte.

Denn Staffel 3 bietet zwar erneut eine herausragende audiovisuelle Inszenierung, aber leider kommt das Drehbuch nicht mehr an das erarbeitete Niveau heran. Unter dieser schleppenden Narrative, der auch das Hinzufügen eines neuen Serienkillers nicht gerade gut tut, da damit der Fokus verschoben wird, leidet natürlich der Spannungsbogen. Und auch das große Finale mutete, gerade im Hinblick auf frühere Iterationen der Figur, eigentümlich an, gerade so als wollten die Showrunner die Geschichte zwar zu einem Abschluss bringen, sich die Möglichkeit einer weiteren Staffel aber nicht vollkommen verbauen – dass bei der Lösung dieses Problems auf das letzte große Leinwandabenteuer eines bekannten Detektivs geschielt wurde, lässt sich wohl kaum von der Hand weisen.

Alles in allem ist und bleibt „Hannibal“ eine einzigartige Serie, die vor allem durch ihre außergewöhnliche audiovisuelle Gestaltung und ihre sehr starke Geschichte, die leider in der dritten Staffel deutlich an Sogwirkung einbüßt, aus der breiten Masse hervorsticht.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

2 Gedanken zu “„Hannibal“ – Serienreview

  1. Die Serie war für mich aber auch das erste Mal, dass ich mit Mads Mikkelsen in Berührung kam und er hat hier von Anfang an mein Herz erobert. Ich hätte ihm wirklich stundenlang bei seinem Spiel zuschauen können.

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  2. Finde auch schade, wie diese Serie immer wieder untergeht, dabei ist sie wahrhaft einzigartig. Die Schauspieler, der Look, der Einblick in die Psyche von Will Graham… das hatte so eine grandiose Faszination auf mich ausgewirkt und waren auch witzigerweise meine ersten Berührungspunkte mit der Figur Hannibal Lecter. Als dann nach langem Warten und einem weiteren Cliffhanger endlich die dritte Staffel kam, hab ich auch sehr beschwerlich und langsam wieder hineingefunden… Aber für mich war das Serienfinale eins der gelungensten, rundesten, belohnensten und zufriedenstellendsten Enden, die ich bei einer Serie erlebt habe und das mir dann tatsächlich auch richtig unter die Haut ging.

    Gefällt 1 Person

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