Rezensionsleichen in meinem Keller (Dezember 2019)

Bevor es hier mit den ganzen Jahreslisten weiter geht, nutze ich noch schnell die Gelegenheit, und schaffe die letzten Leichen des Jahres mal nach draußen, immerhin brauche ich im kommenden Jahr sicher wieder einiges an Platz in meinem Keller. Fangen wir also gleich mal mit der Flut an Filmen an, die ich im Dezember auf dem kleinen Bildschirm gesehen habe, und die aufgrund von Feiertagen und Jahreswechsel ihr Dasein bisher unbeachtet in meinem „Entwürfe“-Ordner fristen mussten.

⇒ Fast and the Furious 8 (Rewatch) 

Prädikat: Hirnverbrannte Action, die trotzdem Spaß macht 

Ja, man kann es nicht anders sagen, die Macher hinter dieser Reihe verlieren mit jedem Teil ein bisschen mehr an Bodenhaftung. Die Action wird immer absurder, auf die Handlungen der Vorgänger wird sowieso nichts mehr gegeben (oder wie sollte es sonst möglich sein, dass ehemalige Feinde plötzlich mir nichts dir nichts zur „Familie“ gehören) und auch hinter der Kamera dürften die aufgeblasenen Egos immer weiter aus dem Ruder laufen. Und trotzdem kann ich nicht umhin zuzugeben, dass ich meinen Spaß mit den Filmen habe – mit jedem übertriebenen Stunt, ob nun handgemacht oder am Computer, mit jedem dümmlich coolen Spruch und mit jedem noch so klischeehaften Bösewicht.

⇒ Get on Up (Erstsichtung) 

Prädikat: Biopic Stangenware

James Brown, der Godfather of Soul, hatte auf jeden Fall ein aufregendes Leben, das sich nur schwer in knapp über zwei Stunden befriedigend erzählen lässt. Ein Problem, mit dem viele Biopics zu kämpfen haben, weshalb sich die meisten Drehbuchautoren entweder darauf beschränken eine relativ kurze Zeitspanne ausführlicher zu behandeln, oder eben mehrere wichtige Stationen in episodenhaften Abschnitten zu beleuchten. Bei Get on Up entschied man sich offensichtlich für die zweite Variante, möchte allerdings zu viel, und kleistert so den Film mit Szenen zu, die nicht nur unzusammenhängend, sondern auch noch unnötig wirken. Hier wäre ein stärkerer und deutlicher Fokus sicher hilfreich gewesen. Zum Glück reißen die tollen Schauspieler und die grandiose Musik wieder einiges raus und machen viele der erzählerischen Stolpersteine beinahe vergessen.

⇒ Warrior (Erstsichtung) 

Prädikat: Bekanntes Sujet eindrucksvoll verpackt

Was habe ich nicht schon von Freunden und Bekannten für Lobeshymnen diesen Film betreffend gehört – großartig, einzigartig, etwas ganz besonderes. Und ja, der Film hat tatsächlich einen sehr angenehmen Rhythmus, und gerade dem finalen Turnier wird der nötige Raum gelassen, um seine volle Wucht und Tragweite zu entfalten. Trotzdem muss ich sagen, dass ich nach der Sichtung doch etwas ernüchtert war, denn der Film zählt von seinem Grundkonzept her eindeutig eher zur genretypischen Massenware – ich meine, der triumphale Aufstieg des unterschätzten Underdogs ist nicht erst seit den Rocky-Filmen als Sujet bekannt.

⇒ V wie Vendetta (Rewatch)

Prädikat: Besonders sehenswert

Ich weiß nicht genau woran es liegt, vielleicht daran, dass ich immer älter und politisch interessierter werde, vielleicht daran, dass mit dem Wissen um die Geschichte und die dort offenbarte Natur des Menschen der Idealist und Optimist in mir immer zynischer wird, vielleicht auch daran, dass die neuesten gesellschaftlichen Entwicklungen zeigen, dass ein Szenario, wie es im Film dargestellt wird, gar nicht so unwahrscheinlich ist, egal, auf jeden Fall gefällt mir „V wie Vendetta“ mit jeder Sichtung noch ein Stück weit besser und nimmt mich emotionaler immer mehr mit.

⇒ 6 Underground (Erstsichtung)

Pärdikat: Wo ist nur das schwarze Loch, wenn man mal eines brauchen würde

Okay, machen wir es kurz, denn ich will diesem Machwerk hier nicht mehr Aufmerksamkeit gönnen, als unbedingt notwendig ist. Ich habe mich von dem Namen Ryan Reynolds blenden lassen, dabei leider den Namen den Regisseurs übersehen, und bin so in die Falle getappt. Zu sehen bekommen habe ich ein furchtbares Schnittgewitter, das sich als Aneinanderreihung von Auto-, Getränke- und Modewerbungen entpuppte, denn anders kann man das aufdringliche Product Placement gepaart mit dem vollkommen Fehlen von Charakterzeichnungen wohl nicht interpretieren.

⇒ Die nackte Kanone 2 1/2 (Rewatch) 

Prädikat: Großangriff auf die Lachmuskeln

Die nackte Kanone und ihre Fortsetzungen zählen zu meinen absoluten Lieblingskomödien, denn sie bieten nicht nur einen erstaunlich spannenden Krimi unter all der Blödelei, sondern haben mit ihren improvisierten Dialogen, den Slapstick-Einlagen und unvergesslichen Gags auch das Genre mit beeinflusst. Und dass die Macher bereits Anfang der 90er Themen wie Klimawandel und erneuerbare Energien in ihren Plot einbauen, zeigt, dass die aktuelle Diskussion schon um einiges früher hätte geführt werden können/sollen – denn auch ich möchte eine Welt, in der man aus der Toilette trinken kann ohne Ausschlag zu kriegen.

⇒ Der Mann, der König sein wollte (Erstsichtung)

Prädikat: Ein Blick kann nicht schaden 

Eine herrlich „altmodische“ Abenteuergeschichte brachte John Huston hier 1975 mit Sean Connery und Michael Caine in den Hauptrollen auf die Kinoleinwände. Man merkt zwar hier und da, dass die Geschichte Kiplings, welche als Vorlage diente, wohl etwas eingedampft wurde, aber nichts desto trotz macht der Film eine Menge Spaß – vielleicht auch deswegen, weil man solche richtigen Abenteuerfilme heutzutage nur mehr selten zu Gesicht bekommt.

⇒ Das brandneue Testament (Rewatch) 

Prädikat: Sehenswert

Auch bei der zweiten Sichtung fand ich diese wirklich außergewöhnliche Idee, deren Potential man leider nicht vollständig ausgeschöpft hat, erneut in einen sehr schönen Film verpackt, der neben all der Skurrilität mit einer guten und wichtigen Botschaft um die Ecke kommt.

⇒ Tulpenfieber (Erstsichtung) 

Prädikat: Kann man mal schauen

Ich weiß auch nicht, aber irgendwie konnte mich der Film nicht so wirklich überzeugen. Zwar geben sich die Schauspieler allesamt sichtlich Mühe, aber man spürt einfach, dass hier ein Buch als Vorlage diente, welches viele Handlungsstränge sehr dicht miteinander verknüpft. So hat denn der Film aufgrund der stets notwendigen Kürzungen mit Pacing-Problemen zu kämpfen, auftretende Konflikte sind zu vorhersehbar und im Resultat auch zu schnell wieder vom Tisch, und ganz allgemein wirkt die Geschichte einfach zu glatt gebügelt.

⇒ Das Löwenmädchen (Erstsichtung) 

Prädikat: Kann man mal schauen

Auch hier bin ich mir sicher, dass sich aus der Vorlage bestimmt mehr hätte machen lassen, denn der Film wirkt stellenweise einfach zu episodenhaft und unzusammenhängend, um tatsächlich in seinen Bann ziehen zu können. Da werden einzelne Situationen mal schnell in den Raum geworfen, weil sie offensichtlich als wichtig erachtet werden, ohne allerdings viel auszusagen, Entscheidungen der Protagonistin wirken dafür teils kaum nachvollziehbar, da hier erläuternde Szenen oder Ereignisse dafür fehlen, und am Ende ging den Machern offensichtlich entweder das Budget oder die Zeit aus, denn plötzlich hastet der Film an den wirklich emotionalen Stationen nur mehr schnell vorüber.

⇒ Watchmen (eigentlich Rewatch aber Erstsichtung des „Ultimate Cut“)

Prädikat: Sehenswert

Auch ich habe mir den Ultimate Cut gegönnt, der Anfang Dezember endlich auf Deutsch erschienen ist, und im Vergleich zur Kinoversion noch einmal beinahe eine Stunde länger dauert. Mit gut 3 1/2 Stunden benötigt man für die Sichtung schon wirklich einiges an Sitzfleisch, allerdings kann ich, als jemand, der zuvor noch nie den Directors Cut gesehen hatte, sagen, dass ich jede Minute mehr genossen habe. Nicht nur, dass man durch die zusätzlichen oder einfach längeren Szenen noch tiefer eintauchen kann in diese verkommene und doch so faszinierende Welt, durch das Einfügen des Animationsfilmes „Tales of the Black Freighter“ bekommt man noch eine zusätzliche Ebene geschenkt, deren Bedeutung für den restlichen Film sich erst nach und nach entfaltet.

 

Das war es auch schon wieder von meiner Seite aus. Habt ihr vielleicht auch den ein oder anderen hier genannten Film gesehen? Wenn ja, wie ist eure Meinung dazu?

Danke fürs Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

 

7 Kommentare zu „Rezensionsleichen in meinem Keller (Dezember 2019)

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