„Knives Out“ – Poirot trifft auf Columbo

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Was passiert, wenn ein äußerst wohlhabender Krimiautor verstirbt? Nun, die zahlreichen Familienmitglieder versammeln sich im imposanten Anwesen, um sich ihr Stück des Kuchens zu sichern. Doch wieso schnüffeln sowohl die Polizei als auch ein Privatdetektiv nach wie vor im Haus herum? War es am Ende vielleicht doch kein Selbstmord?

„Knives Out“: so heißt der neueste Streich von Regisseur Rian Johnson, dem mit diesem kammerspielartigen Stück ein Vertreter des „Whodunit“-Genres par excellence gelungen ist. Nicht umsonst nenne ich bereits in der Überschrift zwei der ganz Großen aus Literatur und Fernsehen, denn der in diesem Film agierende Detektiv namens Benoit Blanc, meisterhaft gespielt von Daniel Craig, der nach all dem Gerenne und Geschieße der letzten Jahre endlich mal wieder beweisen kann, dass er nicht nur den ultraharten Geheimagenten mimen kann, scheint wie eine Kombination all seiner großen Vorbilder. Auf der einen Seite der leicht eitle Charme eines Poirots, die gespielte Schrulligkeit eines Columbos und die herausragende Deduktionsfähigkeit eines Holmes‘ – sozusagen das Beste aus allen Welten.
Doch nicht nur bei seinem Detektiv beweist Johnson, dass er in diesem Genre zu Hause zu sein scheint. Auch die Handlung hält sich einerseits an die etablierten Regeln, spielt andererseits aber so gekonnt mit ihnen, dass sich alles, trotz bekannten Ablaufs, erstaunlich frisch und unverbraucht anfühlt. Stets bewegt sich das Drehbuch auf dem schmalen Grat zwischen anerkennender Hommage und entlarvender Persiflage, geht aber dank spitzzüngiger Dialoge und gekonnt platzierter Pointen nie fehl.
Dass ein Drehbuch, welches so sehr auf das richtige Timing ausgelegt ist, nur funktionieren kann, wenn die Schauspieler allesamt auf den Punkt abliefern, versteht sich von selbst. Und zum Glück gelang es Johnson einen Cast auf die Beine zu stellen, der neben einigen großen Namen auch sehr talentierte, nicht mehr ganz so neue Newcomer aufweist.
In der Fülle an Darstellern liegt allerdings auch der einzige Wermutstropfen dieses amüsanten Treibens begründet, denn je mehr Figuren involviert sind, desto weniger Zeit kann jeder einzelnen eingeräumt werden. Das ist vor allem deswegen schade, weil alle Charaktere so gut angelegt sind, dass man sich als Zuschauer stets wünscht, noch mehr über sie zu erfahren, oder ihnen auch einfach noch ein bisschen länger beim Sticheln und Streiten zuzuschauen.

Alles in allem ist „Knives Out“ ein Film, der auf dem Papier, ob seiner vermeintlichen Formelhaftigkeit, wohl auf den ersten Blick eine ziemlich durchschnittliche Figur machen dürfte, der aber, dank eines ebenso intelligenten wie bissigen Drehbuchs, eines hervorragend aufgelegten Casts, einer großartigen Inszenierung und einem stimmigen Kostüm- und Setdesign, bereits jetzt eines der Highlights des Kinojahres 2020 darstellt.

Danke fürs Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…


Die harten Fakten

  • Originaltitel: —
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Laufzeit: 132 Minuten
  • Regie: Rian Johnson
  • Cast: Daniel Craig, Ana de Armas, Chris Evans, Christopher Plummer uvm

7 Kommentare zu „„Knives Out“ – Poirot trifft auf Columbo

Gib deinen ab

    1. Diese neue Marotte mit den Kassenbons gibt es bei uns inzwischen schon seit Anfang 2019…wurde bei uns verpflichtend eingeführt, um Geschäfte unter der Hand zu minimieren, weshalb wir inzwischen für absolut alles einen Kassenbon bekommen…selbst wenn wir uns nur einen HotDog am Würstelstand gönnen.

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      1. Hab ich letzte Woche erlebt, wie man dadurch Steuerbetrug verhindet: Beim Türken eine Pide gegessen (6.50 Euro), auf dem Bon stand Dosengetränk 1.50 Euro. *gggg*

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  1. Mir hat Daniel Craig in dieser mal etwas zurückhaltenderen Rolle echt super gefallen. Seine Szene mit dem Donut ist echt der Brüller, bin im Kino abgebrochen vor Lachen. Generell der Humor fügt sich gut ein, gerade wenn er das Genre auch persifliert. Einzig wie du sagst das zu kurz kommen der eigentlichen Familie ist echt schade, ab der Hälfte spielt gar keiner mehr eine wirkliche Rolle und gerade von nem Michael Shannon oder einer Toni Colette hätte ich gerne mehr gesehen. Aber ansonsten ein klasse Filmerlebnis, macht super viel Laune und mit der Zeit wächst er sogar noch in mir, weil er so viel Spaß gemacht hat. Ich wäre nicht abgeneigt, wenn Rian Johnson Daniel Craig ein weiteres Mal in die Rolle des Detektiven zwängen würde.

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    1. Tatsächlich würde ich mich auch sehr auf ein Wiedersehen mit Detektiv Blanc freuen…auch wenn da wahrscheinlich viele, die die Nase voll haben von den ganzen Fortsetzungen die Augen überdrehen würden 😄

      Gefällt 1 Person

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