Kultfilm #5: Léon – Der Profi

Hallo zusammen,

das neue Jahr hat begonnen und damit gehen auch die guten Vorsätze einher. Einer meiner Vorsätze (hoffentlich sogar einer der wenigen, die ich einhalten werde) ist es, das „Kultfilme“-Format endlich tatsächlich als monatlich erscheinendes hier zu etablieren. Um meine guten Absichten zu zeigen, gibt es deswegen im Jänner gleich mal einen Film, der mir ganz besonders am Herzen liegt und den ich Ende letzten Jahres in einem Special-Screening auf der großen Leinwand bewundern durfte: die Rede ist von Luc Bessons Meisterwerk „Léon – Der Profi“.

Im Zuge dieser Wiederaufführung, die offenbar im ganzen deutschsprachigen Raum stattgefunden hat, ist mir ein Kritikpunkt an dem Film untergekommen, über den ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht hatte, weil er mir niemals von selber in den Sinn gekommen wäre: nämlich, dass dieser Film eine bedenkliche Beziehung zwischen einem Kind und einem Erwachsenen präsentieren würde, die an Pädophilie grenze. Sofort schossen mir hundert Fragen durch den Kopf, gepaart mit beunruhigenden Zweifeln – konnte es tatsächlich sein, dass es in einem meiner liebsten Filme aller Zeiten eigentlich versteckt um Pädophilie geht und ich das all die Jahre und Sichtungen über nie gesehen habe?!
Ganz klar, eine weitere Sichtung musste her, diesmal mit argwöhnischem Blick in diese Richtung und nach eingehender Prüfung kann ich sagen, dass ich beruhigt bin, denn für mich verbirgt sich hinter dem Film nichts Anrüchiges, sondern nach wie vor jenes Meisterwerk, welches ich schon immer darin gesehen habe. Das liegt vor allem daran, dass die Beziehung zwischen Léon und Mathilda so facettenreich, eindrücklich und organisch gewachsen dargestellt wird, dass man seine Augen schon sehr fest verschließen muss, um nicht den Kern dahinter zu erkennen. Hier geht es nicht um Pädophilie, hier geht es um ein junges Mädchen, das in ihrem Leben schon sehr viel mitgemacht hat, und sich in den ersten Mann verliebt, der ihr so etwas wie Sicherheit bietet – übrigens eine aus psychologischer Sicht äußerst realistische Entwicklung. Und hier geht es um einen Mann, der sich bedingt durch seine Vergangenheit und seine Gegenwart, immer weiter aus dem Leben zurückgezogen hat, einen Mann der zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder einen Menschen wirklich in sein Leben lässt. Während also von seiten des Kindes durchaus amouröse Schwingungen zu spüren sind, regt sich im Mann lediglich ein lange verschüttetes Gefühl von Liebe an und für sich, dass in keiner Weise sexueller Natur ist. So kann man dann auch ohne schlechtes Gewissen eine Träne verdrücken, wenn der Protagonist am Ende seine Liebe gesteht, ebenso wie dies ein Vater gegenüber seiner Tochter tun würde.

Nachdem dies nun aus dem Weg geräumt ist, müssen wir natürlich auch noch kurz ein Wort über Gary Oldman als einen der fiesesten DEA-Agenten der Filmgeschichte verlieren, Jean Renos meisterhaft Darbietung des Prototypes des effizienten Killers würdigen, Natalie Portmans unglaubliche Leistung in einem so zarten Alter hervorheben, und einen Soundtrack erwähnen, der einem durch Mark und Bein geht.

Also, solltet ihr diese grandiose Mischung aus Drama und Action noch nicht kennen, dann ab vor euer Heimkino, solltet ihr diesen Kultfilm allerdings bereits kennen, empfehle ich euch trotzdem eine weitere Sichtung. 😉

Danke fürs Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…


Die harten Fakten:

  • Originaltitel: Léon
  • Erscheinungsjahr: 1994
  • Laufzeit: 105 bzw 127 Minuten (je nach Cut)
  • Regie: Luc Besson
  • Darsteller: Jean Reno, Natalie Portman, Gary Oldman

 

11 Kommentare zu „Kultfilm #5: Léon – Der Profi

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  1. Ein sehr schöner Text und mal ein etwas anderer Blickwinkel. So habe ich es selbst noch nie betrachtet. Auch für mich ein grandioser Film, der als zeitloser Klassiker gelten sollte oder es vielleicht sogar tut.

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  2. Ich finde damit hast du die Beziehung der beiden gut auf den Punkt gebracht und ich finde sie fühlt sich auch sehr natürlich gewachsen an 🙂 Der Film war für mich auch Liebe auf den ersten Blick, hab ihn leider für die Wiederaufführung verpasst 😦 Hab ihn erst einmal gesehen, aber viel länger dürfte das auch nicht auf sich warten lassen, hab immerhin von meinem französischen Onkel zu Weihnachten die BluRay-Box von Luc Besson bekommen 😀 Wo du aber nochmal die Musik erwähnst, hör ich doch nochmal gespannt rein 🙂

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    1. Ich war damals noch zu jung als der regulär im Kino lief und hab mich wirklich so gefreut, als ich letztes Jahr dann die Gelegenheit hatte, den mal auf der großen Leinwand zu sehen. So ist mir auch die Musik zum ersten Mal wirklich sehr positiv aufgefallen…ist halt doch was anderes wenn man das ganze mal mit Dolby Surround Sound erlebt.
      Wobei ich auch nur durch Zufall gesehen hab, dass sie den Film zeigen weil ich halt öfter mal das Kinoprogramm checke…ich finde ja, dass sie für so Wiederaufführungen von Kultfilmen ruhig ein bisschen besser die Werbetrommel rühren könnten…vor drei Jahren hab ich nämlich mal die Chance verpasst mit Matrix auf der großen Leinwand anzuschauen, weil ich erst danach davon erfahren hatte 😬

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      1. Ich hatte tatsächlich aufm Schirm, dass er läuft, aber auch nur durch Kino+, konnte aber dann leider terminlich nicht hin 😕 nachdem ich schon von der Restaurierung von Apocalypse Now im Kino weggeblasen wurde, hätt ich mir den hier soo gerne gegeben, echt ein Jammer
        Finde diese Wiederaufführungen klasse, können die gerne öfters und mit mehr Filmen machen 😄 Matrix wär ich auch dabei gewesen, ist aber auch total an mir vorbeigegangen
        Man muss sich schon sehr aktiv informieren um alles mitzubekommen, das stimmt schon

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      2. Das ist natürlich immer irgendwie das blöde an diesen Wiederaufführungen, dass die dann immer nur an einem Termin gezeigt werden und wenn man da halt keine Zeit hat, hat man Pech gehabt 🙁. Ich wäre auch dafür, dass es öfter solche Wiederaufführungen geben sollte…die sind einfach super. Hab vorletztes Jahr zB auch mal „Das fünfte Element“ auf der großen Leinwand sehen können…das war auch genial 😁

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  3. Auch einer meiner Lieblingsfilme, den ich bald noch einmal sehen möchte. Den Vorwurf hat es schon vor Jahren gegeben, doch er stammt vermutlich von Leuten, die den Film nicht wirklich gesehen haben. Kann deine Einschätzung also nur unterschreiben.

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    1. Ich hatte tatsächlich von diesem Vorwurf des angeblich pädophilen Untertons vorher noch nichts mitbekommen und war wirklich ein bisschen schockiert…ich mein, wie du sagst, wer so einen Vorwurf macht, der kann sich den Film einfach nicht genau angeschaut haben. Der sieht wahrscheinlich nur einen erwachsenen Mann und ein junges Mädchen und die Sache ist für ihn klar 🙄.

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