„Anon“ – Aufgabe #26 (Schaue einen Film, der in einer fernen Zukunft spielt)

Hallo zusammen,

heute muss ich hier mal ein bisschen „schummeln“, denn wie weit in der Zukunft das gezeigte Szenario spielt, lässt einen der Film nicht wissen. In der Synopsis auf letterboxd ist zwar die Rede von einer „nahen“ Zukunft, aber wenn mir einer erzählen möchte, dass wir bald alle mit technischen Modifikationen in unserem Körper herumlaufen, die uns alle möglichen Informationen zu Objekten und Personen quasi in unserem Auge anzeigen, dann kann ich nur den Kopf sachte schütteln und leicht schmunzeln, denn das ist und bleibt hoffentlich noch weit entfernte Zukunftsmusik.
Nachdem ich euch jetzt quasi schon die Prämisse des Films, den absolut gläsernen Menschen, verraten habe, lasst mich euch noch kurz sagen, welche Geschichte sich Drehbuchautor und Regisseur Andrew Niccol zu diesem Thema einfallen hat lassen. Der Job von Detective Sal Frieland war früher sich mal spannender – dank neuer Technologien wird alles, was die Menschen täglich sehen in einer riesigen Cloud namens „The Ether“ gespeichert, passiert also ein Verbrechen, müssen sich die fleißigen Polizisten lediglich die gespeicherten Bilder von dem besagten Zwischenfall anschauen und schon steht der Sachverhalt fest. Um die Daten einsehen zu können, bedarf es allerdings einer eigenen Freigabe, immerhin will man doch nicht, dass jeder einfach im Privatleben des anderen herumschnüffeln kann. Doch eines Tages begegnet Sal auf der Straße einer Unbekannten, die er nicht scannen kann. Als noch am selben Tag ein äußerst skurriler Mordfall passiert, bei dem der Mörder offensichtlich das „Auge“ des Opfers gehackt hat, um seine Identität so zu verbergen, vermutet Detective Sal einen Zusammenhang. Doch schnell muss er feststellen, dass es äußerst gefährlich sein kann, sich mit einem Gegner anzulegen, der manipulieren kann, was man sieht.

Diese recht spannende und durchdacht klingende Geschichte zeigt bereits, dass Niccol kein Neuling in dem Genre ist, immerhin stammen von ihm auch der hervorragende „Gattaca“ und der in seiner Umsetzung zwar eher mittelmäßige aber von seiner Idee her äußerst interessante „In Time“. „Anon“ schlägt dabei leider in dieselbe Kerbe wie „In Time“ und zwar in dem Sinne, dass er eine vielversprechende Idee in einen durchschnittlichen Film verarbeitet.
Das liegt einerseits daran, dass die Welt zu schleißig und konfus konstruiert wird. Niccol nimmt sich zu wenig Zeit, dem Zuschauer die Gesetzmäßigkeiten und technischen Errungenschaften dieses futuristischen Szenarios zu erläutern, wodurch man sich ständig fragt, wie das alles funktioniert, wieso es funktioniert und wie es überhaupt so weit kommen konnte. Natürlich ist es immer schwierig Technologien zu erläutern, die es noch gar nicht wirklich gibt, und in den meisten Fällen sollte man sich allfällige hanebüchene Erklärungen auch besser sparen, aber zumindest ein paar Regeln muss man aufstellen, um dem Zuschauer den Einstieg in die erdachte Welt zu ermöglichen. So ganz ohne Exposition funktioniert ein Film dann halt doch nur in den seltensten Fällen.
Durch diesen Mangel an world building ist man ständig damit beschäftigt, die Welt selber zusammenzufügen, was dazu führt, dass einem die Charaktere ziemlich gleichgültig bleiben, weil man sich nicht voll und ganz auf sie konzentrieren kann. Da können sich Clive Owen und Amada Seyfried noch so sehr bemühen, wenn die Inszenierung sie unbeabsichtigt ständig an die zweite Stelle stellt, baut man als Zuschauer einfach keine richtige Beziehung zu den Figuren auf.

Alles in allem ist „Anon“ aber dennoch aufgrund der spannenden und leider erschreckend plausiblen Prämisse durchaus sehenswert, auch wenn er in seiner Sozialkritik gerne noch ein gutes Stück bissiger und konsequenter hätte sein dürfen.

Danke fürs Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…


Die harten Fakten:

  • Originaltitel: Anon
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Laufzeit: 100 Minuten
  • Regie: Andrew Niccol
  • Darsteller: Clive Owen, Amanda Seyfried

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