„Bücher, die zu bewegten Bildern wurden“ – Challenge #7 (Die Harry Potter Reihe)

Hallo zusammen,

vor ein paar Wochen war es endlich so weit: Ich habe den siebten, und somit letzten, Band der „Harry Potter“-Reihe von Autorin J.K. Rowling beendet. Ein kleiner Meilenstein, das muss ich schon zugeben, immerhin habe ich für alle sieben Bücher knapp über ein Jahr gebraucht – gut, ich habe dazwischen natürlich auch noch anderes gelesen, und gerade zwischen Band 4 und 5 gab es eine sehr lange Pause, trotzdem kann man die Fantasy-Geschichte, rund um den jungen Harry, seine Freunde und den dunklen Magier Voldemort, allein schon aufgrund ihres Umfangs durchaus als episch bezeichnen.
Vielleicht sollte ich, bevor es zu meiner eigentlichen Rezension geht, noch kurz etwas anmerken. Obwohl ich damals eigentlich genau im richtigen Alter gewesen wäre, habe ich die „Harry Potter“-Bücher vorher nicht gelesen, sondern lediglich bei Erscheinen die Filme mit Freunden geschaut. Ich hatte also vorm Lesen der Bücher, dank der Filme, durchaus eine Plan von der Geschichte, das war es dann aber auch schon.
Im Zuge meiner Lese-Challenge habe ich dann beschlossen, doch mal ergründen zu wollen, was denn nun eigentlich hinter dem ganzen Hype steckt. Und obwohl ich zugeben muss, dass einen die Bücher als Erwachsenen, so ganz ohne Nostalgiebrille, nicht mehr ganz so vom Hocker reißen, kann ich dennoch nach der Lektüre sehr gut verstehen, wieso die Geschichte zu so einem popkulturellen Phänomen wurden. Aber lest selbst…

Viele bekannte Ideen zu einem spannenden neuen Märchen vereint

Fangen wir am besten gleich mit einem Punkt an, für den Rowling gerne einmal kritisiert wird, den ich allerdings als eine der größten Stärken ihrer Saga empfinde: die Verwendung vieler bekannter Elemente. Sei es nun der Junge mit der Narbe auf der Stirn, das Kind, welches in ärmlichen Verhältnissen aufwächst und plötzlich feststellt, dass es etwas ganz besonderes ist, die vielen magischen Geschöpfe, von denen die meisten bereits irgendwo in Kultur oder Literatur vorkommen, oder die Idee von Zauberern und Hexen an und für sich – man kann nicht bestreiten, dass sich Rowling großzügig aus dem bereits bestehenden Fantasy-Topf bedient hat. Aber wie oben bereits erwähnt, sehe ich genau darin eine Stärke ihres Werkes, denn auch wenn nichts wirklich neu ist, so ist es doch neu zusammen- und umgesetzt. Außerdem hat das Einbinden bereits bekannter Elemente gerade in Büchern, die eher an Kinder adressiert sind, den großen Vorteil, dass sich auch die Jüngeren schon etwas unter den gedruckten Wörtern vorstellen können. Nehmen wir nur einmal „Drachen“ als Beispiel – die Vorstellungen von solchen Wesen sind in unserer Gesellschaft so verbreitet, dass man keinem Kind mehr erklären muss, was sie unter dem Wort zu verstehen haben, sobald irgendwo steht, dass ein Drache auftaucht, erschafft die eigenen Vorstellungskraft ein Bild vor dem geistigen Auge. So wirken weiter Ausschmückungen dann wie inspirierende Nahrung für die Phantasie, mit deren Hilfe man das bereits heraufbeschworene Bild noch weiter verfeinern kann.

Die Geschichte wächst mit den Charakteren mit 

Wer eine Young-Adult-Fantasy-Geschichte von solchen Ausmaßen angehen möchte, dem muss eines klar sein: Nicht nur die Protagonisten, sondern auch der Großteil der Leserschaft wächst mit den Büchern mit. Diesem Umstand zollt Rowling Gebühr, indem sich nicht nur die Sprache (bis zu einem gewissen Maß), sondern vor allem auch die Geschichte weiterentwickelt. Während die ersten Bände noch sehr kindlich angelegt sind – die neue Welt erst einmal staunend erkundet werden möchte, die Bedrohung zwar schon gegenwärtig aber noch nicht sonderlich ernst ist, und sich die Freunde vor allem für Blödeleien und Quidditch interessieren – werden die Einsätze mit jedem Band der Reihe höher – Leute finden tatsächlich den Tod, die Fronten verhärten sich immer weiter, die Pubertät schlägt voll und ganz zu. Dadurch, dass die Charaktere immer erwachsener werden und die Geschichte immer düsterer, spiegelt Rowling perfekt ihre Zielleserschaft wieder. Diese deutlichen Entwicklungen zwischen den einzelnen Bänden führen allerdings dazu, dass die ersten Bücher einem bei der Lektüre noch sehr kindlich vorkommen – gerade auch was Sprache und Satzbau betrifft – während die späteren Bände, ob der merklich pubertierenden Protagonisten, gehörig an den Nerven zehren können. Was mich auch zum letzten Punkt bringt…

Die Zielgruppenorientierung ist Fluch und Segen zugleich 

Eigentlich fasst die Überschrift meine Gedanken zu diesem Punkt schon sehr gut zusammen. Denn die ausgeprägte Zielgruppenorientierung – der Hauptcharakter ist ein Kind beziehungsweise Jugendlicher, der neben den magischen auch mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen hat, und so eine perfekte Identifikationsfigur bietet, sowohl Sprache als auch Satzbau sind der angestrebten Zielgruppe angepasst, durch die damalige Veröffentlichungspolitik (ein Buch pro Jahr) konnte die Zielgruppe wunderbar mit den Charakteren und ihren Abenteuern mitwachsen – führt dazu, dass immer neue Generationen von Kindern, die sich auf der Schwelle zu Jugendlichen befinden, diese Buchreihe für sich entdecken und sie lieben lernen können; sie führt aber auch dazu, dass man die Geschichte zwar auch als Erwachsener noch immer ganz spannend und kurzweilig finden kann, und vor allem auch den getätigten Aufwand anerkennen kann, einem aber doch auch viele Ungereimtheiten und kleinere Mankos auffallen, die sehr deutlich machen, dass man eben nicht mehr zur Zielgruppe gehört.

Alles in allem ist die „Harry Potter“-Reihe in ihrem Genre betrachtet wahrlich ein Ausnahmewerk und hat sich ihren popkulturellen Stellenwert ganz zu Recht verdient. Durch die deutliche Orientierung hin zu einer bestimmten Leserschaft hat Rowling darüber hinaus auch dafür gesorgt, dass immer neue Generationen ihre Geschichte für sich entdecken können, was eine gewisse Zeitlosigkeit mit sich bringt. Ist man allerdings einmal der Zielgruppe entwachsen, bietet die Geschichte, aufgrund einer fehlenden Identifikationsfigur, nicht mehr ganz so viel Zündstoff und liest sich eher wie ein kurzweiliger Happen für Zwischendurch, der nur wenig emotionalen Nachhall zu bieten hat.


Kurze Gegenüberstellung Bücher/Filme: 

Eines steht natürlich fest, wer die echte „Harry Potter“-Experience haben möchte, der sollte hier tatsächlich lieber zu den Büchern greifen. Denn nicht nur die Welt, ihre Geschöpfe und Verstrickungen werden um einiges detaillierter ausgebaut, auch die ein oder andere Erläuterung zu manchen Ereignissen kommt in den Filmen deutlich zu kurz – wer mir zum Beispiel nur aufgrund der Verfilmung sagen kann, wieso Harry im letzten Teil nach dem Todesfluch von Voldemort nicht stirbt, der verdient einen Orden. Trotzdem muss ich sagen, dass ich die Filme eigentlich wirklich sehr gelungen finde, da sie ein paar der unwichtigeren (oder auch nervigeren) Elemente einfach streichen, andere zu Gunsten der visuellen Dramaturgie etwas umschreiben, sich aber allgemein sehr treu an der Vorlage orientieren. Auch der tonale Umbruch, der in den Filmen auch durch eine andere Farbpalette und ein daran angepasstes color grading verdeutlicht wird, ist gut getroffen und spiegelt gut die Veränderungen in den Büchern wieder. Hier kann man also tatsächlich, je nach Geschmack, getrost zu beiden Varianten greifen – wer gerne tiefer in eine Geschichte eintaucht und sich an kleineren Nebengeschichten erfreut, greift zu den Büchern, wer hingegen lieber das visuelle Spektakel sucht, um sich zurücklehnen und genießen zu können, der macht auch mit den Filmen nichts falsch.

Danke fürs Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

3 Kommentare zu „„Bücher, die zu bewegten Bildern wurden“ – Challenge #7 (Die Harry Potter Reihe)

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    1. Wenn dir die Filme gefallen, würde ich dir auf jeden Fall die Bücher ans Herz legen. Die bauen die Geschichte einfach noch viel mehr aus und haben zumindest für mich ein paar Lücken der Filme gefüllt

      Gefällt 1 Person

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