„Bücher, die zu bewegten Bildern wurden“ – Challenge #9 (Ready Player One)

Hallo zusammen,

auch die Lese-Challenge wird sich wohl doch nicht ganz in diesem Jahr ausgehen – vor allem auch wegen des kleinen Rezensionsstaus, der sich in meinen Entwürfen gebildet hat. Aber macht nichts, ich bin zumindest auf dem richtigen Weg (zwei Bücher wollen noch gelesen und eine handvoll rezensiert werden), weswegen wir auch keine weitere Zeit verlieren und lieber gleich zu dem heutigen Buch kommen.

In der nahen Zukunft ist die Welt zu einem recht trostlosen Ort geworden, weshalb sich der Großteil der Bevölkerung in die OASIS rettet. Hier handelt es sich um mehr als ein simples Computerspiel, denn wer es sich leisten kann, verbringt quasi sein ganzes Leben in dieser virtuellen Realität. Denn hier kann man nicht nur sein, wer man möchte, sondern auch zur Schule gehen, arbeiten, sich mit Freunden treffen. Alles ist möglich, es gibt keine Grenzen. So hat es Entwickler James Halliday vor seinem Tod gewollt. Doch nicht nur das, zusätzlich setzte dieser auch noch ein Testament auf, indem er jeden User zu einer Quest einlud. Wer alle drei Rätsel lösen kann, dem winkt als Preis nichts geringeres als die Mehrheitsrechte an der Firma Gregarious Games – und somit die Kontrolle über die OASIS selbst.

Auf „Ready Player One“ wurde ich eigentlich wirklich nur durch die 2018 erschienene Verfilmung aufmerksam. Davor hatte ich noch nie etwas von dem Buch gehört, dass offensichtlich in Windeseile zum Bestseller und Kultwerk avancierte. Kein Wunder, immerhin wirkt es fast so, als wäre es ein einziges Easter Egg und eine riesige Liebeserklärung an die Nerdkultur. Zumindest dachte ich das, nach der Sichtung des Films und vor der Lektüre des Buches. Während der Lektüre wurde ich dann allerdings mehrmals stutzig, für wen das Buch denn jetzt eigentlich wirklich gedacht ist. Denn wenn tatsächlich „Nerds“ die Zielgruppe sind, dann finden sich wirklich viele Erklärung und Erläuterung, derer es auf gar keinen Fall bedurft hätte, wenn sich der Autor allerdings eher an die „Normalos“ wenden wollte, dann finden sich wieder eindeutig zu wenige davon. Wahrscheinlich war das Ziel wie so oft die goldene Mitte, um so eine möglichst große Leserschaft zu erreichen – was ja auch eigentlich kein Problem ist.

Das eigentliche Problem steckt vielleicht eher in der Tatsache, dass man als Leser viel zu oft das Gefühl bekommt, dass hier stellenweise eher lieblos eine Referenz an die nächste gereiht wird, ohne dass es wirklich durchdacht oder der Handlung förderlich wäre. Vielleicht dachte ich mir auch deswegen so oft: „Das hat mir im Film aber besser gefallen“. Wo wir gerade beim Film sind: dieser hat wirklich einige Elemente der Handlung gravierend verändert und sich lediglich an die Eckpfeiler der Geschichte gehalten, was ein wenig überrascht, wenn man sich einmal vor Augen führt, dass der Autor der Vorlage, Ernest Cline, mit am Drehbuch geschrieben hat. Gut, hier muss man fairerweise sagen, dass es sich bei Buch und Film um zwei völlig unterschiedliche Medien handelt, mit unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten, und trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass selbst Cline der Meinung war, dass man mit einigen Veränderungen eine noch spannendere Version seiner Geschichte erzählen könnte – obwohl selbst der Film schon nicht zu den großen Meisterwerken unserer Zeit gehört (erst recht, wenn man sich mal Spielbergs restliches Oeuvre vor Augen führt).

So führte ein relativ kurzweiliges Buch, welches das Potenzial seiner tollen Prämisse allerdings nie wirklich ausschöpfen konnte, zu einem visuell beeindruckenden, ansonsten aber lediglich ganz netten Abenteuerfilm. Beides nicht unbedingt herausragend, aber doch unterhaltsam genug, um einem die Zeit zu vertreiben.

Danke fürs Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…


Die harten Fakten:

  • Autor: Ernest Cline
  • Übersetzer: Hannes und Sara Riffel
  • Verlag: Fischer TOR
  • ISBN: 978-3-596-29659-0

5 Kommentare zu „„Bücher, die zu bewegten Bildern wurden“ – Challenge #9 (Ready Player One)

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  1. Ich mochte das Buch sehr. Fand auch die popkulturellen Referenzen nicht zu viel. Die Aufgaben im Film hätte ich lieber aus dem Buch gesehen, aber die Abwandlung war tatsächlich nicht schlecht, so hat man quasi doppelt so viel Inhalt. Habe das Buch aber auch gelesen, bevor ich den Film gesehen hatte.

    Gefällt 1 Person

    1. Empfand ich auch so…das meinte ich unter anderem auch so ein bisschen damit, dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, für wen das Buch jetzt gedacht ist, weil so richtige Nerds freuen sich sicher über die ganzen Anspielungen etc während es für andere einfach auch schnell zu viel wird…auf der anderen Seite gibt’s dann wieder ganze Abschnitte, die kein Nerd bräuchte, das Buch aber auch für Unwissende unnötig aufbläht weil die zu dem Zeitpunkt eh schon geistig übersättigt sind.
      Und ich muss sagen, dass mir zum Beispiel gerade die einzelnen Aufgaben im Film deutlich besser gefallen haben, als im Buch…

      Gefällt mir

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