„Bücher, die zu bewegten Bildern wurden“ – Challenge #10 (Mord im Orient-Express)

Hallo zusammen,

auch bei meiner ganz persönlichen Lese-Challenge, die bereits seit 2018 läuft, gibt es wieder eine „Etappe“, die ich abhaken kann. Diesmal habe ich mich der Großmeisterin der Krimi-Literatur gewidmet – und mir ihr Werk sogar in englischer Sprache zu Gemüte geführt. Meine Wahl viel dabei auf eines der wohl bekanntesten Werke Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ und das aus zweierlei Gründen. Einerseits kannte ich hier bereits die beiden Verfilmungen aus den Jahren 1974 und 2017, andererseits hatte mir mein Mann bei einem London-Trip 2018 eine sehr schöne Ausgabe dieses Buchs geschenkt.

Ich hatte also die Gelegenheit mehrere Versionen der Geschichte miteinander zu vergleichen und muss ganz klar sagen: Das Buch gefällt mir am besten. Das liegt allerdings weniger an dem geschilderten Geschehen, sondern viel mehr an Christies Schreibstil. Denn diese Dame verstand das Spiel mit der spitzen Feder wahrhaft meisterlich. Ihre Dialoge strotzen nur so vor Schlagkraft, Witz und Esprit. Gerade ihr legendärer belgischer Meisterdetektiv Hercule Poirot ist an zynischem Wortwitz wohl kaum zu überbieten. Wobei es hier nie plump zur Sache geht, sondern stets alles fein in die Unterhaltung verwoben ist. So ertappt man sich beim Lesen dabei, dass man sich an vielen Stellen des Schmunzelns, oder gar Lachens, nicht erwehren kann.

Die Auflösung (für all jene unter euch, die noch nicht um des Rätsels Lösung wissen, hier nun die Entwarnung: Ich werde natürlich nichts preisgeben 😉 ) kommt dann ebenso überraschend wie vielschichtig einher – immerhin wirft sie die ein oder andere moralische und ethische Frage auf. Aber genau so muss das eben bei einem Krimi sein, will er aus der Masse hervorstechen: Nicht bloß platte Unterhaltung, sondern auch ein wenig härterer Tobak, der einen tatsächlich zum Nachdenken anregt.

Die 1974 erschienene Verfilmung fängt zwar dieses Dilemma und die vielen Irrungen und Wirrungen des Geschehens sehr gut ein, verliert auf dem Weg für mich aber zu viel von dem feinen Humor, welcher der Geschichte erst so richtig Leben einhaucht.

Die Version aus dem Jahr 2017 stinkt für ich hingegen, gerade im Vergleich zum Buch, doch recht deutlich ab. Hier fehlen wichtige Schlüsselelemente, es wird viel zu wenig Augenmerk auf die Verhöre gelegt, dafür unnötige Actionszenen eingebaut, und auch hier vermag es dem Drehbuchautor nicht zu gelingen, den spritzigen Ton Christies in sein Skript zu übertragen.

Alles in allem kann ich an dieser Stelle somit wirklich nur den Griff zum Buch empfehlen, will man verstehen, wieso Geschichte und Autorin sich nach wie vor so großer Beliebtheit erfreuen. Will man allerdings einfach nur schnell wissen, wie die Auflösung eines der berühmtesten Kriminalfälle der Filmgeschichte lautet, dann nehmt euch lieber die ältere Filmversion zur Brust.


Die harten Fakten:

  • Originaltitel: Murder on the Orient Express
  • Autorin: Agatha Christie
  • Seitenanzahl: 256 Seiten
  • Verlag: Harper Collins Publishers
  • ISBN: 9780062424754

4 Kommentare zu „„Bücher, die zu bewegten Bildern wurden“ – Challenge #10 (Mord im Orient-Express)

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