Diagonale 2021 – Innovatives Kino

Hallo zusammen,

mit diesem Beitrag endet nun meine „Berichterstattung“ über all die Filme, die ich im Zuge des diesjährigen Diagonale Filmfestivals gesehen habe. Wie ihr meinem Erfahrungsbericht bereits entnehmen konntet, war in diesem Jahr zwar alles ein bisschen anders, insgesamt war das Festival aber dennoch wieder sehr schön und ein voller Erfolg.
Und da sich dieses Festival auf die Fahne geschrieben hat, den österreichischen Film in all seinen Spielarten zu feiern, kommen heute nach den Spielfilmen und den Dokumtarfilmen, jene Filme an die Reihe, die dem „Innovativen Kino“ zugeordnet wurden. Ganze 7 Filme habe ich aus dieser Sparte gesehen. All diesen Filmen ist gemein, dass keiner über 15 Minuten lang ist, die meisten sogar deutlich kürzer, und als mehr oder weniger experimentell angesehen werden können.

Meshes of the Afternoon: 

Fangen wir dabei doch gleich mal mit dem ältesten der Filme an, der allerdings gleichzeitig auch mein Highlight dieser Sparte darstellt. Irgendwie verstörend, aber doch auch ergreifend in seinen Bildern, nehmen uns Maya Deren und Alexander Hammid mit in einen Fiebertraum,  in dem die Grenzen zwischen Realität und Phantasie immer weiter verschmelzen, sich in Wiederholungen ergehen, mit dem Konzept Zeit als solches spielen und so 14 Minuten purste Leinwandkunst produzieren, die ich mir wirkliche gerne angeschaut habe.

Es ist genau genug Zeit: 

Den Verlust des eigenen Kindes zu ertragen, ist wohl das schlimmste Schicksal mit dem sich Eltern konfrontiert sehen können. Jeder geht mit dem Schmerz auf seine eigene Art um, die nötigen Ventile sind vielseitig und oft an unerwarteten Orten zu finden. So führte Filmemacher Virgil Widrich ein unvollendetes Daumenkino seines mit zwölf Jahren verstorbenen Sohnes Oscar weiter, vollendete so die Geschichte und präsentiert sie nun der Öffentlichkeit in diesem kurzen Film.

Clusterfuck: 

Hier ist der Name Programm. Denn was noch relativ harmlos mit einem alten Röhrenfernseher und einer Lesung beginnt, zerfällt zusehends immer weiter in einen echten Clusterfuck. Bildfetzen, grelle Lichter, fiepende bis wummernde Töne drängen auf den Zuseher ein. Für Epileptiker auf jeden Fall gänzlich ungeeignet. Und auch so sind die 7 Minuten nicht gerade leicht zu ertragen.

Into the Wild:

Wer einmal eine Vorstellung davon bekommen möchte, wie es ausschauen müsste, wenn man eine alte Filmrolle im Wald vergräbt, nach 50 Jahren wiederfindet und dann über einen ebenso alten Projektor laufen lässt, nun, der muss sich einfach nur „Into the Wild“ anschauen. 5 Minuten lang sieht man hier eine Farm, geisterhaft erkennt man hier und da Pferde, ansonsten ist alles durchzogen von Kratzern, Unschärfen und doch irgendwie einer eigenwilligen Schönheit.

Actually – a Summer Film: 

Ein Mann, der schwimmt. Ein paar Filmschnipsel. Eigentlich nichts besonderes. Doch da ist auch noch ein Stimme. Ein Sprecher aus dem Off. Bemerkungen, Anekdoten, Beobachtungen – völlig aus dem Kontext genommen…oder etwa doch nicht? Am Ende der 9 Minuten kann man auf jeden Fall auch als Zuschauer sagen: It’s actually a summer movie.

The Institute: 

Bei diesem Film kann man schon zu überlegen beginnen, ob er nun wirklich zum „Innovativen Kino“ gehört, oder nicht vielleicht doch eher zu den Kurzdokumentarfilmen. Denn auch wenn er sich eines ganz eigenen Animationsstils bedient, hat er doch ein ganz reales Problem zum Thema: die Bedrohung von Kolumbiens Artenreichtum. Und um dieses Problem besser zu verstehen, lässt Filmemacher Glandien die Transgenderaktivistin und Naturwissenschaftlerin Brigitte Baptiste zu Wort kommen bzw. ihr gezeichnetes Pendant.

2 Punkte Programm: 

In der Kurzbeschreibung zu dem Film, die im Programmheft der Diagonale zu finden ist, wird ein Vergleich mit Tarantino, wenn nicht gezogen, so doch zumindest angedeutet. Ich konnte diese Brücke leider beim besten Willen nicht schlagen. Zwei orange WC-Figuren (eine männliche und eine weibliche) regungslos auf gelbem Grund. Dazu zwei schwarze Punkte, die sich über das Bild bewegen. Und Musik, oder besser gesagt Töne, die sich manchmal leichter, manchmal schwerer zuordnen lassen. Die Töne waren ganz spannend, schienen sie doch von einem durch die Gegend schlendernden Mann zu erzählen, die Positionierung der Punkte wirkte hingegen so wahllos, dass ich einfach keinen Sinn sehen und keine Verbindung herstellen konnte.

Und damit verabschiede ich mich nun gedanklich von der Diagonale 2021, und freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn hoffentlich wieder unter ganz normalen Umständen der Vorhang für die Diagonale 2022 gehoben werden kann.

Danke fürs Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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