Mein „Kino Doppel Whopper“ #4 (Green Book; The Mule)


Hallo zusammen,

am Dienstag war es mal wieder soweit, nachdem ich mich schon lange nicht mehr für einen ganzen Nachmittag in mein Stammkino begeben habe, war mal wieder eine Doppelvorstellung dringend angezeigt – erst recht weil es gleich zwei Filme gab, die ich unbedingt sichten wollte. Die erste Vorstellung drehte sich rund um eine herzerwärmende Freundschaft, die gerade dank zahlreicher Award-Nominierungen in aller Munde ist, in der zweiten ging es dann um einen alten Herrn, der so mir nichts dir nichts zum gefragten Drogenkurier avanciert – zwei sehr unterschiedliche Filme also, die mir eine tolle Zeit im Kino bescherten. Fangen wir dabei gleich mal mit jenem Film an, den ich zuerst sehen durfte und der mir bewies, dass er all die Lobeshymnen wahrlich verdient hat – Green Book…


© 2019 Twentieth Century Fox

Frank Vallelonga, von seinen Freunden Tony Lip genannt, ist Rausschmeißer im angesagten „Copacabana“ und eigentlich ganz zufrieden mit seinem Leben. In seinem Viertel von vielen geachtet, mit einer verständnisvollen und liebevollen Frau gesegnet und seiner gesamten Sippe nur ein paar Schritte entfernt, hat es der Italoamerikaner gut getroffen. Als eines Tages das „Copacabana“ wegen Renovierungsarbeiten für zwei Monate schließt, muss sich Tony allerdings etwas überlegen, um weiterhin die Brötchen auf den Tisch bringen zu können. Da kommt ihm das Angebot eines afroamerikanischen Klavierspielers namens Dr. Don Shirley gerade recht, der Tony bittet, ihn auf einer Tournee durch den Südstaaten als Fahrer und Aufpasser zu begleiten. Zwei Welten die unterschiedlicher kaum sein könnten, prallen während den langen Fahrten quer durch die schier unendlichen Weiten der USA aufeinander, doch allen Unstimmigkeiten zum Trotz entspinnt sich bald eine Freundschaft fürs Leben.

„Green Book“ ist einer jener Filme, die es von Zeit zu Zeit einfach braucht, um den Zuschauer daran zu erinnern, dass es neben den schweren, dramatischen und bombastischen Geschichten auch die kleinen, leichten, dafür aber umso feiner erzählten gibt, die einem das Herz erweichen – ein echter Feel Good Movie eben. Und „echt“ schreibe ich deswegen, weil der Begriff heute allzu oft mit einer seichten Komödie in Verbindung gebracht wird, die so vor sich dahin plätschert, mit der man seinen Spaß hat, die aber auch 10 Minuten nach der Sichtung schon wieder zu verblasen beginnt – und all das ist „Green Book“ eben nicht. Der Film repräsentiert vielmehr jene Art Glanzlicht am Genrehorizont, das sich für die Ausarbeitung seiner Charaktere Zeit nimmt, das seine Komik aus der Situation heraus findet und dadurch nicht aufgesetzt wirkt, das den Zuschauer mit einem wohlig warmen, lange Zeit noch nachklingen Gefühl aus dem Kinosaal geleitet.
Natürlich wirken manche Szenen etwas zu drüber und böse Zungen könnten argumentieren, dass die Rassenproblematik zu weichgespült dargestellt wird oder überhaupt zu sehr in den Hintergrund gerückt, aber ich denke solche Stimmen verkennen den eigentlich Kern der Geschichte, nämlich die wundervolle Tatsache, dass trotz all der Widrigkeiten eine Freundschaft entstehen kann, die ein Leben lang besteht. Gerade in unserer derzeitigen Welt ist ein Film, der auf berührende Weise Themen wie Diskriminierung und Xenophobie aber eben auch Toleranz und Freundschaft anspricht wichtig und unverzichtbar. Und allen Zweiflern sei noch mit auf den Weg gegeben, die Tatsache, dass es sich hierbei um eine Geschichte handelt, die auf wahren Ereignissen basiert, beweist, dass solche Dinge eben nicht nur im Märchen passieren.


Kommen wir nun zu meiner zweiten Sichtung des vergangenen Dienstags und damit zu einem Film, der mich zwar nicht ganz so begeistern konnte wie „Green Book“, der mich aber dennoch zu unterhalten wusste.

Oops…Poster nicht verfügbar!

Earl Stone ist Gärtner und Blumenzüchter aus Leidenschaft, für diese Leidenschaft opferte er seine Ehe, die Beziehung zu seiner Tochter und einen Großteil seiner Lebenszeit. Als er sein Geschäft aufgrund der stetig wachsenden Konkurrenz durch das Internet schließen muss, bricht zunächst seine Welt zusammen. Doch aus einer gänzlich unerwarteten Richtung naht Rettung, als Earl nämlich eines Tages durch einen Bekannten mit dem mexikanischen Drogenkartell in Verbindung tritt und fortan als Kurier seine Brötchen verdient – nur allzu schnell stellt sich allerdings die Frage, ob dieses schnelle Geld tatsächlich freudespendender Segen oder doch eher lebensbedrohlicher Fluch ist.

„The Mule“, der zum Glück nicht vom hiesigen Verleih eingedeutscht wurde, ist zwar in seiner Inszenierung ein typischer Eastwood-Film, kommt aber trotzdem nicht an Perlen wie „Gran Torino“ oder „Million Dollar Baby“ heran. Das liegt einerseits an den Dialogen, klar gibt sich Eastwood gerne einmal wortkarg aber hier wirken manche Unterhaltungen eigenartig unwirklich, ob ihrer wenigen merkwürdig gewählten Worte. Auch einige der Charaktermomente wirken zu gestellt und mit Biegen und Brechen auf ein Happy End getrimmt; ganz allgemein wirkt der Film trotz seiner Unaufgeregtheit und einigen Kaschierungsversuchen viel zu sehr wie die Geschichte vom heroischen American Dream – der arme Greis, der sich lediglich ein paar Dollar dazu verdienen will, um alle Fehler, die er gegenüber seiner Familie in der Vergangenheit gemacht hat, wieder auszubügeln. Dabei ist es weniger sein Versuch der Wiedergutmachung, der einem leicht sauer aufstößt, sondern die Tatsache, dass er mit seinem Vorhaben so problemlos Erfolg hat.
Aber lasst euch von diesen eher negativen Worten jetzt nicht in die Irre führen, denn auch wenn der Film nicht fehlerfrei ist, so ist der dennoch bei weitem nicht schlecht. Eastwood beweist einmal mehr, dass er auch im weit fortgeschrittenen Alter noch viel von seinem Handwerk versteht; sowohl sein Spiel, als auch seine Regie können sich mehr als sehen lassen. Der alte, reuige Eigenbrötler scheint ihm ja beinahe schon auf den Leib geschrieben zu sein, und trotzdem verleiht er jeder seiner Rollen in diese Richtung seine ganz eigene Note – Earl Stone zum Beispiel, ist zwar ein Mensch, der die Entzweiung mit seiner Familie sehr bereut, der auf der anderen Seite aber auch Spaß am Leben hat. Und auch inszenatorisch liefert Eastwood wieder einen Film ab, der eindeutig seine Handschrift trägt aber dennoch eine eigene DNA aufweist. So kann man abschließend sagen, dass einen bei „The Mule“ vielleicht kein Meisterwerk erwartet aber auf jeden Fall ein unterhaltsamer Film, wenn man mal wieder Lust auf 2 Stunden Eastwood pur hat.


So, das war es jetzt aber auch schon wieder von meiner Seite aus und ich kann nur hoffen, dass der nächste Doppel Whopper auch so schmackhaft sein wird wie dieser (und nicht wieder so lange auf sich warten lassen wird 😉 ).

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

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6 Gedanken zu “Mein „Kino Doppel Whopper“ #4 (Green Book; The Mule)

  1. Hi, Mara.
    Ich denke einer der wesentlichen Momente des Films mag der sein, in dem Don Tony dabei hilft den Brief an seine Frau etwas aufzufrischen. Zu sehen wie Dolores auf die Zeilen reagiert ist nur wunderbar.

    Im Grunde haben mir Geschichten, die Gangster als Normalos darstellen, seltenst gefallen. Erst recht nicht solche, die sie auf einen Schrein stellen.
    ‚The Mule‘ mag die Story vom Normalo erzählen, der auf die schiefe Bahn kommt. Allerdings bleibt Drogengeld blutiges Geld – soviel Nettes Earl auch damit anstellt. Und wenn ich Deine Worte richtig verstehe, dann hinterfragt der Film dies auch nicht.
    Zwar stellt sich Earl (zum Happy End) der Justiz, allerdings wandelt sich der Film dann zum Märchen (zumal die Behörden auch dem Geld nachspüren würden).
    Ein wenig zuviel Weichspüler.
    bonté

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Robert,
      ja, du hast meinen Knackpunkt bei The Mule ganz richtig erkannt, der Film scheint das Gangstermilieu in dem sich Earl da bewegt und auch Earls eigene Taten als Drogenkurier viel zu wenig kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen. Auch das Ende, das schon beinahe heroisch für den alten Herrn wirkt, fühlt sich dezent deplatziert an.

      Liebe Grüße

      Gefällt mir

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