Der Marvel-Monat: Iron Man

Header Image: © Marvel; Disney

Hallo zusammen,

und da ist sie auch schon, die erste Rezension zu dem großen MCU-Special hier auf VERfilmt&ZERlesen! Und wie es sich für eine Puristin wie mich gehört, präsentiere ich euch die 21 bisherigen Filme des Universums in der Reihenfolge ihres Erscheinens – welche weiteren Sichtungsabfolgen noch möglich wären und wie sinnhaft sie im Kontext des größeren Ganzen anmuten, verrate ich euch an andere Stelle. Hier soll es nun erst einmal um jenen Film gehen, mit dem alles begann: „Iron Man“ aus dem Jahr 2008.

Milliardär, Playboy und Waffenproduzent Tony Stark führt ein Leben von dem die meisten wohl nur träumen können – bis er eines Tages den schweren Fehler begeht für eine Demonstration seiner neuesten Entwicklung höchstpersönlich in den Nahen Osten zu fliegen. Dort wartet nämlich bereits eine handvoll Terroristen, bekannt unter dem Namen „Die Zehn Ringe“, darauf dem Sprücheklopfer seine Witzchen auszutreiben. Bei der Entführung geht aber leider etwas schief und so erwacht Tony in einer spärlich beleuchteten Höhle mit einem starken Elektromagneten in der Brust, der dafür sorgt, dass keiner der vielen Granatsplitter, die er bei der Explosion abbekommen hat, zu dicht zu seinem Herzen wandert. Mit der Unterstützung des ebenfalls gefangen genommenen Wissenschaftlers Yinsen, soll Tony daraufhin für seine Entführer ein seiner neuen Raketen nachbauen. Böses ahnend macht sich Tony daraufhin allerdings ans Werk und baut eine Anzug aus Metall, um aus der Höhle entkommen zu können. Zurück in seiner Heimat beschließt Tony die Energie, welche er durch den von ihm entwickelten, in seiner Brust befindlichen, ARK-Reaktor erzeugen kann, für den Antrieb eines verbesserten Kampfanzuges zu benutzen, um so nicht nur Rache an seinen Entführern zu nehmen, sondern auch um künftig als Iron Man die Welt zu beschützen.

2008 war es also soweit, ein neuer Superheld betrat die Bühne und sollte den Weg für ein großes Universum von Filmen ebnen – wobei, eigentlich sollte er zunächst vor allem dafür dienen Spielzeug zu verkaufen. Nachdem einige andere Studios (darunter 20th Century Fox) die Rechte an dem Stoff wieder verworfen hatten, machte sich Marvel selber daran ihren ersten eigens finanzierten Kinofilm auf die Beine zu stellen und entschied sich dabei für „Iron Man“ weil dieser bei einer Umfrage unter Kindern am besten ankam – wie gesagt, eigentlich sollte der Film lediglich als Vehikel für eine neue Initiative am Spielzeugmarkt herhalten. Erst nachdem der Film mit einem verhältnismäßig kleinen Budget zum Kassenerfolg wurde, erkannten die Verantwortlichen in ihren Bürosesseln, allen voran Kevin Feige, das Potenzial der Marke Marvel für die große Leinwand.

Ich persönlich entdeckte den Film tatsächlich erst drei Jahre später, als mir zufällig bei einem Streifzug durch die DVD-Abteilung „Iron Man 2“ entgegen lachte und ich verdutzt mein Hirn durchforstete, ob ich denn je von einem ersten Teil gehört hatte. Zum Glück hatte der Laden zufällig beide Teile vorrätig und so nahm die Geschichte meiner Begeisterung ihren Lauf. Denn der erste Iron Man bietet so ziemlich alles, was man sich als Fan, ebenso wie als Unkundiger die Comics betreffend, von einer Originstory wünscht.

Der Charakter des Tony Stark wird zunächst als lockerer Lebemann dargestellt, der sich keinerlei Sorgen macht und ständig einen flotten Spruch auf den Lippen hat, doch je weiter der Film fortschreitet, desto tiefer wird seine Charakterisierung und der Zuschauer merkt, dass Tony bereits vor seinen Erfahrungen in der Höhle ein gebrannter Mann war, der seine nonchalante Art als Panzer nutzte, hinter dem er sich verstecken konnte, dessen neu gewonnene Aufgabe aber das Beste in ihm zum Vorschein bringt – eine recht klassische Entwicklung im Superheldengenre, aber wie heißt es so schön: „If it ain’t broke, don’t fix it“.

Und dann hätten wir noch den Bösewicht des Films – angeblich einer der gravierendsten Schwachpunkte eines jeden Marvel-Films – Obadiah Stane. Der langjährige Freund und Partner von Tonys Vater, der nach dessen Tod zu so etwas wie Tonys Mentor wurde, wird hier vom „Dude“ höchstpersönlich verkörpert, Jeff Bridges. Um ehrlich zu sein, kann ich verstehen, warum manche die Figur etwas eindimensional finden, zumindest ab dem Zeitpunkt wo Stane zum Iron Monger wird. Bis zu dem großen Finale fand ich aber nur wenig Grund, mich über den Charakter zu beschweren, denn durch die Beziehung zu Tony bekommt die Figur einiges an Tiefe spendiert und der Twist kommt dadurch, zumindest bei der ersten Sichtung, ziemlich unerwartet.

Besonders schön und in dieser Form noch selten zu sehen, waren aber vor allem die unzähligen Easter Eggs (dazu weiter unten noch mehr), Referenzen und das unbestimmte Gefühl gerade Zeuge vom Beginn von etwas Großem zu werden. Spätestens als in der End-Credit-Scene plötzlich Nick Fury die Bildfläche betrat, bekamen Comicfans feuchte Augen und selbst Unwissenden dämmerte, dass hier etwas im Busch war. Eine besondere Freude bereitet Fans außerdem der obligatorische Cameo von Stan Lee, der hier den Playboy aller Playboys Hugh Hefner mimt.

Alles in allem bietet „Iron Man“ somit auch heute noch kurzweilige abendfüllende Unterhaltung und legte gleichzeitig den Grundstein für ein Franchise, das Filmgeschichte schreiben sollte. Außerdem stellte er maßgeblich die Weichen für die grundlegende Tonalität der Werke des MCU, die allesamt vor allem auf eines aus sind, eine packende Geschichte zu erzählen ohne den Unterhaltungswert dabei zu kurz kommen zu lassen.


Zum Abschluss noch ein wenig Trivia:

  • Viele andere Schauspieler waren eigentlich für die Rolle im Gespräch (darunter auch Tom Cruise, Clive Owen und Sam Rockwell) doch Regisseur Jon Favreau und Produzent Kevin Feige bestanden auf Robert Downey Jr. als Hauptdarsteller, da man sich erhoffte, dass er der Figur aufgrund seiner eigenen bewegten Vergangenheit mehr Tiefe verleihen könnte – eine Rechnung die aufging.
  • Als die Dreharbeiten begannen, waren große Teile vom Drehbuch noch absichtlich unfertig, weshalb viele der Szenen und Dialoge improvisiert sind. Auch die Idee, dass sich bei der Pressekonferenz nach Tonys Rückkehr alle auf den Boden setzen sollten, war ein spontaner Einfall von Downey. Während Downey seinen Spaß mit den Improvisationen hatte, taten sich vor allem Gwyneth Paltrow und Jeff Bridges mit der Situation schwer – die eine, weil sie nie so recht wusste, was Downey als nächstes sagen oder tun würde, der andere, weil er sich ansonsten eigentlich gerne sehr gut auf seine Rolle vorbereitet.
  • Paul Bettany, der die künstliche Intelligenz J.A.R.V.I.S. spricht, hat den Film selbst nie gesehen, sondern sprach seinen Part alleine in einem Tonstudio in nur zwei Stunden ein.
  • Der Name J.A.R.V.I.S. bedeutet ausgeschrieben: Just A Rather Very Intelligent System. Der Name ist aber auch eine Hommage an den langjährigen Butler von Howard Stark, Edwin Jarvis.
  • Das Theme der Iron Man – Serie aus den Sechzigern kommt mehrmals im Film vor, zum Beispiel als Klingelton von Rhodeys Mobiltelefon.
  • Kurz vor der finalen Pressekonferenz ließt Tony eine Zeitung mit einem ziemlich verschwommen Bild von Iron Man auf dem Cover – dieses Bild ist Teil eines Videos, welches unerlaubterweise während der Dreharbeiten von Unbefugten, die sich in einem Gestrüpp versteckt hatten, aufgenommen wurde.
  • Bereits in diesem Film kann man das Modell von Captain Americas Schild im Hintergrund erkennen, welches Howard Stark wohl für die Konstruktion verwendet hatte.
  • Der Name „Iron Man“ rührt daher, dass die erste Version seines Anzuges, welche Tony während seiner Gefangenschaft zusammenschweißt, tatsächlich aus Eisen besteht.
  • Ein Iron Monger – Anzug wurde von den Stan Winston Studios für den Film angefertigt, er wog um die 360 Kilogramm, war knapp 3 Meter groß und es brauchte fünf Leute, um ihn zu bewegen. Es war außerdem der letzte Film den Special Effects Experte Stan Winston beendete.
  • Ursprünglich war der Mandarin als Bösewicht angedacht, doch Favreau entschied sich dafür diese Figur lieber als Strippenzieher im Hintergrund zu belassen.

Wer jetzt erst so richtig Lust auf geballtes Hintergrundwissen zu „Iron Man“ bekommen hat, der sollte mal bei der IMDB-Trivia Page zu dem Film vorbeischauen, zu der ihr durch einen Klick ⇒HIER gelangt.

Ich hoffe ihr hatte Spaß mit diesem kleinen Einstieg in die große Filmwelt von Marvel. Freut euch bereits auf den nächsten Beitrag, wenn ich das schwarze, pardon, ich meine natürlich das grüne, Schaf der Familie mal etwas genauer unter die Lupe nehmen werde.

Danke für’s Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal – stay tuned…

 

13 Kommentare zu „Der Marvel-Monat: Iron Man

Gib deinen ab

  1. Namaste, Mara.
    Rein persönlich träume ich ja nicht davon, das Leben eines Playboys zu führen, der seine Milliarden mit Waffen macht – yikes!
    Bereits der erste dicke Negativpunkt (für mich), mit dem die Figur des Tony Stark zu ringen hat; allein deshalb bin ich – wäre ich ein Fan des Genres – eher auf der Seite von Cap zu finden… 🙂
    Bis zur Erwähnung des Filmprojekts war mir Iron Man ein völliger Unbekannter. Eine Popularität muss sich demnach auf den Spielzeugmarkt in den Staaten beschränkt haben. 😎
    Du siehst, meinen Unterhaltungsgrad bei ‚Iron Man‘ als unterkühlt einzuschätzen wäre noch überhitzt.

    bonté

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    1. Hallo Robert,
      nachdem die Figur selbst während des Films eine Entwicklung durchmacht und man eindeutig zu spüren bekommt, dass er mit dem Job als Waffenhändler hadert und dieses Geschäft dann ja auch an den Nagel hängt, empfinde ich das eher weniger als Negativpunkt der Figur…zumal es sogar über die Filme hinweg immer wieder aufgeworfen wird.
      Liebe Grüße

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  2. Mein Lieblingsmarvel bis heute! Wie schön leicht und unbeschwert hier noch alles war… Im Prinzip haben wir es ihm zu „verdanken“, dass so viele Filme der Marvel-Formel unterliegen 😀 Was ja für den Film spricht
    Hab ihn vor einem Monat nochmal gesehen und muss sagen nach all den anderen Marvel-Filmen altert er nicht super grandios, aber man muss ihn in seinem Kontext sehen. Außerdem war ich plötzlich überrascht als mir bewusst wurde, dass Jeff Bridges den Antagonisten spielt, den hatte ich früher als solchen gar nicht wahrgenommen und erkannt haha
    Ich empfand ihn aber noch als einer der besseren Marvel-Bösewichte,er hat mich da nie gestört

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      1. Witziger Zufall…ich muss ehrlich gestehen, dass ich bis heute nicht weiß, ob der erste Teil damals einfach keinen groß angekündigten Release bei uns in den Kinos bekommen hat, oder ob ich den tatsächlich einfach vollkommen verpennt hab?!? Weil so jung war ich 2008 dann auch nicht mehr 😀

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    1. Ich leg ja seit einiger Zeit so etwas wie einen Marvel-Marathon hin eben einerseits um dieses Special überhaupt auf die Beine stellen zu können und auch aus purem Spaß an der Freude 😉 . Und auch ich muss sagen, dass ich es schon echt toll finde wie gut der Film gealtert ist, klar, die Technik entspricht natürlich nicht heutigen Standards, aber das ist ja auch gar nicht möglich, wenn man sich mal anschaut welche Entwicklungen da in den letzten zehn Jahren stattgefunden haben.
      Für mich zählt Bridges übrigens auch zu einem der besser Marvel-Bösewichte…vielleicht auch einfach weil Schurken mit einer persönlichen Beziehung zum Held fast immer auf Anhieb mehrdimensionaler wirken.

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      1. Zum Marvel-Marathon hab ich letzten Monat auch angesetzt. Vor allem, weil es einige Filme gibt die ich damals ausgelassen habe, vielleicht gibt mir das für die Filme noch mehr in denen die Superhelden zusammengeführt werden. Außerdem wollt ich sie dem Test der Zeit aussetzen und schauen ob mir der ein oder andere nicht doch besser gefällt dadurch.
        Was Iron Man angeht, mit dem Altern meinte ich, dass er ja im Prinzip dieselbe Erzählstruktur wie so viel andere Filme mittlerweile hat und eben die so ausgelutschte Origin-Story. Dennoch macht Iron Man dies mit am besten, denn wie du in deinem Beitrag schon herausgestellt hast, macht Tony Stark eine erkennbare und wenig aufgesetzte Charakterentwicklung durch, die man mit viel Spaßverfolgt 🙂

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      2. Für mich ist es eigentlich bei allen Filmen nur eine weitere Sichtung, weil ich alle bereits mehrmals gesehen habe. Wobei ich sagen muss, dass einem auch nach der x-ten Sichtung noch immer Dinge auffallen können, die man vorher nicht so wahrgenommen hat, was aber nicht immer zwangsläufig zu einer besseren Bewertung des Films führt. Als Einzelfilm betrachtet macht Iron Man seine Sache , was die Charakterentwicklung betrifft, schon ziemlich gut. Im größeren Kontext über alle Filme hinweg finde ich allerdings, dass auch viele der anderen Charaktere sehr schöne und nachvollziehbare Entwicklungen spendiert bekommen.
        Noch ein kleiner Gedanke zur ausgelutschten Origin-Story….tatsächlich kann man diese im Kino bis weit vor Iron Man datieren und sie findet sich nicht nur in Superheldenfilmen. Ich habe inzwischen schon das Gefühl, dass sich diese bestimmte Erzählstruktur vielmehr aus den allgemeinen Regeln des Erzählens ergibt, denn die meisten Geschichten sind in drei Akte unterteilt – im ersten lernen wir unseren Helden kennen, im zweiten lernt er sich selbst, seine Fähigkeiten und seine Gegner kennen (diese Gegner sind in Superheldenfilmen halt immer irgendwelche Schurken, können aber zum Beispiel auch innere Konflikte oder ähnliches sein), im dritten triumphiert er dann schließlich über seine Widersacher und steigt wie ein Phönix aus der Asche empor.

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      3. Noch ein Gedanke 😉 …
        deswegen gibt es zum Beispiel auch in RomComs immer die Komplikationen zwischen den Liebenden im zweiten Akt weil man ein tragisches Element in seinen Erzählungen benötigt um eine stimmige Balance herzustellen…sonst würde sich das abschließende Happy End nicht verdient anfühlen (ich bin übrigens diesem ausgelutschten Genre-Klischee weit überdrüssiger als jeder geradlinigen Origin-Story 😉 )

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